Masterarbeit, 2019
61 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Freiheit des Subjekts mit der Ontologie der Sprache
2.1 Tod des Autors und Raum der Sprache
2.2 Die Abschaffung des Repräsentationsmodells
2.3 Die Freiheit des Subjekts in der modernen Literatur
2.4 Die Trennung von Welt und Denken
3. Moderne Literatur als Möglichkeit zur Schaffung eines außerdiskursiven Raums
3.1 Raymond Roussel „Parmi les Noirs“
3.2 Die Identität der Sprache bei Roussel
3.3 Jorge Luis Borges „Die Bibliothek von Babel“
3.4 Identisches Sprechen und Nicht - Identisches Sprechen bei Borges
4. Die reine Ordnung des Seins in Verbindung mit der Ordnung der Sprache
4.1 „Früher Foucault“ und „Später Foucault“
4.2 Zeitgenössische Kritiker Foucaults
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht Michel Foucaults Thesen zur Ontologie der Sprache in der modernen Literatur und prüft deren Bedeutung für die Entwicklung seiner Diskursanalyse sowie seine späteren philosophischen Ansätze. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit moderne Literatur als außerdiskursiver Raum fungieren kann, der dem Subjekt Möglichkeiten zur Befreiung aus diskursiven Zwängen eröffnet.
3.1 Raymond Roussel „Parmi les Noirs“
Zu seinen Überlegungen bezüglich der Ontologie der Sprache wurde Michel Foucault vor allem durch die französischsprachige, moderne Literatur des 20. Jahrhunderts angeregt.119 Nachdem der französische Autor Marquis de Sade für Foucault den Beginn der modernen Literatur und die damit verbundene Loslösung vom Inhalt der Sprache mittels der Sprache darstellt, kann alles darauffolgende nur noch auf Sades Texten aufbauen: „Sade spricht aus, was man nicht sagen durfte […] und er gehört zu der Seite des ausgeschlossenen Sprechens, die man, weil man sie wörtlich, nicht ernst nahm.“ 120
Raymond Roussel vollbringt, nach Foucault, eben dies, indem er in seinen Erzählungen die Möglichkeiten der Sprache statt deren Inhalt in den Vordergrund stellt. In seiner Monographie „Raymond Roussel“ beschäftigt sich Foucault, unter anderem, mit einigen ausgewählten Texten Roussels, darunter auch die Erzählung „Parmi les Noirs“ („Unter den Schwarzen“)121 und dem sprachlichen Verfahren, das Roussel selbst in seinem Werk „Comment j’ai écrit certains de mes livres“ („Wie ich einige meiner Bücher geschrieben habe“) erwähnt hat.122 Dieses spezifische Verfahren Roussels wird von Foucault aber nicht in einen hermeneutischen Zusammenhang bezüglich des Textes selbst gestellt, sondern es erscheint ihm als ein zweites Rätsel, das in Zusammenhang mit der verwendeten Sprache genau untersucht werden muss.123 Dabei nutzt Roussel die diskursiven Regeln der Sprache, um bis an ihre Grenzen vorzustoßen und somit auf die Beschränktheit der Sprache im Diskurs hinzuweisen. Paradoxerweise gelingt es Roussel mit der Betonung auf die Beschränktheit der Sprache das Augenmerk auch auf ihre Unbeschränktheit zu lenken. Diese andere und unbeschränkte Seite der Sprache liegt fern von den diskursiven Ordnungsstrukturen und zeichnet sich nur schemenhaft hinter der rissigen Oberfläche des sprachlichen Systems im Diskurs ab. Roussels Methode, mit der er die ursprüngliche Identität der Sprache enttarnt, funktioniert wie eine sprachliche Schablone, die er in minimalen Abständen immer wieder neu auf die Worte legt.
1. Einleitung: Einführung in die ontologische Fragestellung im Kontext von Foucaults philosophischem Ansatz und der Bedeutung der Sprache für das Subjekt.
2. Freiheit des Subjekts mit der Ontologie der Sprache: Analyse des Verschwindens des Autors und der sprachlichen Ordnungsstrukturen als Bedingung für die Freiheit des Subjekts.
3. Moderne Literatur als Möglichkeit zur Schaffung eines außerdiskursiven Raums: Untersuchung literarischer Verfahren bei Roussel und Borges als Mittel, um das Sein der Sprache jenseits diskursiver Zwänge aufzuzeigen.
4. Die reine Ordnung des Seins in Verbindung mit der Ordnung der Sprache: Reflexion über die Entwicklung von Foucaults Denken und die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kritikern.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Rolle der Literatur als Medium der Überschreitung und als Ausgangspunkt für Foucaults spätere Diskursanalyse.
Michel Foucault, Ontologie der Sprache, Moderne Literatur, Diskursanalyse, Subjektsubversion, Gegendiskurs, Heterotopie, Raymond Roussel, Jorge Luis Borges, Macht, Wissen, Episteme, Denken des Außen, Hermeneutik, Repräsentationsmodell
Die Arbeit analysiert Michel Foucaults Verständnis einer Ontologie der Sprache und dessen Bedeutung für die moderne Literatur sowie seine eigene diskursanalytische Entwicklung.
Die zentralen Felder sind die Rolle der Sprache als eigenständiges, ontologisches Sein, das Verhältnis zwischen Subjekt und Diskurs sowie die Funktion der Literatur als "Gegendiskurs".
Das Ziel ist es, Foucaults Thesen zur Sprache in der modernen Literatur kritisch zu prüfen und herauszuarbeiten, wie diese Thesen den Übergang zu seiner umfassenden Diskursanalyse maßgeblich beeinflusst haben.
Die Arbeit nutzt eine philosophische und literaturwissenschaftliche Analyse, die Foucaults eigene archäologische Methode reflektiert, um die diskursiven Ordnungen und das Verhältnis zwischen Subjekt und Sprache zu beleuchten.
Im Hauptteil werden Foucaults Analysen von Autoren wie Raymond Roussel und Jorge Luis Borges herangezogen, um das Konzept des "Außens" und der "Grenze" in der Sprache konkret zu demonstrieren.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ontologie der Sprache, Diskursanalyse, Subjektsubversion, Gegendiskurs und Heterotopie definiert.
Der Tod des Autors ist für Foucault notwendig, damit das Subjekt aus dem Zentrum der Wissensordnung tritt und die reine Ordnung der Sprache sichtbar werden kann.
Während die Literatur für den frühen Foucault primär ein Ort zur Analyse diskursiver Ereignisse war, verschiebt sich der Fokus im Spätwerk stärker hin zur Rolle des Subjekts und dessen Möglichkeiten der Selbstsorge.
Heterotopien sind Räume oder Orte, die die gesellschaftliche Realität in Frage stellen und als "außerdiskursive" Bereiche fungieren, in denen das Subjekt das Außen erahnen kann.
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