Fachbuch, 2019
84 Seiten
1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Begriffliche und theoretische Grundlagen
2.1 Bedeutung von Rating-Agenturen auf Finanzmärkten
2.2 Rating-Agenturen vor dem Hintergrund der Finanzmarkt- und EU Staatsschuldenkrise
2.3 Relevante rechtliche Rahmenbedingungen
3 Sind die internationalen Regulierungsanstrengungen der letztenJahre zu Rating‐Agenturen tatsächlich wirksam?
3.1 Untersuchungsperspektiven und Beurteilungskriterien
3.2 Vorsitzender der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde, der die umgesetzten Maßnahmen und Verfahren für zielführend erachtet, da sie auf eine Identifikation der schädlichsten Risiken ausgerichtet sind
3.3 Präsident des Europäischen Rechnungshofes, der den EU-Regulierungsansatz grundsätzlich zwar befürwortet, dessen Wirtschaftlichkeit jedoch wegen Umsetzungsschwierigkeiten seitens der ESMA kritisch hinterfragt
3.4 Geschäftsführer einer in der EU registrierten Rating-Agentur, der die Vorgaben im Unternehmen zwar als adäquat umgesetzt betrachtet, aufgrund des hohen Implementierungskostenaufwands jedoch vor Wettbewerbsverzerrungen warnt
3.5 Finanzvorstand einer deutschen Landesbank in Hinblick auf Regulierungsaspekte zur Bewertung strukturierter Finanzprodukte und der Abgabe nicht-risikoäquater Ratings
3.6 Generalsekretär einer Nichtregierungsorganisation, der Anlegerschutzaspekte kritisch beleuchtet und für die Angabe konkreter Ausfallwahrscheinlichkeiten innerhalb der Ratingurteile plädiert
3.7 Diskussion konfligierender und harmonisierender Interessenlagen
4 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Wirksamkeit internationaler Regulierungsanstrengungen für Rating-Agenturen, die als Reaktion auf die globale Finanzmarkt- und EU-Staatsschuldenkrise eingeführt wurden. Ziel ist es, aus verschiedenen institutionenökonomischen Perspektiven zu bewerten, ob diese Maßnahmen tatsächlich in der Lage sind, Interessenkonflikte zu mindern und die Qualität der Ratings zu verbessern, oder ob sie neue, unerwünschte Nebenwirkungen erzeugen.
2.1 Bedeutung von Rating-Agenturen auf Finanzmärkten
Rating-Agenturen (CRAs) nehmen im Finanzmarktsystem eine zentrale Rolle ein, indem sie sich u.a. mit der Bewertung von Risiken weltweit gehandelter Finanztitel befassen. Als (Credit-)Rating bezeichnet man die standardisierte Bonitätsbeurteilung von handelbaren Finanzinstrumenten oder ihrer Emittenten selbst, welche Aufschluss über die Fähigkeit zur vollständigen und fristgerechten Erfüllung der mit dem emittierten Wertpapier verbundenen Zahlungsverpflichtungen gibt.
CRAs beurteilen darüber hinaus die Kreditwürdigkeit von ganzen Volkswirtschaften (sog. „Sovereign Credit Ratings“, „Länderratings“), d.h. deren Fähigkeit, öffentlich-rechtliche Schulden vollständig und fristgerecht begleichen zu können. Ein Rating teilt dem Bewertungsobjekt entsprechend der geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeit unterschiedliche Klassen zu, die ein vergleichsweise geringes („Investment Grade“) oder hohes Risiko („Speculative Grade“) abbilden.
