Bachelorarbeit, 2018
61 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Sinngebungsstrategien in Trauerfeiern für Bombenopfer
2.1 Sprachliche Ebene
2.1.1 Diskreditierung des Gegners
2.1.2 Das Konstrukt der "Volksgemeinschaft"
2.1.3 Verpflichtung durch Opfer
2.1.4 Das gemeinsame Schicksal
2.1.5 Was wird nicht gesagt?
2.2 Praktische Ebene
2.2.1 Ort der Trauerfeiern
2.2.2 Die anwesende „Prominenz“
2.2.3 Liedgut
2.2.4 Verlesung der Namen
3. Die Verbindung von Sprache und Praxis
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sinngebungsstrategien, mit denen das nationalsozialistische Regime während des Zweiten Weltkriegs Trauerfeiern für Bombenopfer instrumentalisierte, um die Akzeptanz der Politik aufrechtzuerhalten und den Durchhaltewillen der Bevölkerung zu stärken.
2.1.1 Diskreditierung des Gegners
Besonders im Kontext des Krieges ist es nicht weiter verwunderlich, dass die jeweiligen Gegner so intensiv wie möglich, insbesondere von der politischen Führung, diskreditiert werden. Dies ist insbesondere förderlich, um eine Rechtfertigung für den bestehenden Krieg zu schaffen und die Identität des untergeordneten Kollektivs zu stärken, sodass eine stärkere Abgrenzung zu den Außenstehenden, also denjenigen, die nicht zum Kollektiv bzw. im Kontext des Dritten Reiches zur "Volksgemeinschaft" gehörten, zu erreichen.
Kontext der Bombardierungen bzw. des gesamten Luftkrieges liegt es nahe, dass die Alliierten durch den nationalsozialistischen Staat besonders einer Feindbildkonstruktion unterlegen sind. Nichtsdestotrotz ist es im Rahmen dieser Arbeit notwendig, auf dieses Ausmaß, was insbesondere in den Zeitungsartikeln zeigt, genauer einzugehen. Denn vor allem im Zusammenhang mit der Fragestellung, die die einzelnen Sinngebungsstrategien genauer zu analysieren versucht, ist es von besonderer Bedeutung, in welchem Maße hier ein Feindbild konstruiert wird. Nur wenn ein Gegner kriminalisiert und insbesondere diskreditiert wird, ist es möglich, bei einem Kollektiv Hass zu erzeugen und somit die Bereitschaft für einen Krieg zu ebnen, wobei gleichzeitig ebenfalls das Durchhaltevermögen gestärkt werden kann.
Dass vor allem der Begriff „Terror“ in großem Ausmaß im Zusammenhang mit den alliierten Luftangriffen ab 1942 verwendet wird, zeigt nicht nur Karl-Heinz Brackmann in seiner Publikation „NS-Deutsch. "Selbstverständliche" Begriffe und Schlagwörter aus der Zeit des Nationalsozialismus“. Ebenfalls die Zeitungsartikel verwenden Begriffe, wie „barbarischer Feind“, „Terrorangriff“, „Bombenterror“, „verruchte Gegner“ und „[...] angeblich zivilisierte Gegner“, bei denen es „[...] Menschlichkeit und Ritterlichkeit [...]“ nicht mehr gebe.
Bedeutender in diesem Zusammenhang ist jedoch die Tatsache, dass die Luftangriffe vor allem im Rahmen der Reden während der Trauerfeiern zu Verbrechen deklariert werden. Bereits Hoffmann stellt fest, dass vor allem im Kontext der zunehmenden Bedrohung des deutschen Reiches durch alliierte Luftangriffe, eine „[...] neue Propagandaebene [...]“ geschaffen werden musste.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse und ordnet die Arbeit in den historischen Kontext des "Totalen Krieges" und der NS-Propaganda ein.
2. Sinngebungsstrategien in Trauerfeiern für Bombenopfer: Dieses Hauptkapitel analysiert auf sprachlicher und praktischer Ebene, wie durch gezielte Begriffsverwendung und rituelle Inszenierungen Sinn für die Bombenopfer gestiftet wurde.
2.1 Sprachliche Ebene: Hier wird untersucht, wie durch diskreditierende Sprache und die Konstruktion von Ideologien wie der "Volksgemeinschaft" das Weltbild des Regimes stabilisiert wurde.
2.2 Praktische Ebene: Dieser Abschnitt beleuchtet die konkrete Durchführung der Feiern, von den Orten über die anwesende Prominenz bis hin zu Liedgut und Namensverlesung.
3. Die Verbindung von Sprache und Praxis: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor getrennten Analyseebenen und zeigt, wie sich beides gegenseitig in der propagandistischen Wirkung verstärkt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Instrumentalisierung des Todes zur Stärkung des NS-Regimes zusammen.
Nationalsozialismus, Luftkrieg, Bombenopfer, Trauerfeiern, Sinngebungsstrategien, Volksgemeinschaft, Propaganda, Opfertod, Diskreditierung, NS-Regime, Feindbild, Durchhaltevermögen, Heldenmythos, Zeitungsartikel, NS-Ideologie
Die Arbeit untersucht die Instrumentalisierung von Trauerfeiern für Bombenopfer durch das NS-Regime im Zweiten Weltkrieg, um die Bevölkerung zum Durchhalten zu bewegen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von NS-Propagandastrategien, dem Konstrukt der Volksgemeinschaft und der rituellen Aufarbeitung von Kriegsschäden.
Das Ziel ist es herauszufinden, welche spezifischen Sinngebungsstrategien angewendet wurden, um den Tod an der "Heimatfront" ideologisch zu deuten und das Vertrauen in den Staat zu sichern.
Es wird eine diskursanalytische Untersuchung von Zeitungsartikeln der Jahre 1941-1945 aus den Städten Göttingen, Kassel und Hameln durchgeführt.
Der Hauptteil analysiert einerseits sprachliche Kategorien wie die Diskreditierung des Gegners und andererseits praktische Aspekte wie den Ablauf und die Inszenierung der Trauerfeiern.
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Sinngebungsstrategien, Propaganda, Volksgemeinschaft, Opfertod und Durchhaltevermögen.
Die Auswahl begründet sich durch die unterschiedliche Betroffenheit der Städte durch Luftangriffe sowie die regionale Nähe der Archive, was eine vergleichende Analyse ermöglicht.
Die Presse fungierte als zentrales Steuerungsinstrument, das durch gezielte Begriffsverwendung und selektive Berichterstattung mediale Realitäten schuf, die den NS-Vorgaben entsprachen.
Das individuelle Leid der Angehörigen wurde in den Quellen weitgehend ausgeblendet; stattdessen wurde das Geschehen in einen kollektiven, heldenhaften Rahmen überführt.
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