Bachelorarbeit, 2019
70 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Die Berliner Schule
1.1 Begrifflichkeit
1.2 Entstehung
1.3 Kritik im In- und Ausland
2 Merkmale der Berliner Schule
2.1 Filmischer Realismus
2.1.1 Lakonischer Realismus
2.1.2 Realistische Mise en phase
2.2 Grundlegende Elemente des Realismus der Berliner Schule
2.2.1 Die Abkehr von festen Plotstrukturen
2.2.2 Die Fokussierung auf das Alltägliche
2.3 Merkmale der Narration und Inszenierung
2.3.1 Hauptfiguren
2.3.2 Die Inszenierung der Kommunikation
2.3.3 Themen
2.3.4 Auslassungen und Leerstellen
2.3.5 Orte der Handlung
2.4 Merkmale der Bildgestaltung
2.4.1 Die Kameraarbeit
2.4.2 Farbe und Licht
2.4.3 Montage
3 Filmanalyse Phönix und Toni Erdmann
3.1 Die Regisseure und Inhalt der Filme
3.2 Abgleich in Narration und Bildgestaltung
3.2.1 PHÖNIX
3.2.2 TONI ERDMANN
4 Fazit
4.1 Wandel der Ästhetik der Berliner Schule
4.2 Ausblick
Diese Bachelorarbeit untersucht den Wandel der Ästhetik der Berliner Schule unter Berücksichtigung von Narration und Bildgestaltung und analysiert, inwieweit die Filme „Toni Erdmann“ und „Phönix“ von den ursprünglichen Merkmalen dieser Strömung abweichen.
2.1.2 Realistische Mise en phase
Mise en phase nennt es der Filmtheoretiker Guido Kirsten nach Roger Odin, wenn der Zuschauer dem Geschehen des Films gut und gerne folgt. Der Zuschauer tritt mit dem Rhythmus eines Filmes in Kontakt und stellt sich darauf ein. So wie der Rezipient bei schnellen Momenten eines Actionfilms eingebunden bleiben kann, so ist es auch bei einem langsamen Rhythmus, wie dem der Berliner Schule, möglich im Erzählfluss zu bleiben. Dabei erfüllt der langsame Rhythmus eine andere Funktion: Er kann „das quälend langsame Vergehen von Zeit erfahrbar machen“, wie es Britta Hartmann treffend beschreibt. Demnach muss also beispielsweise die Andersartigkeit in Plotstruktur oder Dialogführung der Filme der Berliner Schule keineswegs bedeuten, dass der Zuschauer in der Rezeption gestört wird. Es wird lediglich ein anderes Ziel formuliert und dementsprechend auch andere Mittel der Umsetzung gewählt. Die Filme der Berliner Schule verlangen nach einer aufmerksamen Haltung. Wird diese Haltung eingenommen, wovon ich in dieser Arbeit ausgehe, so stellt sich ein Erzählrhythmus ein, dem man bereit sein kann zu folgen.
Kirsten erläutert das Erreichen der realistischen Mise en phase an einer Beispielszene aus dem Film XIAO WU, auch bekannt unter dem Namen THE PICKPOCKET (Jia Zhangke, 1997). In eigener Betrachtung dieser Szene erkenne ich große Ähnlichkeiten zur Berliner Schule: Die Hauptfigur Xiao Wu ist ein Taschendieb. Er trifft seinen alten Freund Xiao Yong. Da es Xiao Yong peinlich ist sich mit dem Taschendieb zu zeigen, er ist mittlerweile ein geachteter Geschäftsmann, schickt er ihn in einen seiner Lagerräume. Xiao Wu wartet auf seinen alten Freund. Dieses Warten wird durchgehend in einer statischen Einstellung aufgenommen und steht über ganze 42 Sekunden. Es folgt ein unspektakulärer Umschnitt, als sein Freund endlich eintrifft. Xiao Yong teilt der Hauptperson mit, dass er morgen heiraten wird. Nach einer ganzen Weile, während die beiden rauchend dasitzen, fragt der Taschendieb, ob er nicht eingeladen werde? Worauf der Geschäftsmann antwortet, es sei nur ein kleines Familienfest geplant.
1 Die Berliner Schule: Dieses Kapitel erläutert die Begrifflichkeit, Entstehungsgeschichte und die kritische Rezeption der Berliner Schule im nationalen und internationalen Kontext.
2 Merkmale der Berliner Schule: Hier werden die zentralen ästhetischen, narrativen und inszenatorischen Elemente, wie der lakonische Realismus und der Verzicht auf klassische Plotstrukturen, detailliert erarbeitet.
3 Filmanalyse Phönix und Toni Erdmann: In diesem Hauptteil erfolgt die praktische Untersuchung der beiden Filme hinsichtlich ihrer stilistischen Nähe oder Distanz zur Ästhetik der Berliner Schule.
4 Fazit: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und ordnet den beobachteten Wandel der Ästhetik im Kontext der deutschen Filmgeschichte ein.
Berliner Schule, lakonischer Realismus, Toni Erdmann, Phönix, Christian Petzold, Maren Ade, Filmästhetik, Narration, Bildgestaltung, deutsche Filmgeschichte, Autorenfilm, Mise en phase, Realitätseindruck, Genrereflexion, Filmanalyse
Die Arbeit untersucht den ästhetischen Wandel der sogenannten „Berliner Schule“ über zwei Jahrzehnte hinweg am Beispiel konkreter Spielfilme.
Im Zentrum stehen der lakonische Realismus, die Abkehr von klassischen Plotmustern und die spezifische Bild- sowie Dialoggestaltung dieser Stilrichtung.
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob aktuelle Filme wie „Toni Erdmann“ und „Phönix“ noch als Werke der Berliner Schule gelten können oder ob sie sich zu stark von deren ursprünglichen Merkmalen entfernt haben.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Herleitung der Merkmale der Berliner Schule mit einer komparativen Filmanalyse der genannten Beispiele.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung ästhetischer Grundkonstanten und eine angewandte Filmanalyse, in der Regiestil und filmische Mittel auf die Berliner Schule hin geprüft werden.
Wesentliche Begriffe sind Berliner Schule, lakonischer Realismus, Filmanalyse, ästhetischer Wandel und Genrereflexion.
Obwohl der Film den Realismus-Anspruch der Berliner Schule teilt, nutzt Maren Ade eine ausgeprägtere Mischung aus Witz, Tragik und Genre-Elementen, die den Film zugänglicher für ein breites Publikum machen.
Bei „Phönix“ zeigt die Analyse eine zunehmende Integration von Elementen des „Neo Noir“ und eine stärkere konventionelle Schnittdramaturgie, die den Film von der strikten minimalistischen Bildsprache früherer Werke abhebt.
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