Bachelorarbeit, 2019
114 Seiten
1. Einleitung
2. Das Gebiet der Sexarbeit
2.1 Über die Begriffe Prostitution und Sexarbeit
2.2 Ein historischer Überblick
3. Politik, Moral und Gesetzgebung
3.1 Wertevorstellungen und Traditionslinien
3.2 Regulierungsmodelle
3.3 Der Werdegang der Prostitutionspolitik
3.4 Das ProstSchG 2017 und seine Bestimmungen
3.5 Kritische Stimmen
4. Stigma und Stigmatisierung
4.1 Theoretische Ansätze
4.2 Prozess der Stigmatisierung
4.3 Funktionen von Stigmatisierung
4.4 Folgen aus der Stigmatisierung
4.5 Möglichkeiten von Stigma-Management
5. Das Hurenstigma
6. Die Regulierung der Sexarbeit und mögliche Verbindungen zur Stigmatisierung
6.1 Analyse der persönlichen Anmeldepflicht und Anmeldebescheinigung
6.1.1 Das Bild der Sexarbeiterin als hilfloses Opfer
6.1.2 Die Anmeldepflicht und die diskreditierbare Sexarbeiterin
6.1.3 Kritik am Zwang zur Anmeldung und dem „Hurenausweis“
6.2 Analyse der verpflichtenden gesundheitlichen Beratung und der Kondompflicht
6.2.1 Die Sexarbeiterin als Gefahrenquelle
6.2.2 Die virtuale soziale Identität von Sexarbeiterinnen
6.2.3 Die Kondompflicht und der Aspekt der Diskriminierung
6.3 Weitere Bestimmungen und Abschließende Betrachtung
7. Soziale Arbeit im Feld der Sexarbeit
7.1 Die Rolle der Sozialen Arbeit in Zusammenspiel mit der Politik
7.2 Die professionelle Sozialarbeit als „Normalisierungsarbeit“
8. Fazit
Die vorliegende Bachelorthesis untersucht den Zusammenhang zwischen der gesetzlichen Regulierung von Sexarbeit durch das Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) und der gesellschaftlichen Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern das Gesetz die Stigmatisierungsprozesse beeinflusst oder verstärkt, und welche Rolle die Soziale Arbeit in diesem Spannungsfeld einnimmt.
2.2 Ein historischer Überblick
Nach der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum kann Prostitution nur dann wirklich gut verstanden werden, wenn sie im Kontext ihrer geschichtlichen und sozialen Gegebenheiten betrachtet wird (vgl. NUSSBAUM 1998, S. 700). Daher soll ein grober historischer Grundriss der Prostitution zum besseren Verständnis der vorliegenden Arbeit dienen. Dies kann hilfreich sein, den Beruf der Sexarbeit sowie dessen Bedingungen in der heutigen Gesellschaft besser zu verstehen. Ein Rückblick in die Geschichte zeigt schnell, dass die Tätigkeit überaus ambivalent betrachtet und daher auch verschieden damit umgegangen wurde. Sexarbeiterinnen nahmen dabei grundverschiedene Positionen ein. Sie wurden beispielsweise als Göttinnen, Opfergaben, Priesterinnen, aber auch als Kriminelle oder gesundheitsgefährdende Frauen behandelt. (vgl. BÜSCHI 2011, S. 37–38) Die kommerzielle Prostitution scheint in verschiedenen Kulturkreisen bereits sehr früh aufgetreten zu sein und dort eine Rolle gespielt zu haben (vgl. BORELLI/STARCK 1957, S. 4–5). Dies mag erklären, weshalb Prostitution häufig als das „älteste Gewerbe der Welt“ betitelt wird, womit die Tätigkeit als schon immerwährende Konstante in der Geschichte der Menschheit gewertet wird (vgl. KRAFFT 1996, S. 9–10). Anthropologen, sowie Geologen legen heute jedoch zahlreiche Belege vor, welche die These ausschließen, Prostitution hätte es schon immer gegeben und es sei ein unumgängliches gesellschaftliches Phänomen. Denn in den früheren Hochkulturen Chinas, des Indu-Deltas oder Ägypten lassen sich rund 2.000 Jahre vor der heutigen Zeitrechnung, Berufe wie die des Priesters oder des Beamten ausmachen, Prostitution hingegen lässt sich in diesen Zivilisationen zu diesem Zeitpunkt nicht nachweisen. (vgl. RINGDAL 2006, S. 21)
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sexarbeit, Vorstellung der Motivation der Verfasserin sowie Definition der Forschungsfrage.
2. Das Gebiet der Sexarbeit: Begriffsdefinitionen von Prostitution und Sexarbeit sowie ein historischer Abriss der Entwicklung der Prostitution.
3. Politik, Moral und Gesetzgebung: Untersuchung der moralpolitischen Hintergründe, verschiedener Regulierungsmodelle und der Prostitutionspolitik in Deutschland bis zum ProstSchG.
4. Stigma und Stigmatisierung: Theoretische Grundlagen zur Stigmatisierung, basierend auf den Modellen von Goffman sowie Link und Phelan.
5. Das Hurenstigma: Anwendung der Stigmatisierungstheorien auf das spezifische Phänomen des Hurenstigmas.
6. Die Regulierung der Sexarbeit und mögliche Verbindungen zur Stigmatisierung: Detaillierte Analyse der Bestimmungen des ProstSchG (Anmeldepflicht, Beratung, Kondompflicht) hinsichtlich ihrer stigmatisierenden Wirkung.
7. Soziale Arbeit im Feld der Sexarbeit: Erörterung der Rolle der Sozialen Arbeit zwischen staatlichem Auftrag und Parteilichkeit sowie deren Funktion als „Normalisierungsarbeit“.
8. Fazit: Zusammenführende Antwort auf die Forschungsfrage und Reflexion der Ergebnisse.
Sexarbeit, Prostitution, Prostituiertenschutzgesetz, ProstSchG, Stigmatisierung, Hurenstigma, Stigma-Management, Soziale Arbeit, Diskriminierung, Regulierungsmodelle, Gender, Anmeldepflicht, Kondompflicht, Gesundheitspolitik
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen der staatlichen Regulierung der Sexarbeit durch das deutsche Prostituiertenschutzgesetz und der Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen.
Die zentralen Felder sind die historische Entwicklung der Prostitution, die soziologische Stigmatisierungstheorie und die politische Umsetzung gesetzlicher Regulierungsmodelle in Deutschland.
Ziel ist es zu klären, in welchem Zusammenhang das Prostituiertenschutzgesetz mit der Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen steht.
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Ansätze zur Stigmatisierung (Goffman, Link/Phelan) auf das aktuelle deutsche Gesetz anwendet und kritisch bewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Stigma-Begriffs und die anschließende empirisch fundierte Kritik an den spezifischen Regelungen des ProstSchG wie der Anmeldepflicht und der gesundheitlichen Beratung.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Sexarbeit, Stigmatisierung, Hurenstigma, ProstSchG, Anmeldepflicht und Soziale Arbeit.
Die Autorin kritisiert das Gesetz als potenziell stigmatisierend, da es Sexarbeit von anderen Berufen abgrenzt, stereotype Bilder von hilfsbedürftigen Frauen reproduziert und das Stigma-Management der Betroffenen erschwert.
Die Soziale Arbeit wird als „Normalisierungsarbeit“ analysiert, die einerseits Hilfen anbietet, sich aber andererseits in einem Spannungsfeld zwischen staatlichem Auftrag zur Ordnung und der solidarischen Parteilichkeit für die Adressatinnen befindet.
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