Masterarbeit, 2019
144 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Qualität in der Berufsbetreuung
2.1 Der Qualitätsbegriff im sozialen Sektor
2.2 Qualitätsmodell nach Donabedian
2.3 Gesetzliche Grundlagen der Qualität in der rechtlichen Betreuung
2.3.1 Betreuungsrechtliche Grundprinzipien
2.3.1.1 Handeln zum „Wohl“ des Betreuten
2.3.1.2 Handeln nach den „Wünschen und Vorstellungen“ des Betreuten
2.3.1.3 Selbstbestimmungsrecht des Betreuten
2.3.1.4 Grundsatz der Erforderlichkeit
2.3.1.5 Die Pflicht zur persönlichen Betreuung
2.3.1.6 Prinzipien der Transparenz und Redlichkeit
2.3.2 Der Betreuer und seine Eignung
2.3.3 Anforderungen an ehrenamtliche und berufliche Betreuer
2.3.4 Qualitätssichernde Rolle des Betreuungsgerichts und der Betreuungsbehörden und -vereine
2.3.5 Indikatoren für Qualität der BMJV-Studie
2.3.5.1 Indikatoren für Strukturqualität
2.3.5.2 Indikatoren für Prozessqualität
2.3.5.3 Indikatoren für Ergebnisqualität
2.3.5.4 Fazit der BMJV-Studie
2.4 Qualitätsbegriff des Bundesverbandes der Berufsbetreuer
2.4.1 Berufsbild des Berufsverbandes BdB
2.4.2 Berufsethik und Berufsleitlinien des Berufsverbandes
2.4.3 BAGüS-Empfehlungen
2.4.4 Kernaussagen des Interviews mit Iris Peymann, Geschäftsführerin ipb
3 Supervision als Teil der Qualitätssicherung in der Berufsbetreuung
3.1 Definition Supervision
3.2 Historie der Supervision in Deutschland
3.3 Settings, Ablauf, Inhalte und Wirkung der Supervision
3.4 Supervision für Berufsbetreuer – Einordnung und Nutzen
3.4.1 Einordnung der Supervision ins Donabedian-Modell
3.4.2 Supervision – Nutzen für den einzelnen Berufsbetreuer und die Profession
3.4.2.1 Nutzen für den Berufsbetreuer
3.4.2.2 Nutzen für den Berufsstand: Professionalisierung
3.4.3 „Supervision ist der unverstellte Blick“ – Kernaussagen des Interviews mit Wolf-Rüdiger Uth, freiberuflicher Supervisor und Psychotherapeut in Berlin
4 Empirische Untersuchung
4.1 Fragestellung und Hypothesen
4.2 Methodisches Vorgehen: Methoden-Mix
4.2.1 Fragebogenentwicklung und Operationalisierung der Hypothesen
4.2.2 Grundgesamtheit und Stichprobe
4.2.3 Datenerhebung
4.2.4 Auswertung
4.2.5 Pretest und Anpassung
4.2.6 Erstellung Experten-Interviews und Auswertung
5 Darstellung der Ergebnisse der Umfrage
5.1 Rahmendaten: Beschreibung der Stichprobe
5.2 Darstellung der Ergebnisse der Fragen 1 bis 18 und Hypothesen-Ergebnisse
6 Fazit
Die Arbeit untersucht das Verständnis von „Qualität“ in der Berufsbetreuung und analysiert den Bedarf sowie die Offenheit von Berufsbetreuerinnen und Berufsbetreuern in Deutschland gegenüber Supervision als Methode zur psychischen Entlastung und Qualitätssicherung. Im Kern steht die Forschungsfrage, ob und wie Supervision als Instrument zur Professionalisierung der Branche etabliert werden kann.
1.1 Problemdarstellung
Vor etwa fünf Jahren wechselte der Autor dieser Masterarbeit als Neuling in das Berufsfeld des rechtlichen Betreuers. Vom ersten Tag an waren die Ansprüche an die Qualität der Arbeit als Berufsbetreuer spürbar – Ansprüche, die von Richtern und Rechtspflegern, Pflegediensten und Pflegern, Ämtern und Behörden, Betreuten und Angehörigen manchmal offen, oft nur zwischen den Zeilen formuliert wurden. Häufig schien es so, als existiere ein stillschweigendes Übereinkommen darüber, was Qualität in der Berufsbetreuung heißt und welche Standards zu erfüllen seien.
Gleichzeitig fiel auf, dass der regelmäßige Austausch mit einem Profi – sei es ein Psychologe, Therapeut, Coach oder Supervisor – über Erlebtes und Belastendes im Berufsalltag eines Betreuers offiziell nicht vorgesehen war, wie etwa in anderen Berufsfeldern üblich. Denn ob Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Krankenpfleger, Theologen oder Lehrer – die Supervision ist als wichtiges Feedback-Instrument der Qualitätssicherung aus vielen Branchen nicht mehr wegzudenken. Sie ermöglicht es Angehörigen des jeweiligen Berufsfeldes, ihre tägliche Arbeit in der Gruppe oder im Vieraugen-Gespräch regelmäßig zu reflektieren und problematische Aufgabenstellungen oder Geschehnisse im Sinne einer stetigen Verbesserung und Qualitätssicherung fachlich und psychologisch fundiert aufzuarbeiten.
