Masterarbeit, 2016
62 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Populärkultur– Eine Begriffsbestimmung
2.1.1 Begriffsherleitung
2.1.2 Spannungsfelder der Populärkultur
2.1.3. Das Populäre im Verhältnis zum Nicht-Populären
2.2. Bedingungen und Konstitution von Populärkultur in der Gesellschaft
2.3 Populärkultur als Verfahrensweise
2.5 Ausdifferenzierung der Populärkultur
2.6 Zusammenfassung
3. Exkurs: Avant-Pop
4. Populärkultur und Gegenwartstheater
4.1 Gegenwartstheater und Pop-Musik
4.2 Populärkultur und postdramatisches Theater
4.3 Politisches Potential des Gegenwartstheater
4.4 Zusammenfassung
5. Analyse populärkultureller Methoden in Dramatik und Gegenwartstheater
5.1 Gegenwartsdramatik
5.2 Populärkulturelle Mittel auf Inszenierungsebene
5.2.1 Simon Stone – John Gabriel Borkman
5.2.2 Stefan Pucher/ Dietmar Dath Ein Volksfeind
5.2.3. Ersan Mondtag – Tyrannis
5.3. Zusammenfassung
6. Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz: popkulturelle Insel im Widerspruchsrausch
6.1.1 Die Inszenierungsästhetik von Frank Castorf
6.1.2 Die Inszenierungsästhetik von Christoph Schlingensief
6.1.4.Die Inszenierungsästhetik von René Pollesch
6.1.3 Die Inszenierungsästhetik von Herbert Fritsch
6.2. Die Außendarstellung der Volksbühne
6.2.1 Die Volksbühne aus fachimmanenter Perspektive
6.2.2 Marketingstrategien zur Außendarstellung der Volksbühne
6.2.3 Feuilletonistische Darstellung der Volksbühne
5.3 Zusammenfassung und Schlussfolgerung
7. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung, Merkmale und Arbeitsweisen populärkultureller Phänomene sowie deren Einfluss auf das institutionelle Gegenwartstheater, um zu ergründen, wie Populärkultur als Methode im Theatersystem fungieren kann.
2.1.2 Spannungsfelder der Populärkultur
Da es bereits für Kultur keine einheitliche Norm existiert, kann Populärkultur auch nicht als Begriffsabweichung oder Erweiterung betrachtet werden, viel mehr ist die Populärkultur ein der Kultur immanenter Begriff. Eine Annäherung an den Begriff kann jedoch geschehen, wenn man ihn im Spannungsfeld zu anderen kulturimmanenter Begriffen betrachtet.
Im unmittelbaren Begriffsumfeld der Populärkultur stößt man so auf die Vokabeln „Hochkultur“ und „Kunst“. Es handelt sich dabei um Begrifflichkeiten, die sich durch das Aufkommen der Populärkultur unwiderruflich verändert haben – sie müssen in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen. Dennoch können sie nicht als oppositionelle Begriffe zur Populärkultur bezeichnet werden, denn spätestens seit dem Aufkommen von „Pop-Art“ hat die anerkannte Kunst auch mit Mitteln und Verfahrensweisen der Populärkultur gearbeitet. Diese Veränderung fand vor allem durch das in Frage stellen von Grenzen statt, einer Trennung von U- und A-Kultur in etwa. Seit dieser Entwicklung handelt es sich bei den Begriffen mehr um „ordnungsstiftende Korrektive“, die der Widersprüchlichkeit der Populärkultur sogar Rechnung tragen.
