Examensarbeit, 2005
94 Seiten, Note: 2,3 (gut)
1. Einleitung
1.1 Der Tristanstoff
1.2 ‚Version courtoise’ und ‚Version commune’
1.3 Zur Minnekonzeption
1.3.1 Die Minnekonzeption bei Eilhart
1.3.2 Die Minnekonzeption bei Gottfried
1.4 Thema der Arbeit und Vorgehensweise
1.5 Textauswahl
1.6 Forschungsstand
2. Die Trennung der Liebenden
2.1 Literarische Bedeutung der Trennung der Liebenden
2.2 Die Abschiedsszene bei Eilhart und Gottfried
2.2.1 Tristans Abschiedsrede
2.2.2 Isoldes Abschiedsmonolog
2.3 Das Leben der Liebenden während der Trennung
2.3.1 Tristan auf der Flucht vor sich selbst
2.3.2 Isolde I – Tristans Geliebte
2.3.3 Isolde II – Tristans Ehefrau in Eilharts ’Tristan’ im Kontrast zu Isolde I
2.3.3.1 Die erste Begegnung von Tristan und Isolde II
2.3.3.2 Die Heirat von Tristan und Isolde II
2.3.3.3 Isolde I im Vergleich zu Isolde II
2.3.3.4 Tristan und Isolde I im Streit
2.3.3.5 Die Versöhnung
2.3.3.6 Tristans Abenteuer im ‚Minnedienst’
2.3.3.7 Tristans Kampf gegen Graf Riol und die Folgen
2.3.3.8 Tristans Beihilfe zum Ehebruch
2.3.3.9 Isolde II trifft auf Isolde I
2.3.4 Isolde Weißhand – Tristans Versuchung in Gottfrieds ‚Tristan’
2.3.4.1 Tristans erste Begegnung mit Isolde Weißhand
2.3.4.2 Isolde Weißhand als Liebesersatz
2.3.4.3 Tristans Zerrissenheit
2.3.4.4 Tristans Rechtfertigungsversuche
3. Das Ende der Erzählung
3.1 Bei Eilhart
3.2 Bei Gottfried
3.2.1 Gottfrieds ‚Tristan’ als Fragment?
3.2.2 Mögliche Fortsetzungen
4. Die Schuldfrage
4.1 Die Schuldfrage bei Eilhart
4.2 Die Schuldfrage bei Gottfried
5. Eilhart und Gottfried – ein Vergleich
5.1. Die Minnekonzeption
5.2 ‚Version courtoise’ oder ‚Version commune’
5.3 Gottfrieds tiefgreifendere Analyse
5.4 König Marke und die Gesellschaft als Anti-Tristrant
5.5 Zur gegenseitigen Beeinflussung der Autoren
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit analysiert das Motiv der Liebestrennung in den Tristanromanen von Eilhart von Oberg und Gottfried von Straßburg. Ziel ist es, die unterschiedlichen Konzeptionen der Trennung zu untersuchen, zu vergleichen und aufzuzeigen, wie beide Autoren das Spannungsfeld zwischen individuellem Liebesanspruch und gesellschaftlichen Normen interpretieren.
