Magisterarbeit, 2005
137 Seiten, Note: 1,7
I. Vorwort
II. Einleitung
III. Pessimismus - Besseres Bewusstsein - Mitleid und Heilslehre – Grundzüge der Philosophie Schopenhauers
IV. Darstellung der Philosophie Schopenhauers – 'Die Welt als Wille und Vorstellung erster Band'
IV.1. Erkenntnistheorie
IV.1.1. Kant und die koperkanische Wende – das ewig dunkle Ding an sich
IV.1.2. Die Welt ist meine Vorstellung – Schopenhauers spezifischer Entwurf einer Erkenntnistheorie
IV.1.2.1. Subjekt-Objekt-Beziehung oder die Abgrenzung von absoluten Idealismus und Realismus
IV.1.2.2. Intuitive und abstrakte Vorstellung – Erörterung und Beurteilung der Leistungen des Verstandes und der Vernunft
IV.1.2.2.1. Der Verstand
IV.1.2.3. Wissenschaft– Geltung und Grenzen der Erkenntnis am Leitfaden des Satzes vom Grunde
IV.2. Metaphysik
IV.2.1. Die Suche nach dem Was der Welt – Schopenhauers Grenzgang im Niemandsland
IV.2.2. Die Entdeckung des Selbstbewusstseins –Schopenhauer gräbt sich einen Tunnel zum Ding an sich
IV.2.3. Identität von Leib und Wille und der Analogieschluss – Vom eigenen Leib zur Gesamtheit der Erscheinungen
IV.2.4. Konsequenz – Metaphysik der Natur und die Stufen der Objektivation des Willens
IV.2.5. Die Tragweite der metaphysischen Bestimmung des Wesens als Wille - oder: die sich ergänzenden Ebenen zur Bestätigung der These, alles Leben ist Leiden
IV.2.5.1. Die Gesamtheit des Seins betreffen
IV.2.5.2. Den Menschen betreffend
IV.2.6. Die Hoffnungslosigkeit der Schopenhauerschen Metaphysik und die Frage wo das Rettende erwächst
IV.3. Ästhetik
IV.3.1. Erkenntniskomplettierung
IV.3.1.1. Das entindividualisierte Subjekt der reinen Erkenntnis
IV.3.1.2. Das Objekt der Kunst – Die platonischen Ideen als die Stufen der Objektivation des Willens
IV.3.2. Schopenhauers Bild des Kunstwerkes – Der Genius und die Wiederholung der durch die reine Anschauung aufgefassten ewigen Ideen
IV.3.3. Schopenhauers Bild des Künstlers - Die Tragik der Schopenhauerschen Kunstkonzeption und die Frage nach dem Ernst der Dinge
IV.4. Ethik
IV.4.1. Einschränkung des Geltungsbereiches einer Willensethik– Die Tugend wird nicht gelehrt sowenig wie der Genius
IV.4.2. Die Freiheit des Willens und die Notwendigkeit der Erscheinungswelt – Intellegibler und empirischer Charakter
IV.4.3. Die Bejahung des Willens und der daraus resultierende Ethikentwurf
IV.4.3.1. Egoismus als unmittelbarer Ausdruck des menschlichen Wesens
IV.4.3.2. Die hierarchische Struktur im Schopenhauerschen Moralverständnis
IV.4.3.3.1. Gerechtigkeit
IV.4.3.3.2. Mitleid
IV.5. Schopenhauers Heilslehre
IV.5.1. Der Asket und die Verneinung des Willens als eigentlich freiheitlicher Akt
IV.5.2. Die Veränderung der Erkenntnisart und der Widerspruch zwischen Willensverneinung und leiblicher Existenz
IV.6. Erleuchtung – Gnadenwirkung und der Übergang ins Nichts
V. Versuch einer systematischen Darstellung der problematischen Argumentationsschritte in 'Die Welt als Wille und Vorstellung erster Band' anhand der Rezeptionsgeschichte
V.1. Argumentationsverlauf unkritisch-zustimmenden Interpreten oder – Gehen Schopenhauer und Kant Hand in Hand?
