Diplomarbeit, 2002
75 Seiten, Note: 1.3
1. Einführung
2. Abgrenzung und Begriffsbestimmung Mittelstand
3. Aktuelle Finanzierungssituation des Mittelstandes
4. Historische Entwicklung von Basel I zu Basel II
5. Die drei Säulen der Neuen Eigenkapitalvereinbarung
5.1. Mindesteigenkapitalanforderungen (Säule I)
5.1.1. Kreditrisiko und Kreditrisikomessung
5.1.1.1. Standardansatz. (Basic Approach)
5.1.1.2. Interner Ratingansatz (IRB-Approach)
5.1.2. Marktrisiko
5.1.3. Operationelles Risiko
5.2. Bankaufsichtliches Überprüfungsverfahren (Säule II)
5.3. Marktdisziplin (Säule III)
6. Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
6.1. Grenzen des gesamtwirtschaftlichen Kreditvolumens
6.2. Auswirkungen unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Konjunkturzyklen
6.3. Auswirkungen auf das Kreditvergabeverhalten
6.4. Auswirkungen auf die Konditionsgestaltung
6.5. Differenzierte Behandlung von lang- und kurzfristigen Finanzierungen
6.6. Anforderungen an das mittelständische Finanzmarketing
6.7. Bedeutung des Dialoges zwischen Bank und Unternehmen
6.8. Rating als Marketinginstrument
7. Alternative Finanzierungsformen
7.1. Eigenkapitalerhöhung
7.2. Leasing
7.3. Factoring und Forfaitierung
7.4. Asset Backed Securities
7.5. Venture Capital
7.5.1. Private Beteiligungsgesellschaften
7.5.2. Öffentliche Finanzierungsförderungen
7.5.3. Mittelstandsfonds („Börner Modell“)
7.6. Mezzanine-Finanzierung
7.6.1. Privatplazierte Mezzanine-Instrumente
7.6.2. Kapitalmarktorientierte Mezzanine-Instrumente
7.7. Börsengang
8. Schlußbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) auf die Finanzierungssituation mittelständischer Unternehmen in Deutschland. Ziel ist es, sowohl die Chancen als auch die Risiken der neuen Regulierung zu beleuchten und mögliche alternative Finanzierungsformen aufzuzeigen, mit denen mittelständische Unternehmen auf veränderte Kreditvergabebedingungen reagieren können.
5.1.1.1. Standardansatz (Basic Approach)
Im Rahmen der Festlegung der Risikogewichte im Standardansatz können Banken sich künftig Kreditbeurteilungen externer Ratings bedienen. Ratings beurteilen die Schuldnerqualität und das Bonitätsrisiko eines Kreditnehmers, wobei die jeweiligen Länder-, Branchen- und Ausfallrisiken wesentliche Bestandteile eines solchen Urteils bilden. Derartige Beurteilungen werden von Ratingagenturen vorgenommen, die selbstverständlich den Anforderungen der nationalen Aufsichtsinstanzen genügen und über eine entsprechende Zulassung verfügen müssen. Bereits heute werden Beurteilungen international anerkannter Agenturen wie z.B. Fitch IBCA, Moody’s oder Standard & Poor‘s große Bedeutungen beigemessen. Da die Ausfallwahrscheinlichkeiten bei Kreditnehmern der besseren Ratingkategorien erfahrungsgemäß geringer sind, soll eine entsprechend niedrigere Eigenkapitalunterlegung zur Deckung des Risikos ausreichen.
Die Risikogewichte stellen sich gemäß Basel II in Abhängigkeit der jeweiligen Bonitätsurteile im Standardansatz wie folgt dar:
Bei Forderungen an Banken stehen zwei Optionen zur Auswahl. Option I sieht vor, daß sämtliche Kreditinstitute ein um eine Stufe höheres Risikogewicht als das des Sitzstaates erhalten. Bei Ausübung der Option II basiert das Gewicht auf der Bonitätsbeurteilung der Bank durch die zuständige Aufsichtsbehörde. Im Rahmen der vorliegenden Betrachtung soll jedoch ausschließlich die Kategorie der Nichtbanken beachtet werden.