Pop-Art veränderte vor allem die zeitgenössische Kunst, gesamtgesellschaftlich war jedoch die Jugendbewegung der 1960er-Jahre Schlüssel für das Entstehen einer Populärkultur, die Volks- und Massenlehre ablöste. Spätestens mit den Beatles oder Rolling Stones wurde Musik, gezielt für eine junge Publikumsschicht produziert und ein damit verbundener Habitus etabliert. Die daraus entstandene Jugendbewegung gehörte vermutlich zu den ersten als Populärkulturell zu bezeichnende Strömungen. Sie grenzte sich von der vorangegangenen Massen- oder Volkskultur ab; sie geschah zwar auch Massenhaft, war jedoch geprägt von einer Protest- bzw. Gegenbewegung die jungendsoziologische Phänomene hervorbrachte. Gewisse Formen der Kommunikation, wie Jargons, Konsumverhalten und Mode wurden somit identitätsstiftend. Die Ausmaße der Bewegung stellte schließlich gültige Normen infrage, steigerte aber gleichzeitig die Kommerzialisierbarkeit. Populärkultur trat in so vielen Bereichen in Erscheinung, dass Trennungen von E- und U-Kultur oder Volk und Elite unmöglich machte. Mit den Beispielen „Jugendbewegung“ und „Pop-Art“ sind zwei Strömungen und eine Epoche erfasst, die nicht nur diese wertungsimmanente Trennung von „wertvoll“ und „minderwertig Unterhaltsamen“ aufhebt, sondern auch „Massentauglichkeit“ in „massenhafte Kommerzialisierbarkeit“ transformierte. Diese Undurchsichtigkeit, wann sich etwas um Ausdrucksverhalten handelt und wann die kommerzielle Verwertung im Vordergrund steht, ist prägend für Populärkultur und soll im Verlauf der Arbeit weiter erläutert werden.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert den wachsenden Legitimationsdruck des Theaters und die zunehmende Relevanz popkultureller Formen für das institutionelle Theater.
2. Populärkultur– Eine Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung der Populärkultur, beleuchtet ihre Konstitution und diskutiert sie als Verfahrensweise sowie deren Ausdifferenzierung.
3. Exkurs: Avant-Pop: Es wird das Konzept des Avant-Pop nach Thomas Hecken eingeführt, um künstlerische Leistungen innerhalb der Popkultur jenseits klassischer Wertmaßstäbe zu hierarchisieren.
4. Populärkultur und Gegenwartstheater: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse mit dem Theatersystem und analysiert die wechselseitigen Einflüsse zwischen Pop-Musik, postdramatischem Theater und politischen Potenzialen.
5. Analyse populärkultureller Methoden in Dramatik und Gegenwartstheater: Hier erfolgt eine praktische Anwendung der Theorie auf aktuelle Gegenwartsdramatik und spezifische Inszenierungsbeispiele von Simon Stone, Stefan Pucher und Ersan Mondtag.
6. Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz: popkulturelle Insel im Widerspruchsrausch: Eine detaillierte Fallstudie zur Ästhetik und Außendarstellung der Volksbühne unter Frank Castorf als Ort des künstlerischen und gesellschaftlichen Widerspruchs.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Populärkultur als unverzichtbares Element für das institutionelle Gegenwartstheater zusammen und reflektiert die Risiken der Kommerzialisierung.
Populärkultur, Gegenwartstheater, Avant-Pop, Inszenierungsästhetik, Volkstheater, Institutionelles Theater, Pop-Musik, Kulturindustrie, Selbstinszenierung, Identität, Diskurs, Subkultur, Volksbühne, Frank Castorf, Marktlogik.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die wechselseitigen Einflüsse zwischen Populärkultur und dem institutionellen Gegenwartstheater im deutschsprachigen Raum.
Die Schwerpunkte liegen auf der Begriffsbestimmung von Populärkultur, der Rolle von Avant-Pop, der Analyse von Inszenierungstechniken im modernen Theater sowie der Außendarstellung von Theaterbetrieben.
Ziel ist es, die Herausarbeitung und Analyse popkultureller Phänomene, Merkmale und Arbeitsweisen in ihren Bezügen und Einflüssen auf das institutionelle Gegenwartstheater darzulegen.
Es wird eine Kombination aus theoretischer Begriffsanalyse und einer praktischen Untersuchung von Inszenierungsbeispielen sowie der medialen Rezeption des Theaterbetriebs verwendet.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Populärkultur, untersucht das Verhältnis zum Postdramatischen Theater und führt Fallstudien zur Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz durch.
Zu den prägenden Begriffen zählen Populärkultur, Gegenwartstheater, Avant-Pop, Inszenierungsästhetik und Identitätskonstruktion.
Die Volksbühne unter Frank Castorf gilt als Paradebeispiel dafür, wie ein Theaterbetrieb durch eine gezielte popkulturelle Außendarstellung und Ästhetik einen unverwechselbaren, "coolen" Ruf generierte.
Avant-Pop ermöglicht eine wertende Einordnung von künstlerischen Leistungen innerhalb der Popkultur, ohne auf die alten, normativen Trennungen zwischen Hoch- und Unterhaltungskultur zurückzugreifen.
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