V.1.1. Unmittelbare Verbundenheit – Kant und Schopenhauer gehen Hand in Hand
V.1.2. Metaphysik – Der Alleinherrscher Wille ist das Ding an sich
V.2. Argumentationsverlauf kritisch-zustimmender Interpreten
V.2.1. Die Eigenheit der Schopenhauerschen Philosophie – Schopenhauers kritisches Verhältnis zur kantischen Philosophie
V.2.2. Die veränderte Verstehensart des Willens und die Annäherung an die Ausgangsfrage der Schopenhauerschen Philosophie
V.3. Zusammenfassung der zustimmenden Interpretationsentwürfe
V.4. Argumentationsverlauf der unkritisch-ablehnenden Interpretationsentwürfe
V.4.1. Erkenntnistheorie und Metaphysik – Ein Gewirr von Widersprüchen
V.4.1.1. Der Grundwiderspruch – Das Ding an sich ist Wille
V.4.2. Spezifische Einwände
V.4.2.1. Erkenntnistheorie
V.4.2.2. Willensmetaphysik
V.4.2.2.1. Metaphysik des Grundes und theoretischer Egoismus – Schopenhauer widerspricht seinen eigenen Prämissen
V.4.2.2.2. Zellscher Zirkel – Widerspruch zwischen transzendentaler und naturwissenschaftlicher Sichtweise
V.4.3. Ästhetik und Willensmetaphysik – Der Widerspruch zwischen Ideenlehre und Ding an sich
V.4.4. Ethik
V.4.4.1. Anhängsel der Schopenhauerschen Philosophie
V.4.4.2. Schopenhauers Immoralität
V.5. Argumentationsverlauf der kritisch-ablehnenden Interpretationsentwürfe
V.5.1. Die Entdeckung des Willens – Schopenhauers eigentlicher Verdienst
V.5.2. Der Wille und das Ding an sich
V.6. Die Einwände gegen die Heilslehre
V.6.2. Contradictio in adjecto – Der real-existierende Heilige
V.6.3. Widerspruch zwischen individueller Willensverneinung und dem Fortbestehen der Welt
V.7. Zusammenfassung der Rezeptionsgeschichte zu Schopenhauer – Die drei Hauptschwierigkeiten von 'Die Welt als Wille und Vorstellung erster Band'
V.7.1. Die Ausgangsfrage
V.7.2. Ding an sich – Kant und Schopenhauer
V.7.3. Die Willensmetaphysik – Hauptteil der Schopenhauerschen Philosophie
V.8. Der soteriologische Interpretationsentwurf
V.8.1. Grundlegender Anspruch
V.8.2. Erkenntnistheorie – oder die erste Krise der Philosophie
V.8.3. Metaphysik – oder die zweite Krise der Philosophie Schopenhauers
V.8.4. Ästhetik – oder die dritte Krise der Philosophie Schopenhauers
V.8.5. Heilslehre – oder die vierte Krise der Philosophie Schopenhauers
V.8.6. Zusammenfassung des soteriologischen Standpunktes
V.9 Kunst als die eigentlich-metaphysische Tätigkeit des Menschen
V.1.9. Die Unhaltbarkeit der absoluten Willensverneinung
V.9.2. Philosophie und Kunst – Charakterisierung des Blickes in das Wesen der Welt
V.9..2.1. Vernünftige Metaphysik – oder die plausibel gemachte Vermutung
V.9..2.2. Die künstlerische Metaphysik – oder der wahre unmittelbare Einblick in das Wesen der Welt
V.9.3. Alles ist schön
V.9.4. Jeder ein Ästhet
VI. Schluss
VI.1. Rückblick
VI.1.1. Der soteriologisch fundierte Lösungsvorschlag
VI.1.2. Der ästhetisch fundierte Lösungsvorschlag
VI.2. Ausblick – Pessimismus und Erlösung ohne Gott – oder das soteriologische Potenzial der Kunst
Die Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Erlösung in Arthur Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung, erster Band“. Das primäre Ziel ist es, die Entwicklungslinien der Rezeptionsgeschichte aufzuarbeiten und zu prüfen, ob die Kunst – im Sinne einer metaphysischen Kernerkenntnis – als Realisationsmöglichkeit von Leidbefreiung begriffen werden kann. Dabei wird Schopenhauers Philosophie als ein prozessualer Reflexionsweg rekonstruiert, der durch eine soteriologische (heilsgeschichtliche) Perspektive ein schlüssigeres Verständnis erfährt als durch die traditionelle Betrachtung als bloße Vollendung kantianischen Denkens.
IV.1.2.2.1. Der Verstand
Kant definierte die Vernunft als Träger des Erkenntnisaktes. Schopenhauer hingegen trennt strikt die Leistungen des Verstandes von denen der Vernunft. Zudem gesteht er der Empfindung und, damit verbunden, der Leiblichkeit eine gesonderte Stellung zu.
[...] mithin [ist MJ] die ganze Wirklichkeit, nur für den Verstand, durch den Verstand, im Verstande. Die erste, einfachste, stets vorhandene Aeußerung des Verstandes ist die Anschauung der wirklichen Welt: diese ist durchaus Erkenntniß der Ursache aus der Wirkung: daher ist alle Anschauung intellektual. Es könnte dennoch nie zu ihr kommen, wenn nicht irgend eine Wirkung unmittelbar erkannt würde und dadurch zum Ausgangspunkte diente. Dieses aber ist die Wirkung auf die thierischen Leiber. Insofern sind diese die unmittelbaren Objekte des Subjekts: die Anschauung aller anderen Objekte ist durch sie vermittelt. [...] Diese Beziehung ist kein Schluß in abstrakten Begriffen, geschieht nicht durch Reflexion, nicht mit Willkür, sondern unmittelbar, nothwendig und sicher. Sie ist die Erkenntnißweise des reinen Verstandes, ohne welchen es nie zur Anschauung käme;
IV.1. Erkenntnistheorie: Dieses Kapitel erläutert die Grundbestimmung von Schopenhauers Philosophie, die mit Kants transzendentalem Idealismus ansetzt, diesen jedoch durch die Unterscheidung von Verstand und Vernunft modifiziert. Hier wird die Welt als Vorstellung grundgelegt und die notwendige, aber begrenzte Rolle der formalen Erkenntnisbedingungen (Raum, Zeit, Kausalität) dargelegt.