Auch Berufsbetreuer haben es in ihrer täglichen Arbeit mit psychisch belastenden Situationen zu tun. Viele Ihrer Betreuten leiden unter schweren psychischen Störungen, leben in höchst prekären Verhältnissen, haben Schulden, sind verarmt und von einer Teilhabe am „normalen“ Leben weitgehend abgeschnitten. Die Betreuerinnen und Betreuer sind Ansprechpartner für Gläubiger, Ämter, Gerichte, Ärzte, Anwälte und andere Beteiligte. Nicht selten werden sie in hochemotionaler, fordernder Weise kontaktiert und zur Lösung bestehender Probleme und Konflikte herangezogen. Die Kommunikation mit den Betreuten wird aufgrund intellektueller oder sprachlicher Einschränkungen oft stark erschwert.
Während Angehörige anderer helfender Berufe regelmäßig und teils verpflichtend Supervisionstermine wahrnehmen, stellt sich somit die Frage, wie Berufsbetreuer in Deutschland belastende Inhalte ihrer Arbeit verarbeiten: gar nicht, allein für sich, mit Kolleginnen und Kollegen oder doch im Verborgenen und mit professioneller Unterstützung?
1 Einleitung: Stellt die Problemlage dar, führt in die Relevanz der Qualitätssicherung ein und definiert die Forschungsziele sowie Hypothesen.
2 Qualität in der Berufsbetreuung: Analysiert den Qualitätsbegriff, theoretische Modelle (Donabedian) und gesetzliche Rahmenbedingungen für die rechtliche Betreuung.
3 Supervision als Teil der Qualitätssicherung in der Berufsbetreuung: Definiert Supervision, beleuchtet ihre Geschichte und untersucht ihren Nutzen für den Berufsstand sowie die Einordnung in das Qualitätsmanagement.
4 Empirische Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen, insbesondere die Online-Umfrage und die Experteninterviews zur Überprüfung der Forschungshypothesen.
5 Darstellung der Ergebnisse der Umfrage: Präsentiert die erhobenen Daten der Umfrage und diskutiert diese im Kontext der aufgestellten Hypothesen.
6 Fazit: Zieht Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen, bewertet die Umsetzbarkeit von Supervision und gibt Handlungsempfehlungen für Politik, Verbände und Betreuer.
Qualitätsmanagement, Qualitätssicherung, Berufsbetreuung, Supervision, psychische Belastung, Professionalisierung, Fallbesprechung, Donabedian-Modell, rechtliche Betreuung, Selbstreflexion, Intervision, Beratungsformen, Gesundheitsmanagement, Berufsalltag, Qualitätstandards.
Die Masterarbeit befasst sich mit dem Thema Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung im Berufsfeld der rechtlichen Betreuung, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Methode der Supervision zur psychischen Entlastung.
Zentrale Themen sind die Definition von Qualität in der Berufsbetreuung, die gesetzlichen Grundlagen und Anforderungen an die Eignung von Betreuern sowie die Analyse von Supervision als Instrument zur Qualitätssicherung und persönlichen Entlastung.
Ziel ist es zu ermitteln, was Berufsbetreuer in Deutschland unter Qualität verstehen, wie groß ihr Bedarf an Supervision ist und welche Hindernisse einer breiten Etablierung dieser Methode im Berufsalltag entgegenstehen.
Die Untersuchung basiert auf einem Methoden-Mix: einer Online-Befragung von über 1.000 Berufsbetreuern sowie zwei qualitativen Experteninterviews mit einer Geschäftsführerin des Instituts für Innovation und Praxistransfer in der Betreuung (ipb) und einem erfahrenen Supervisor.
Der Hauptteil erörtert theoretische Qualitätsmodelle, beleuchtet die historische Entwicklung und verschiedene Formate der Supervision (wie Balint-Gruppen oder Reflecting Teams) und analysiert die psychischen Belastungen im Berufsalltag der Betreuer.
Zu den prägenden Begriffen zählen Qualitätsmanagement, Berufsbetreuung, Supervision, psychische Belastung, Professionalisierung und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Betreuungsführung.
Die Untersuchung zeigt, dass Berufsbetreuer signifikant unter ihrer Arbeit leiden; ein gutes Drittel der Befragten fühlt sich durch Themen wie Armut, Krankheit und Tod der Betreuten „merklich“ belastet.
Die Gründe sind vielschichtig: Zeitmangel, fehlende finanzielle Mittel durch unzureichende Vergütung, eine Kultur des „Funktionierens“ (Einzelkämpfertum) und ein Mangel an expliziten, berufsbezogenen Supervisionsangeboten.
Die Arbeit und die Experteninterviews legen nahe, dass eine Berufskammer als Beschwerdeorgan und zur Sicherung von Standards eine entscheidende Rolle bei der Professionalisierung und der Kontrolle der Qualitätsstandards spielen könnte.
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