Diplomarbeit, 2005
99 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Historischer Rückblick
2. Sozialisation junger türkischer Frauen in der BRD
2.1 Definition von Sozialisation
2.2 Sozialisationsbereich Familie
2.2.1 Familienstruktur
2.2.2 Geschlechtsspezifische Erziehungsmethoden in der traditionellen türkischen Familie
2.2.3 Das Werte- und Normensystem in der traditionellen türkischen Familie
2.2.4 Sexualität und Heirat junger türkischer Frauen
2.3 Sozialisationsbereich Bildung und Erwerbstätigkeit
2.3.1 Die vier Phasen der Bildung und Erwerbstätigkeit
2.3.2 Schule/Studium und Beruf
2.3.2.1 Schule und Studium
2.3.2.2 Beruf
2.4 Sozialisationsbereich Freizeit
2.4.1 Das Freizeitverhalten von türkischen Jugendlichen
2.4.2 Geschlechtsspezifische Entwicklung in der Jugend
3. Das Kopftuch – Ein Symbol der Unterdrückung?
4. Identität junger türkischer Frauen in der BRD
4.1 Definition von Identität
4.2 Identitäts- und Kulturkonflikt
4.3 Identität junger türkischer Frauen
5. Die Integration junger türkischer Frauen in der BRD
5.1. Definition von Integration
5.1.1 Die Anpassung
5.1.2 Die Assimilation
5.2 Die Integrationspolitik
5.3 Die bilinguale Integration
6. Sozialarbeiterische Projekte für türkische Frauen
Schlussbetrachtung
Bibliographie
Internetverzeichnis
Anhang
Die vorliegende Diplomarbeit zielt darauf ab, die Lebenssituation junger türkischer Frauen der zweiten und dritten Generation in der Bundesrepublik Deutschland zu untersuchen und auf die damit verbundenen Identitäts- und Kulturkonflikte aufmerksam zu machen.
2.2.1 Familienstruktur
Die türkische Familie im Allgemeinen ist patriarchalisch nach Geschlechts- und Altershierarchie strukturiert. So haben die männlichen Familienmitglieder vor den weiblichen, die Älteren vor den Jüngeren Vorrang. Das älteste männliche Familienmitglied bildet das Oberhaupt der Familie, bei dem auch die Autorität liegt. Danach folgen alle männlichen Personen, die je nach Alter Ansehen im Familienverband genießen. Die Frauen stehen an zweiter und an untergeordneter Stelle. Aber auch hier entscheidet Alter über Hierarchie (König, 1989, S. 25 ff.).
Die Familienstruktur richtet sich nicht nach der individuellen Persönlichkeit der einzelnen Familienmitglieder, sondern nach ihrer Anpassung an Rollenklischees. Die Familienstruktur ändert sich durch den Migrationsprozess. Verschiedenste Faktoren haben Einfluss auf diesen Prozess. Es kommt beispielsweise darauf an, welcher Ehepartner als erstes immigriert. Dadurch entfremden sich die einzelnen Familienmitglieder. Entscheidend sind auch das Wohnumfeld der Familie sowie die Berufstätigkeit der Mutter, nicht zu vergessen die Aufenthaltsdauer der Familie in der BRD und ihre unterschiedliche Anpassung an die Umwelt.
Insbesondere der Grad der Religiosität beeinflusst die Familienstruktur im Migrationsprozess. Die türkischen Familien leben hier in einer fremden Umgebung, werden mit unbekannten Werten und Verhaltensweisen konfrontiert, mit denen schwer zurecht zu kommen ist. Im Koran finden sie Orientierung und Sicherheit, fühlen sich beschützt in einer fremden Welt und bewahren sich vor einer Identitätskrise (Riesner, 1990, S. 27).