2.2.1 Tristans Abschiedsrede
Die Anwesenheit Markes bei der Abschiedsszene in Eilharts ‚Tristan’ verhindert eine größere Aussprache des Liebespaares. Lediglich aus der Abschiedsrede zwischen Tristan und König Marke erfährt der Leser, wie sehr es Tristan schmerzt, dass er das, was er von gantzem hertzen lieb hat (E 5177), verlassen muss. Er wird als gemuot (E 5174) beschrieben, der Abschied ist für ihn nach eigener Aussage ein groß hertzlaid (E 5183). Dennoch muss er seine Geliebte verlassen, wenn er sein Leben retten möchte. Als Abschiedsgeschenk und als Erinnerung an den entfernten Geliebten, überlässt er seiner Isolde seinen Hund mit den Worten ob ich úch lieb sy,/ daß tund an dem hund schin (E 5197f.). Sie soll sich des Hundes annehmen und ihn so liebevoll behandeln wie sie Tristan behandelt hat. Auf diese Weise wird der Bracke Utant „zum Sinnbild der Treue und der Tristan-Minne“72. Erwähnenswert ist allerdings die Art und Weise, wie Eilhart den Abschied der beiden zu illustrieren versucht. Marke kümmert sich in rechter liebin (E 5188) um seine Ehefrau, nachdem sich Tristan und Isolde als gut frund (E 5190) getrennt haben. Zwar kann der Begriff ‚frund’ ähnlich der Erläuterungen Mergells73 als Zeichen des Wandels der Tristan-Minne gedeutet werden, doch könnte der Roman auch hier sein Ende nehmen: Isolde führt offenbar eine glückliche Ehe mit Marke, und Dank der nachlassenden Wirkung des Liebestrankes sind Tristan und Isolde in der Lage, sich in Freundschaft zu trennen. Die zwanghafte Liebe ist aufgehoben. Doch Eilhart führt seine Erzählung, „ohne die weiterbestehende Bindung zu begründen“74, fort – zum einen sicherlich aus stofflichen Gründen, zum anderen jedoch, da er mit der Erzählung etwas zum Ausdruck bringen möchte und diese somit nicht als reine Spielmannversion zu sehen ist, bei der die Darstellung des Minnekonfliktes nicht im Zentrum steht.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Motiv der Liebestrennung ein, thematisiert den Tristanstoff und die Forschungsgeschichte.
2. Die Trennung der Liebenden: Dieses Hauptkapitel analysiert die Bedeutung der Trennung, die Abschiedsszenen und das Leben der Liebenden während der räumlichen Distanz bei Eilhart und Gottfried.
3. Das Ende der Erzählung: Untersuchung der verschiedenen Lösungsansätze zum Ende der Tristan-Erzählungen beider Autoren, inklusive der Frage der Fragmenthaftigkeit.
4. Die Schuldfrage: Analyse der moralischen Verantwortung der Protagonisten und der Rolle des Liebestrankes für die Beurteilung ihrer Handlungen.
5. Eilhart und Gottfried – ein Vergleich: Ein direkter Vergleich der Minnekonzeptionen sowie eine Untersuchung der gegenseitigen Beeinflussung.
6. Zusammenfassung: Abschließende Synthese der Analyseergebnisse zu den beiden Tristan-Fassungen.
Tristan, Isolde, Liebestrennung, Minne, Eilhart von Oberg, Gottfried von Straßburg, höfische Literatur, Liebestrank, Schuldfrage, Mittelalter, Literaturvergleich, Individuum, Gesellschaft, Trennung, Tristan-Stoff
Die Arbeit untersucht das Motiv der Liebestrennung in den Tristanromanen von Eilhart von Oberg und Gottfried von Straßburg und vergleicht, wie diese Autoren mit dem zentralen Konflikt umgehen.
Im Zentrum stehen die Minnekonzeption, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die moralische Bewertung von Ehebruch und Trennung.
Das Ziel ist die Analyse der Liebestrennung als strukturelles Motiv in beiden Werken, um die unterschiedlichen Liebesauffassungen der Autoren herauszuarbeiten.
Die Arbeit basiert auf einer philologischen Textanalyse, die den Vergleich der Primärquellen mit der bestehenden Tristan-Forschung verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Abschiedsszenen, das Leben während der Trennung, die Frage nach dem Ende der Erzählung und eine kritische Auseinandersetzung mit der Schuldfrage.
Wichtige Begriffe sind Tristan, Isolde, Minne, Liebestrennung, Eilhart von Oberg, Gottfried von Straßburg und der Konflikt zwischen Liebe und Gesellschaft.
Da Eilhart als Vertreter einer eher unhöfischen/spielmännischen Tradition und Gottfried als Vertreter der höfischen Dichtung gilt, bietet der Vergleich interessante Einblicke in unterschiedliche literarische Weltbilder.
Isolde II dient als Kontrastfolie zur blonden Isolde; ihr Erscheinen provoziert die Frage nach Tristans Treue und stellt sein moralisches Handeln infrage.
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