In einem gut funktionierenden und stabilen Finanzsystem wird Kapital zusammengeführt und bestmöglich auf die verschiedenen Investitionsmöglichkeiten verteilt. Das Wachstum einer Volkswirtschaft wird in diesem Zusammenhang durch die von CRAs übernommene Informationsfunktion zu unterstützen versucht, da Wirtschaftssubjekte (z.B. Finanzinstitute, institutionelle und private Anleger) zur Einschätzung des Risiko-Rendite-Profils von Vermögenswerten Informationen über mögliche Kapitalallokationen einholen und verarbeiten. Da der Prozess, innerhalb dessen die Informationen in die Preise der Vermögenswerte einfließen, äußerst komplex ist, verfügen die Akteure i.d.R. weder über den gleichen Zugang zu allen relevanten Daten, noch über die benötigten Kapazitäten zur Verarbeitung derer.
1 Einführung: Hinführung zum Thema, Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Rolle von Rating-Agenturen bei Finanzmarktkrisen und Erläuterung des methodischen Vorgehens.
2 Begriffliche und theoretische Grundlagen: Definition der Rolle von Rating-Agenturen, deren Verhalten in der Krise sowie eine detaillierte Aufarbeitung der rechtlichen Regulierungsrahmen in den USA und der EU.
3 Sind die internationalen Regulierungsanstrengungen der letztenJahre zu Rating‐Agenturen tatsächlich wirksam?: Hauptteil mit einer multiperspektivischen Analyse (fünf Stakeholder-Gruppen) zur Effektivität der Regulierungsmaßnahmen, gefolgt von einer intensiv diskutierten Synthese der Ergebnisse.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der regulatorischen Wirksamkeit, Identifikation verbleibender struktureller Probleme und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Rating-Agenturen, Finanzmarktkrise, EU-Staatsschuldenkrise, Finanzmarktregulierung, EU-Rating-VO, Interessenkonflikte, Informationsasymmetrie, Prinzipal-Agenten-Problematik, Transparenz, Anlegerschutz, Issuer-Pays-Geschäftsmodell, Strukturierte Finanzprodukte, Marktversagen, Institutionenökonomik, Aufsichtsbehörde (ESMA).
Die Arbeit analysiert die Wirksamkeit internationaler Regulierungsmaßnahmen für Rating-Agenturen, die als Konsequenz aus der globalen Finanz- und Staatsschuldenkrise erlassen wurden.
Im Zentrum stehen die Rolle von Rating-Agenturen bei der Entstehung von Finanzkrisen, die regulatorische Antwort durch verbindliche Vorschriften (insb. in der EU) und die damit verbundenen Herausforderungen wie Interessenkonflikte und Marktstruktureffekte.
Das Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, ob die neuen Regulierungsanstrengungen tatsächlich in der Lage sind, Fehlentwicklungen zu korrigieren und das Ziel eines stabileren Finanzmarktes zu erreichen.
Die Arbeit nutzt einen perspektivenorientierten Ansatz aus der Neuen Institutionenökonomik, um die Regulierungsmaßnahmen aus verschiedenen Blickwinkeln (z.B. Aufsichtsbehörde, Rechnungshof, Rating-Agenturen, Investoren, NGO) zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung sowie eine detaillierte, perspektivengeleitete Einzelanalyse der Regulierungsaspekte, die schließlich in einer vergleichenden Diskussion der Interessenlagen mündet.
Zentrale Begriffe sind Rating-Agenturen, Finanzmarktregulierung, Interessenkonflikte, Informationsasymmetrien, EU-Rating-VO sowie das Issuer-Pays-Geschäftsmodell.
Die Arbeit beleuchtet, wie die marktbeherrschende Stellung von Standard & Poor's, Moody’s und Fitch zu strukturellen Problemen führt, die durch die vorliegende Regulierung nur bedingt aufgebrochen werden können.
Es wird als eine Hauptursache für Interessenkonflikte identifiziert, da die Bezahlung der Agentur durch den Emittenten Anreize für Gefälligkeitsratings schaffen kann, die durch formelle Regulierung nur schwer vollständig eliminierbar sind.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Vorschriften zwar wichtige Schritte in Richtung Transparenz darstellen, jedoch bei tiefgreifenden Problemen wie Lobbyismus, intransparenten Eigentümerstrukturen und systemischen Anreizproblemen an ihre Grenzen stoßen.
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