Die traditionell türkische Familie besteht weder in der Türkei noch in Deutschland. Familiengröße, hierarchische Struktur und Lebensgewohnheiten hängen überwiegend davon ab, wie die Familie vor der Auswanderung in der Heimat lebte. Alle hier lebenden türkischen Familien haben zwar die gemeinsame Erfahrung der Auswanderung gemacht, aber die Verkraftung des jahrelangen Getrennt seins, sowie das Bestreben, in einer zunächst unbekannten Lebens- und Arbeitswelt zurechtzukommen, ist ihnen gemeinsam. Aber wie sich die Familienstruktur im Migrationsprozess verändert, hängt von ihrer Herkunft ab. Es ist ein Unterschied, ob sie eher aus einer ländlichen Gegend mit traditionellen Werten und klar definiertem Geschlechtsrollenverständnis stammt, oder aus Städten mit eher gleichberechtigt- moderneren Ansichten.
1. Historischer Rückblick: Dieser Abschnitt beleuchtet die Hintergründe der Migration der 1. Generation türkischer Arbeiter in die BRD und deren anfängliche Lebensumstände.
2. Sozialisation junger türkischer Frauen in der BRD: Es wird die Sozialisationsentwicklung der Frauen in den drei zentralen Lebensbereichen Familie, Bildung/Beruf und Freizeit detailliert analysiert.
3. Das Kopftuch – Ein Symbol der Unterdrückung?: Dieses Kapitel untersucht die kontroversen Debatten um das Kopftuch als Symbol zwischen religiöser Stabilität und gesellschaftlicher Unterdrückung.
4. Identität junger türkischer Frauen in der BRD: Im Fokus steht hier die Persönlichkeitsentwicklung und der Identitätskonflikt, der sich aus dem Leben zwischen zwei kulturellen Wertesystemen ergibt.
5. Die Integration junger türkischer Frauen in der BRD: Es erfolgt eine begriffliche Klärung von Integration sowie eine Diskussion über integrationspolitische Strategien und Ansätze der bilingualen Förderung.
6. Sozialarbeiterische Projekte für türkische Frauen: Hier werden beispielhaft drei konkrete sozialpädagogische Einrichtungen vorgestellt, die türkische Frauen bei ihrem Integrationsprozess unterstützen.
Sozialisation, Migration, türkische Frauen, Identität, Kulturkonflikt, Integration, Kopftuch, Familie, Tradition, Bildung, Beruf, Freizeit, Geschlechterrollen, Bilingualität, Sozialarbeit.
Die Arbeit thematisiert die Lebenswelt und die Herausforderungen junger türkischer Frauen der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland aufgewachsen sind und zwischen den Anforderungen zweier verschiedener Kulturen leben.
Die Schwerpunkte liegen auf der Sozialisation in Familie, Bildung und Freizeit, der Identitätsbildung unter dem Einfluss von Kulturkonflikten sowie der Bedeutung und den Möglichkeiten der Integration.
Das Ziel ist es, auf die spezielle Situation und die Identitätskonflikte dieser Frauen aufmerksam zu machen und den Zusammenhang zwischen ihrer kulturellen Herkunft, ihrer Sozialisation und ihrer gesellschaftlichen Integration in der BRD aufzuzeigen.
Die Autorin nutzt vorrangig die Methode der Literaturanalyse, ergänzt durch einen praktischen Teil, der auf Interviews basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung der Sozialisationsinstanzen, die Auseinandersetzung mit der Kopftuchproblematik, theoretische Identitätskonzepte, Integrationsdefinitionen und die Vorstellung konkreter Hilfsprojekte für Migrantinnen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialisation, Identitätskonflikt, bikulturelle Identität, Integration und interkulturelle Pädagogik charakterisieren.
Die Autorin sieht die bilinguale Integration als einen entscheidenden Lösungsansatz, um die sprachlichen und bildungsbezogenen Hürden junger Migrantinnen abzubauen und ihre Chancen in der Gesellschaft zu verbessern.
In traditionell geprägten türkischen Familien ist die Familienehre ein zentrales Werteelement, das massiven Einfluss auf die Erziehung, den Bewegungsfreiraum und die Lebensentscheidungen junger Frauen nimmt, was die Identitätsentwicklung stark beeinflusst.
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