Bachelorarbeit, 2015
38 Seiten, Note: 3
1. Einleitung
2. Der Typus des literarischen Verbrechers in Verbindung mit dem Prinzip des Erhabenen nach Schiller
2.1 Fiesco als politischer Einzelkämpfer und erhabener Verbrecher nach dem Prinzip des Erhabenen nach Pseudo-Longinus und nach Schiller
2.2 Der Untergang Fiescos in Zusammenhang mit Schillers politischen Eindrücken im 18. Jahrhundert in Anlehnung an die Französische Revolution
3. Der Typus des erhabenen Verbrechers in Schillers „Wallenstein“
3.1 Wallenstein als ambivalenter Charakter in Zusammenhang mit dem Prinzip des Erhabenen nach Schiller
3.2 Der Versuch der Überwindung vom geschichtlichem Handeln durch Wallenstein im Konflikt mit dem erhabenen Prinzip nach Schiller
4. Kurzes Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Gestalt des Verbrechers in Friedrich Schillers Dramen „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“ und „Wallenstein“ unter Anwendung des ästhetischen Konzepts des „Erhabenen“. Ziel der Analyse ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Titelfiguren durch Schillers Poetisierung als erhabene Verbrecher konstruiert werden und welche Funktion dieser Prozess beim Rezipienten einnimmt, um moralische Reflexionsprozesse anzustoßen.
1. Einleitung
Die Figur des Verbrechers ist aus der heutigen Literatur nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Kriminalromane erobern seit Jahren den Markt, die sich um den sogenannten „typischen Verbrecher“ drehen. Dieser wird im Roman meist von Gesetzeshütern verfolgt, die der Autor, aufgrund ihrer detektivischen Fähigkeiten, auswählt. Aber es existieren mittlerweile auch Romane, die sich darum bemühen, das bisher strikte negative Bild des Verbrechers umzudrehen. Der Leser verfolgt das Geschehen dann direkt aus der Perspektive des Verbrechers und bekommt so einen Einblick in den spannenden, undurchschaubaren Charakter. Die literarische Gestalt des Verbrechers, war bereits seit der Antike ein spannendes Phänomen, beispielsweise zu erkennen in der griechischen Göttermythologie.
Die griechischen Götter hatten ihre Pflicht nicht nur darin, Gesetze festzulegen und über die Menschen zu herrschen, sondern auch Strafen gegen diejenigen zu verhängen, die sich nicht an die geltenden Gesetze hielten. Hierzu zählt beispielsweise Tantalus, der als König von Lydien mit den Göttern speiste und sie dabei auf die Probe stellte. Er tötete seinen Sohn Pelops, um ihn den Göttern als Mahl zu servieren. Die Götter erkannten die grausame Tat und bestraften Tantalus mit ewigen Qualen im Tartaros, sowie einem Fluch, der sein gesamtes Geschlecht betreffen sollte.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die literarische Figur des Verbrechers als historisch gewachsenes Phänomen und führt den theoretischen Rahmen des „Erhabenen“ nach Pseudo-Longinus und Schiller als Analyseinstrument ein.
2. Der Typus des literarischen Verbrechers in Verbindung mit dem Prinzip des Erhabenen nach Schiller: Dieses Kapitel widmet sich der Figur des Fiesco und untersucht, wie Schiller durch spezifische Rhetorik und ästhetische Stilmittel eine ambivalente Verbrechergestalt schafft, die den Zuschauer zur Reflexion über Macht und Moral anregt.
3. Der Typus des erhabenen Verbrechers in Schillers „Wallenstein“: Hier wird Wallenstein als ambivalenter Charakter analysiert, dessen Schicksalsgebundenheit und politisches Scheitern in Kontrast zu seiner rhetorischen Brillanz stehen, wobei auch die Rolle der Nebenfiguren wie Max Piccolomini beleuchtet wird.
4. Kurzes Resümee: Das Fazit stellt die unterschiedliche Umsetzung des Erhabenen in den beiden Dramen gegenüber und betont, dass Schiller Verbrecher als „künstliche Elemente“ nutzt, um beim Rezipienten einen Moment moralischer Erschütterung und Selbsterhebung auszulösen.
Friedrich Schiller, Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, Wallenstein, Das Erhabene, Pseudo-Longinus, Literarischer Verbrecher, Ästhetische Erziehung, Politischer Umsturz, Dramentheorie, Moralische Freiheit, Rhetorik, Rezeptionsästhetik, Schicksal, Machtmissbrauch, Pathos.
Die Arbeit untersucht die Konstruktion der Verbrecherfigur in Schillers Dramen „Fiesco“ und „Wallenstein“ und hinterfragt, wie diese Charaktere durch das philosophische Konzept des „Erhabenen“ aufgewertet oder als moralische Grenzfälle dargestellt werden.
Zentrale Themen sind die Verknüpfung von ästhetischer Theorie (Schillers „Vom Pathetischen und Erhabenen“) mit der Dramenpraxis, der Machtbegriff in politischen Umbruchzeiten sowie die ethische Verantwortlichkeit des Einzelnen gegenüber gesellschaftlichen Normen.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, ob und wie Schiller durch die Figur des „erhabenen Verbrechers“ eine spezifische Wirkung beim Zuschauer erzielen will, die über die bloße Erzählung hinausgeht.
Die Arbeit basiert auf einer textnahen literaturwissenschaftlichen Analyse, die durch einen theoretischen Abgleich mit den Schriften von Schiller und Pseudo-Longinus sowie durch die Einbeziehung zeitgenössischer Sekundärliteratur gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Figuren Fiesco und Wallenstein, wobei jeweils deren Rhetorik, ihre spezifische Handlungslogik im politischen Raum und ihr jeweiliges Ende auf das erhabene Prinzip hin geprüft werden.
Wichtige Begriffe sind das Erhabene, Schillers Ästhetik, politische Macht, der literarische Verbrecher und die rezipientenseitige Reflexion.
Das Scheitern markiert den Widerspruch zwischen seinem Machtstreben und seinem moralischen Anspruch; da Fiesco das erhabene Prinzip nur als Mittel zum Zweck für seine Tyrannei missbraucht, verhindert Schiller eine glorifizierende Darstellung.
Während Fiesco aktiv und aus eigener Machtgier zum Verbrecher wird, zeichnet sich Wallenstein durch eine stärkere Ambivalenz und schicksalhafte Determination aus, was ihn in der Wahrnehmung Schillers näher an eine tragisch-erhabene Position rückt als Fiesco.
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