Hausarbeit (Hauptseminar), 1998
23 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Castel Maniace in Syrakus
3. Das Kastell von Augusta
4. Castel Ursino in Catania
5. Zur Frage nach Zweck und Bedeutung der drei Kastelle
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die staufischen Kastellbauten in Syrakus, Augusta und Catania, um deren architektonische Merkmale zu analysieren und ihre historische Funktion vor dem Hintergrund der Herrschaftskonzeption Kaiser Friedrichs II. zu interpretieren.
5. Zur Frage nach Zweck und Bedeutung der drei Kastelle
Natürlich stellt sich auch hier die Frage, welchem Zweck ein Gebäude wie Castel Ursino diente, dessen Räume nur vom einen zum anderen oder quer über den Hof begehbar waren und dessen Obergeschoss lediglich durch zwei schmale Wendeltreppen erreichbar war. Friedrich bemerkte zwar in seinem Brief an Lentini, daß das Kastell zur Verteidigung erbaut sei, jedoch sollten alle drei Kastelle hinsichtlich ihrer Wehrhaftigkeit untersucht werden:
Bei Betrachtung des Außenbaues fällt bei Maniace, Augusta und Ursino die Blockhaftigkeit und das massive Mauerwerk auf sowie die zahlreichen Türme, besonders bei den beiden letzteren. Diese Merkmale erscheinen für die Wehrhaftigkeit des Baues zunächst günstig, jedoch fällt bei näherem Hinsehen auf, dass für eine Verteidigung im Angriffsfall notwendige Vorrichtungen wie Schießscharten, Zinnen, Plattformen, Wehrgänge, Gusserker und ähnliches fehlen.
Möglicherweise hätten auf den Türmen Verteidiger postiert werden können, dies wäre aber auch die einzige Möglichkeit gewesen. Zieht man dazu in Betracht, dass die Türme zumeist nur durch relativ enge Wendeltreppen begehbar waren, erscheint auch diese Möglichkeit als äußerst eingeschränkt.
1. Einleitung: Friedrich II. begann ab 1220 mit einer umfangreichen Bautätigkeit in seinem Südreich, um seine Herrschaft zu festigen und Macht zu demonstrieren, wozu auch die Kastellkette an der sizilianischen Ostküste zählt.
2. Castel Maniace in Syrakus: Das Kastell wurde als völlig neuer staufischer Bau auf der Halbinsel Ortygia errichtet und zeichnet sich durch einen regelmäßigen, quadratischen Grundriss mit Ecktürmen sowie eine prachtvolle Säulenhalle aus.
3. Das Kastell von Augusta: Trotz starker Beschädigungen durch spätere Umbauten und Naturkatastrophen lässt sich diese größte der drei Anlagen als geometrisch konzipierte Vierflügelanlage mit Zwischentürmen rekonstruieren.
4. Castel Ursino in Catania: Dieses besterhaltene Kastell besticht durch seine hohe Symmetrie und mathematisch-geometrische Ausbildung, die als Synthese der Erfahrungen aus Syrakus und Augusta interpretiert werden kann.
5. Zur Frage nach Zweck und Bedeutung der drei Kastelle: Die Kastelle dienten aufgrund fehlender militärischer Verteidigungseinrichtungen weniger der praktischen Wehrhaftigkeit als vielmehr als Symbole kaiserlicher Macht und Präsenz.
6. Zusammenfassung: Die regelmäßigen Kastellbauten Friedrichs II. stellen eine einzigartige Architekturform dar, die den Machtanspruch des Kaisers symbolisiert und sich bewusst über praktische Zweckgebundenheit hinwegsetzt.
Friedrich II., Staufer, Kastelle, Sizilien, Castel Maniace, Castel Ursino, Augusta, Wehrarchitektur, Herrschaftssymbolik, Burgenforschung, mittelalterliche Architektur, quadratischer Grundriss, Repräsentationsbau, Bautätigkeit, Architekturgeschichte.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der baugeschichtlichen Analyse der drei staufischen Kastelle in Syrakus, Augusta und Catania, die unter Kaiser Friedrich II. entstanden sind.
Im Zentrum stehen die architektonische Gestaltung, die Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands sowie die Interpretation der Kastelle als Symbole kaiserlicher Macht.
Das Ziel ist es, zu klären, welchen Zweck diese architektonisch anspruchsvollen Bauten erfüllten, da sie für rein militärische Verteidigungszwecke nur bedingt geeignet waren.
Die Autorin nutzt eine kunsthistorische Analyse, stützt sich auf vorhandene Bauforschung und Literatur zu Friedrich II. und vergleicht die baulichen Merkmale mit historischen Quellen.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung und Untersuchung der drei einzelnen Kastelle sowie eine diskursive Erörterung ihrer Funktion und stilistischen Vorbilder.
Schlüsselbegriffe sind vor allem staufische Bautätigkeit, Herrschaftsrepräsentation, Geometrie in der Architektur und der historische Kontext der Stauferzeit in Sizilien.
Die Autorin argumentiert, dass wichtige Verteidigungselemente wie Schießscharten, Wehrgänge oder Zinnen fehlen und die prunkvollen Portale eher als "optische Visitenkarte" des Kaisers dienten.
Es wird diskutiert, ob Friedrich II. zisterziensische Bauleute einsetzte und ob deren Wölbtechniken und Vorlieben für geometrische Klarheit die Gestaltung der Kastelle beeinflusst haben könnten.
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