Steht eine Bank beispielsweise vor der Entscheidung, einen Kredit über EUR 1 Mio. an ein Unternehmen zu gewähren, das durch eine anerkannte Ratingagentur (z.B. Moody’s) mit „A“ beurteilt worden ist, so ergibt sich das zu unterlegende Kapital wie folgt:
Kreditbetrag x Risikogewicht x Mindesteigenkapitalanforderung = Kapitalunterlegung
EUR 1 Mio. x 50% x 8% = EUR 40.000,--
Durch das recht gute Rating ist ein Kredit dieser Risikokategorie also lediglich mit der Hälfte des unter Basel I erforderlichen Eigenkapitals zu unterlegen. Nach den bisher geltenden Regeln wären hierfür schließlich pauschal 8% bzw. EUR 80.000,-- vorzusehen.
1. Einführung: Das Kapitel thematisiert die Anfälligkeit des Finanzsystems und die Notwendigkeit stabiler Eigenkapitalregeln, die in Basel II münden.
2. Abgrenzung und Begriffsbestimmung Mittelstand: Es erfolgt eine Definition des Mittelstandes anhand quantitativer und qualitativer Kriterien sowie eine Einordnung in die deutsche Wirtschaftsstruktur.
3. Aktuelle Finanzierungssituation des Mittelstandes: Hier werden die Eigenkapitalausstattung und die Abhängigkeit von Bankkrediten als zentrale Finanzierungsinstrumente analysiert.
4. Historische Entwicklung von Basel I zu Basel II: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Baseler Ausschusses und die Schwächen des Akkords von 1988, die eine Revision erforderlich machten.
5. Die drei Säulen der Neuen Eigenkapitalvereinbarung: Es erfolgt eine detaillierte technische Darstellung der drei Säulen (Mindesteigenkapital, Bankaufsicht, Marktdisziplin) sowie der verschiedenen Risikoansätze.
6. Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung: Dieses Kapitel analysiert, wie sich Basel II konkret auf Kreditverfügbarkeit, Konditionen, Konjunkturzyklen und das notwendige Finanzmarketing auswirkt.
7. Alternative Finanzierungsformen: Vorstellung verschiedener Instrumente wie Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital und Venture Capital als Optionen für eine flexiblere Unternehmensfinanzierung.
8. Schlußbetrachtung: Ein Fazit, das Basel II als Herausforderung, aber auch als Chance zur Professionalisierung und Stärkung der mittelständischen Finanzstruktur bewertet.
Basel II, Mittelstand, Eigenkapital, Kreditrisiko, Bankenaufsicht, Rating, Standardansatz, IRB-Ansatz, Finanzierung, Bonität, Leasing, Factoring, Mezzanine-Finanzierung, Prozyklität, Marktdisziplin.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarungen (Basel II) auf die Finanzierung von mittelständischen Unternehmen in Deutschland und bewertet die resultierenden Konsequenzen.
Zentrale Themen sind die technische Ausgestaltung von Basel II, die Veränderungen in der Kreditvergabe der Banken, die Bedeutung von Rating-Systemen für Unternehmen und die Erschließung alternativer Finanzierungswege.
Das Hauptziel besteht darin aufzuzeigen, wie der Mittelstand auf die steigenden Anforderungen an Transparenz und Eigenkapitalunterlegung reagieren kann, um seine Finanzierungsfähigkeit langfristig zu sichern.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, der Auswertung aktueller Studien (wie z.B. QIS II) und der Untersuchung von Kreditrisikomodellen im Kontext der Baseler Richtlinien.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei Säulen von Basel II, die spezifischen Auswirkungen auf den Mittelstand (z.B. Zinsänderungen, Kreditverfügbarkeit) sowie eine detaillierte Betrachtung alternativer Finanzierungsformen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Eigenkapitalunterlegung, Bonitätsrisiko, IRB-Ansatz, Mittelstandsfinanzierung und Rating-Marketing charakterisieren.
Während der Standardansatz auf externe Ratings angewiesen ist, erlaubt der IRB-Ansatz (Internal Ratings Based) Banken die Nutzung eigener, interner Messsysteme zur Risikobestimmung, was bei guter Bonität zu geringeren Eigenkapitalkosten führen kann.
Da Banken künftig das Ausfallrisiko individueller bewerten, ist eine transparente Kommunikation und eine professionelle Aufbereitung betriebswirtschaftlicher Daten (Rating-Vorbereitung) essenziell, um günstige Konditionen zu erhalten.
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