Examensarbeit, 2005
101 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Entwicklungen unserer Zeit
2.1 Der gesellschaftliche Wandel: Von der konfessionsgeprägten zur pluralistischen Gesellschaft
2.2 Individualisierung und Säkularisierung
2.3 Religiosität von Jugendlichen in der Gegenwart
2.4 Clash of Civilizations
2.5 Verständigung über den Begriff des interreligiösen Lernens
2.5.1 Interkulturelles Lernen
2.5.2 Der interreligiöse Dialog
3. Fragen des interreligiösen Lernens im Horizont von Theologie
3.1 Das Modell des Exklusivismus
3.2 Das Modell des Inklusivismus
3.3 Die pluralistische Religionstheorie
4. Fragen des interreligiösen Lernens im Horizont der Kirchen
4.1 Aussagen der katholischen Kirche
4.1.1 Schriften des Zweiten Vaticanums- Nostra Aetate, Ad Gentes, Lumen Gentium und Dignitatis Humanae
4.1.2 Die Verlautbarungen Evangelii Nuntiandi, Redemptoris Missio und Dominus Iesus
4.1.3 Der Beschluss der Würzburger Synode zum Religionsunterricht
4.2 Aussagen der evangelischen Kirche
4.2.1 Der Ökumenische Rat der Kirchen
4.2.2 Denkschrift Identität und Verständigung
5. Interreligiöses Lernen im Horizont von Schule
5.1 Die Entwicklung des interreligiösen Lernens in der Schulpraxis
5.1.1 Fremdreligionen im Unterricht
5.1.2 Didaktik der Weltreligionen
5.1.3 Interreligiöses Lernen
5.2 Religionspädagogische Reaktionen auf die multireligiöse Schülerschaft
5.4.1 Das Modell des „zu Gast Seins“
5.4.1.1 Das Projekt Weltethos
5.4.1.2 Weltethos und Erziehung
5.4.2 Der Hamburger Religionsunterricht „für alle“
5.4.2.1 Die religiöse und gesellschaftliche Situation in Hamburg
5.4.2.2 Das Hamburger Modell
5.4.3 Das alternative Unterrichtsfach Lebensgestaltung, Ethik und Religionskunde
5.4.3.1 Vorgeschichte des Faches
5.4.3.2 Der Lernbereich LER
6. Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung von interreligiösem Lernen in einer zunehmend pluralistischen deutschen Gesellschaft, insbesondere unter Berücksichtigung der Perspektiven von Theologie, den christlichen Kirchen und der schulischen Praxis. Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, wie interreligiöse Lernprozesse dazu beitragen können, Vorurteile abzubauen, Toleranz zu fördern und den Herausforderungen einer multireligiösen Schülerschaft zu begegnen.
2.4 Der Clash of Civilizations
Im Jahr 1993 veröffentlichte Samuel Huntington erstmals seine Theorie eines „Clash of Civilizations“, einem Kampf der Kulturen, in Form eines Aufsatzes.
Huntington beginnt die Entfaltung seiner Theorie mit der These, dass unser Denken vierzig Jahre lang durch das theoretische Konzept des kalten Krieges beherrscht wurde. In Folge dessen war die Welt in eine Gruppe wohlhabender und in den meisten Fällen demokratischer Staaten, deren Führungsposition die USA besetze, und einer Gruppe kommunistischer Staaten des Ostblocks geteilt. Diese zwei Parteien standen sowohl in einem ideologischen und politischen als auch in einem wirtschaftlichen Konflikt. Austragungsorte dieser Spannungen waren die nach eigener Aussage neutralen und oftmals armen Länder der sogenannten Dritten Welt.55
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit verbundenen Aufhebung des theoretischen Konzepts eines kalten Krieges, setzen sich dieser Theorie zu Folge die weltpolitischen Auseinandersetzungen auf einer anderen Ebene fort. Waren während des kalten Krieges vor allem ideologische und wirtschaftliche Interessen Ursachen für die Konflikte, so sind es, der Theorie vom Clash of Civilizations folgend, zukünftig kulturelle Aspekte. Demnach verursachen nicht mehr die unterschiedlichen Interessen, Ideologien oder verschiedene Nationalstaaten die Spannungen, vielmehr werden diese von unterschiedlich geprägten Welten, den „Civilizations“, ausgelöst.56
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des interreligiösen Lernens vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und der Rolle von Schule und Kirche ein.
2. Entwicklungen unserer Zeit: Dieses Kapitel analysiert den gesellschaftlichen Wandel, Prozesse der Individualisierung und Säkularisierung sowie die Religiosität Jugendlicher und die Bedeutung der Clash of Civilizations-Theorie.
3. Fragen des interreligiösen Lernens im Horizont von Theologie: Es werden die drei zentralen Beziehungsmodelle der Theologie – Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus – auf ihre Eignung für interreligiöses Lernen hin geprüft.
4. Fragen des interreligiösen Lernens im Horizont der Kirchen: Das Kapitel untersucht die Haltungen der katholischen und evangelischen Kirche zu anderen Religionen anhand ihrer offiziellen Lehrschreiben und Dokumente.
5. Interreligiöses Lernen im Horizont von Schule: Hier wird die didaktische Entwicklung vom Fremdreligionen-Unterricht hin zu verschiedenen Modellen des interreligiösen Lernens in der Schulpraxis beleuchtet.
6. Ausblick: Der Ausblick reflektiert den aktuellen Stand der Alternativmodelle im Religionsunterricht und identifiziert weiteren Forschungs- und Verbesserungsbedarf.
Interreligiöses Lernen, Pluralismus, Religionsunterricht, Theologie, Inklusivismus, Weltethos, Hamburger Modell, Säkularisierung, Individualisierung, Dialog der Religionen, Konfessioneller Religionsunterricht, Multireligiöse Gesellschaft, Identitätsentwicklung.
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und der methodischen Gestaltung des interreligiösen Lernens im Spannungsfeld zwischen theologischen Vorgaben, den Positionen der Kirchen und der schulischen Realität in Deutschland.
Zu den Kernbereichen gehören der gesellschaftliche Pluralismus, theologische Religionsmodelle, kirchliche Lehrverlautbarungen sowie konkrete didaktische Konzepte wie das Weltethos-Projekt oder der Hamburger Religionsunterricht.
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie interreligiöses Lernen angesichts einer individualisierten und multireligiösen Gesellschaft gestaltet werden muss, um für Schülerinnen und Schüler authentisch und relevant zu sein.
Es handelt sich um eine religionspädagogische Analyse, die auf einer Auswertung von Literatur, theologischen Lehrschreiben und schulischen Konzepten sowie empirischen Daten zur Religiosität beruht.
Der Hauptteil analysiert detailliert die theologischen Beziehungsmodelle, kirchliche Stellungnahmen (katholisch und evangelisch) sowie die schulpraktische Entwicklung der Didaktik, von der Fremdreligionen-Didaktik bis hin zu aktuellen Modellen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interreligiöses Lernen, Pluralismus, Inklusivismus, interreligiöser Dialog und schulpädagogische Didaktik geprägt.
Während der Exklusivismus das Heil ausschließlich im Christentum verortet, erkennt der Inklusivismus zwar die Fülle des Heils im Christentum an, lässt aber zu, dass auch in anderen Religionen heilshafte Elemente vorhanden sein können.
Das Projekt soll einen minimalen ethischen Grundkonsens über Werte und Maßstäbe fördern, der von Menschen aller Kulturen und Religionen geteilt werden kann, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
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