IV.2. Metaphysik: Hier erfolgt der Übergang zum "Was" der Welt, wobei Schopenhauer das Selbstbewusstsein und die Leiblichkeit als Schlüssel nutzt, um den Willen als das Ding an sich freizulegen. Es wird die Konsequenz gezogen, dass alles Leben, als Objektivation dieses blinden Willens, notwendigerweise Leiden ist.
IV.3. Ästhetik: Dieses Kapitel untersucht, wie durch ästhetische Kontemplation eine vorübergehende Befreiung vom Leiden möglich wird, indem das Subjekt sich entindividualisiert und als reines Erkenntnissubjekt die platonischen Ideen erfasst. Kunst wird hier als Monument dieser zeitweiligen Leidensaufhebung und als eigentlich metaphysische Tätigkeit des Menschen charakterisiert.
IV.4. Ethik: Die Ethik wird als eine, auf der Durchschauung des "principium individuationis" basierende, graduelle Leidensminderung interpretiert. Während Gerechtigkeit als erste Stufe das Unrecht vermeiden hilft, führt das Mitleid als höchste moralische Stufe zur Aufhebung der Trennung zwischen dem eigenen Leid und dem des Anderen.
IV.5. Schopenhauers Heilslehre: Der Schlusspunkt des Systems, in dem die endgültige Verneinung des Willens durch den Asketen bzw. Heiligen thematisiert wird. Hier wird der Widerspruch einer leiblichen Existenz, die den Willen zum Leben verneint, als letztliche, existenzielle Aporie Schopenhauers hervorgehoben.
Schopenhauer, Wille, Vorstellung, Ding an sich, Leiden, Soteriologie, Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik, Ethik, Mitleid, Willensverneinung, platonische Ideen, principium individuationis, Transzendentalphilosophie
Die Arbeit analysiert Arthur Schopenhauers Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung, erster Band". Ihr Kernanliegen ist es, die Philosophie Schopenhauers nicht als bloße Fortsetzung des Kantianismus, sondern als prozessualen Weg zu begreifen, der die Erlösung vom Leiden zum zentralen Angelpunkt macht.
Zentrale Themen sind die erkenntnistheoretische Fundierung (Welt als Vorstellung), die willensmetaphysische Entdeckung des "Ding an sich", die ästhetische Leidensbefreiung durch Kunst, der ethische Mitleidsgedanke und die letztliche soteriologische Heilslehre.
Ziel ist es, die bisherige Rezeptionsgeschichte kritisch zu ordnen und zu zeigen, dass die soteriologische Perspektive – also der Weg von der Leid-Erkenntnis zur Erlösung – die organische Einheit des Systems Schopenhauer am plausibelsten erklärt.
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse. Sie rekonstruiert den argumentativen Verlauf des Primärtextes und setzt diesen in den Kontext der philosophiehistorischen Rezeption, indem sie zustimmende und ablehnende Interpretationen (wie etwa von Malter, Haase oder Cassirer) gegenüberstellt und bewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik. Besonders intensiv wird dabei die Identifikation des Willens als das "An-sich" der Welt diskutiert und kritisch hinterfragt, wie Schopenhauer den Widerspruch zwischen der notwendigen Leidbejahung und dem Streben nach Erlösung auflöst.
Wichtige Schlüsselbegriffe umfassen Willensmetaphysik, Leidexistenz, principium individuationis, transzendentaler Idealismus, soteriologische Interpretation und die Unterscheidung zwischen dem empirischen und dem intelligiblen Charakter.
Der Autor zeigt auf, dass Schopenhauer diesen Widerspruch letztlich nicht vollständig rational auflösen kann. Der Status des Heiligen wird als "Gnadenwirkung" oder mystischer Vorgang beschrieben, der sich den formalen Regeln der Vorstellungswelt entzieht, womit Schopenhauer an die Grenzen seiner eigenen philosophischen Reflexion stößt.
Weil die Kunst dem Individuum – wenn auch nur temporär – ermöglicht, die Fesseln des Satzes vom Grunde abzustreifen. Im Akt der ästhetischen Kontemplation vergisst das Subjekt sein Wollen, entindividualisiert sich und gewinnt einen unmittelbaren Einblick in die ewigen Ideen, was den Schmerz des Lebens für einen Moment aussetzt.
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