Diplomarbeit, 2001
111 Seiten, Note: Sehr Gut
EINLEITUNG
ERSTER TEIL: SCHULD - EIN HISTORISCH-SYSTEMATISCHER ÜBERBLICK
1. Begriffsklärung
2. Typologien von Schuld in ihrer historischen Entwicklung
2.1. Der magische Schuldbegriff
2.2. Der mythische Schuldbegriff
2.2.1. Exkurs: Mythische Schuldbegründung in der griechischen Tragödie
2.2.2. Platon und Aristoteles
2.3. Der rationale Schuldbegriff
3. Die Sicht des Menschen im Kontext der Typologien von Schuld
4. Systematische Konzeptionen von Schuld
4.1. Augustinus
4.2. Kant
4.3. Existenzphilosophie
4.3.1. Kierkegaard
4.3.2. Jaspers
4.3.3. Heidegger
4.3.4. Sartre
ZWEITER TEIL: SCHULD IN ’’WOLFSEGG’’
1. Hinführung
2. Vom ’’Ursprung alles Bösen’’ - ”Wolfsegg” im Spiegel von historisch systematischen Schuldtypologien
3. ’’Die Meinigen abschaffen’’ - Muraus Schuldgefühle
4. Schuldbefreiung
4.1. Martin Buber - ”Existentialschuld” und ”personhaft gewordenes Gewissen’’
4.2. Arthur Schopenhauer - ”Verneinung des Willens zum Leben”
5. Schuld und Erinnerung
5.1. Das vergessene Massengrab
5.2. Der ’’Italiener’’ - ein Gast als erfolgloser Therapeut
5.3. Die ’’Selbstauslöschung’’
SCHLUSSWORT
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Schuld im Kontext des Romans "Auslöschung" von Thomas Bernhard. Das Hauptziel besteht darin, die "Wolfsegger Schuld" der Protagonisten auf Basis klassisch-philosophischer Schuldbegriffe zu analysieren und zu prüfen, inwieweit Franz-Josef Murau eine erfolgreiche Befreiung von seinem familiären Herkunftskomplex gelingt.
Die Suche nach einer Möglichkeit, Wolfsegg ertragen zu können
Ein prunkvolles Schloß mit schönen Nebengebäuden, unter denen eine Orangerie und eine sogenannte Kindervilla als besonders gelungene Gebäude zusätzlich noch herausragen. An jedem Detail dieses Bauwerks bemerkt man die große Behutsamkeit und den unglaublichen Kunstverstand, mit dem jede Kleinigkeit angefertigt wurde, so daß man hier ohne zu übertreiben von einem steinernen Zeugen einer glanzvollen Epoche sprechen kann. Dies zeigt sich gleich beim Eintritt ins Hauptgebäude: hier müßte wohl auch ein weitgereister Besucher lange nachdenken, ob er wohl jemals ein schöneres Vorhaus zu Gesicht bekommen hat, daß trotz aller Kunstfertigkeit die absolute Strenge herrschaftlicher Größe ausstrahlt.
Auch die sonstigen Gebäude wirken in ihrer vornehmen Pracht ehrfurchtgebietend auf den Betrachter. Zum Schloß gehören ferner noch ein riesiger Grundbesitz, Wälder, Ländereien und Jagden; zudem bietet es dem Besucher einen der schönsten Aussichtspunkte des Landes, und wird andererseits durch einen dichten Hochwald vor den neugierigen Blicken derer, die es nicht sehen sollen, geschützt.
Der Eigentümer dieser beschriebenen Anlage müßte sich doch eigentlich sehr glücklich schätzen. Daß dies nicht a priori gegeben sein muß, zeigt die Geschichte des Franz-Josef Murau, der durch einen tragischen Unglücksfall unvermutet zum Alleinerben dieser riesigen Besitzung wird. Er empfindet dieses Erbe aber weniger als Glücksfall, denn als Anlaß zu Angst und Sorge, ja sogar als Bedrohung. Denn Wolfsegg, so der Name dieses Schlosses steht nicht nur für die oben beschriebene Pracht, sondern auch für etwas, das Murau seinen ”Herkunftskomplex” (AL 201) nennt. Gemeint ist damit seine leidvolle Kindheit und Jugend in eben diesem Prunkbau, geprägt einer geistfeindlichen familiären Umgebung, die im Nationalsozialismus ihr einziges Ideal neben dem Katholizismus sah, und kein Verständnis für ihren kunstsinnigen Nachkommen entwickelte. Murau wäre wohl daran zerbrochen, hätten nicht die - allzu seltenen - Besuche seines geliebten Onkels Georg, sowie der Rückzug in eine der fünf Wolfsegger Bibliotheken - eigentlich sind es ja sechs - zeitweilige Fluchten aus dem tristen Alltag ermöglicht.
EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des Romans "Auslöschung" und die Zielsetzung der Arbeit, das Handeln Muraus vor dem Hintergrund philosophischer Schuldbegriffe zu deuten.
1. Begriffsklärung: Erläuterung der verschiedenen Bedeutungsformen von Schuld und der etymologischen Zusammenhänge zwischen Pflicht und Schuld.
2. Typologien von Schuld in ihrer historischen Entwicklung: Darstellung der Differenzierung in magische, mythische und rationale Schuldbegriffe basierend auf der Philosophiegeschichte.
3. Die Sicht des Menschen im Kontext der Typologien von Schuld: Betrachtung der individuellen Konsequenzen der historischen Entwicklung des Schuldgedankens.
4. Systematische Konzeptionen von Schuld: Analyse der Schuldverständnisse prominenter Denker wie Augustinus, Kant und der Existenzphilosophie.
1. Hinführung: Überleitung zur praktischen Anwendung der zuvor theoretisch erarbeiteten Schuldtypologien auf die Protagonisten in Thomas Bernhards "Auslöschung".
2. Vom ’’Ursprung alles Bösen’’ - ”Wolfsegg” im Spiegel von historisch systematischen Schuldtypologien: Untersuchung, ob die im ersten Teil erarbeiteten Schuldtypen das Verhalten der Familie Murau erklären können.
3. ’’Die Meinigen abschaffen’’ - Muraus Schuldgefühle: Analyse der massiven Schuldgefühle Muraus aus Sicht literaturwissenschaftlicher Interpretationen.
4. Schuldbefreiung: Untersuchung möglicher Wege zur Tilgung der Schuld mittels der Philosophien von Martin Buber und Arthur Schopenhauer.
5. Schuld und Erinnerung: Psychoanalytische Deutung der verdrängten Kindheitsereignisse Muraus und deren Bedeutung für seinen psychischen Zustand.
SCHLUSSWORT: Fazit über die Erfolglosigkeit der Suche nach Erlösung im Roman und die Verstrickung Muraus in sein eigenes Schuldempfinden.
Schuld, Thomas Bernhard, Auslöschung, Existenzphilosophie, Wolfsegg, Schuldgefühle, Erinnerung, Verdrängung, Franz-Josef Murau, Metaphysik, Ontologie, Autonomie, Schopenhauer, Buber, Jaspers.
Die Arbeit untersucht das Schuldempfinden des Protagonisten Franz-Josef Murau aus Thomas Bernhards Roman "Auslöschung" vor dem Hintergrund historischer und systematischer philosophischer Schuldkonzepte.
Die zentralen Themen sind die philosophische Genese des Schuldbegriffs, die Anwendung dieser Begriffe auf literarische Charaktere sowie die psychoanalytische Deutung von Verdrängungsmechanismen bei traumatischen Kindheitserlebnissen.
Ziel ist es zu klären, wie die im Roman thematisierte "Wolfsegger Schuld" philosophisch einzuordnen ist und ob Murau durch seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eine Befreiung erreichen kann.
Der Autor nutzt eine historisch-systematische Herangehensweise zur philosophischen Einordnung sowie eine tiefenhermeneutische, psychoanalytisch orientierte Textinterpretation.
Im ersten Teil erfolgt eine historische Aufarbeitung der Schuldtypologien (magisch, mythisch, rational). Im zweiten Teil wird dies auf den Roman übertragen, inklusive Ansätzen zur Schuldbefreiung und einer Untersuchung der Erinnerung als "Schlüsseltext" des Werkes.
Die Begriffe Schuld, Existenzphilosophie, Herkunftskomplex, Auslöschung und transzendentale Begründung stehen im Zentrum der begrifflichen Untersuchung.
Der Autor argumentiert, dass Murau versucht, durch die "Verneinung des Willens zum Leben" eine Befreiung von der familiären Belastung zu erlangen, wobei diese Versuche letztlich an der Unmöglichkeit vollständiger Erlösung scheitern.
Diese Orte symbolisieren die verdrängte NS-Vergangenheit, deren tatsächliches Ausmaß den Protagonisten traumatisiert hat und die den Kern seines psychischen Leidens sowie seiner Unfähigkeit zur echten Erinnerung bildet.
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