Lizentiatsarbeit, 2016
46 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
Kapitel 1 Der Fall Marta Hillers’
1.1. Wer war Marta Hillers?
1.2. Das Tabuthema Vergewaltigung nach 1945
Kapitel 2 Marta Hillers’ „Eine Frau in Berlin“
2.1. Entstehungsgeschichte des Buches
2.2. Die Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 – Marta Hillers’ Rolle als Vergewaltigungsopfer plündernder Rotarmisten
2.3. Der Tagebuchcharakter des Buches – hat er literarischen Anspruch?
2.4. Sachbuch, zeitgeschichtliches Dokument oder Pamphlet?
Kapitel 3 Die Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte des Buches
3.1. Die englische Erstausgabe 1954 und die deutsche Erstauflage 1959
3.2. Wiederauflage des Buches 2003
3.3. Bekanntwerden der Identität der Autorin und Zweifel an der Authentizität der Schilderungen
3.4. Vergewaltigung als Kriegsverbrechen seit dem Jahr 2008
3.5. Verfilmung des Buches 2008 unter der Regie von Max Färberböck und mit Nina Hoss in der Hauptrolle
Schlussfolgerungen
Diese Arbeit untersucht Marta Hillers' autobiografisches Werk „Eine Frau in Berlin“ als historisches Zeugnis sowie als Ausgangspunkt für die kritische Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt in bewaffneten Konflikten. Ziel ist es, die Schilderungen der Autorin in den Kontext der Nachkriegsgeschichte zu setzen und die Entwicklung des gesellschaftlichen sowie rechtlichen Umgangs mit dem Tabuthema Kriegsvergewaltigung nachzuvollziehen.
2.2. Die Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945 – Marta Hillers’ Rolle als Vergewaltigungsopfer plündernder Rotarmisten
Die Tagebuchaufzeichnungen beginnen am Freitag des 20. April 1945 um 16 Uhr in Berlin, als der Krieg mitten auf die Stadt rollt. Geschütze schweren Kalibers vermischen sich mit einer schrecklichen Lautlosigkeit. Den Menschen und der Autorin wird klar, dass die Russen kommen. Man weiß nicht warum und was alles geschehen wird. Quälende Fragen und Unwissenheit dominieren unter der Berliner Bevölkerung.
Die Autorin beginnt mit der Information, sie habe kein Zuhause mehr. Es wurde von Bomben zerstört. Alle Andenken, die sie hatte, sind auf einmal weg. Nur mit einem Handkoffer muss Hillers in eine fremde Dachwohnung flüchten. Dort sucht sie nach etwas Ess- oder Trinkbaren, denn solche Dinge sind auf einmal nicht so einfach zu kaufen. Hunger und Durst quälen die Menschen, sie suchen nach Brotresten, mit denen sie ihren Magen stopfen können. Es herrscht Panik und Verzweiflung, die Autorin selbst macht an diesem Tag eine letzte Fahrt mit der Straßenbahn, unwissend wann und ob sie überhaupt noch mal die Möglichkeit bekommt mit ihr zu fahren:
„Freitag, schätzungsweise 19 Uhr. Hab noch schnell eine letzte Fahrt auf der Straßenbahn gemacht. Richtung Rathaus. Wummern und Rollen, pausenloses Gewitter der Geschütze. Kläglich schrie die Schaffnerin dagegen an. Ich fraß die Gesichter der Menschen ringsum. Es steht alles drin, was niemand ausspricht. Wir sind ein Volk von Stummen geworden. Bloß im vertrauten Keller sprechen die Menschen noch miteinander. Wann werde ich wieder mit der Bahn fahren? Ob überhaupt je?“
Kapitel 1 Der Fall Marta Hillers’: Dieses Kapitel beleuchtet das Leben von Marta Hillers und ordnet das historisch weitgehend tabuisierte Thema der Massenvergewaltigungen deutscher Frauen nach 1945 ein.
Kapitel 2 Marta Hillers’ „Eine Frau in Berlin“: Hier wird die Entstehungsgeschichte des Tagebuches analysiert, dessen Inhalt auf Authentizität geprüft und als zeitgeschichtliches Dokument verortet.
Kapitel 3 Die Veröffentlichungs- und Rezeptionsgeschichte des Buches: Dieses Kapitel behandelt die wechselvolle Publikationsgeschichte sowie die filmische Adaption und den Einfluss des Buches auf die internationale rechtliche Einordnung von Vergewaltigung als Kriegsverbrechen.
Marta Hillers, Eine Frau in Berlin, Kriegsvergewaltigung, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Zeitzeugnis, Rotarmisten, Authentizität, Vergangenheitsbewältigung, Kriegsverbrechen, UNO-Resolution 1820, Anonyma, Besatzungszeit, Tagebuch, Max Färberböck.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den persönlichen Erinnerungen von Marta Hillers in ihrem Tagebuch „Eine Frau in Berlin“ und der allgemeinen Problematik der Kriegsvergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg sowie in der Nachkriegszeit.
Zu den zentralen Themen gehören die Situation der Frauen in Berlin 1945, die Vergangenheitsbewältigung, das Tabuthema sexualisierte Gewalt durch Besatzungstruppen und die Entwicklung der öffentlichen sowie rechtlichen Wahrnehmung solcher Taten.
Das Hauptziel ist es, anhand der Aufzeichnungen von Marta Hillers aufzuzeigen, welchem Grauen deutsche Frauen ausgesetzt waren, und zu ermitteln, welchen Beitrag ihr Bericht zur historischen Aufarbeitung und heutigen politischen Debatte über Kriegsverbrechen leistet.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der Tagebuchaufzeichnungen, ihrer Rezeptionsgeschichte und der Einordnung in den historischen Kontext unter Verwendung von Primärquellen (dem Buch selbst) und relevanter Sekundärliteratur zur Kriegs- und Nachkriegsgeschichte.
Im Hauptteil werden die Biografie von Marta Hillers, die Entstehung und Authentizität ihres Tagebuchs, die gesellschaftliche Rezeption des Werkes über Jahrzehnte hinweg sowie die Auswirkungen auf internationale politische Beschlüsse zur Ächtung sexueller Gewalt behandelt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kriegsvergewaltigung, Authentizität, Anonyma, Vergangenheitsbewältigung, Zeitzeugnis und Kriegsverbrechen definieren.
Die Autorin strebte mit ihren Aufzeichnungen keine literarische Fiktion an, sondern legte Fakten über das Massengeschehen und das Überleben in Berlin nieder, die durch den persönlichen Charakter eines Dokumentes und einer Zeugenaussage geprägt sind.
Die Verfilmung von Max Färberböck trug dazu bei, das Tabuthema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, und führte zu einer intensivierten Diskussion über sexuelle Gewalt in Konflikten, was den Zeitgeist der internationalen Ächtung solcher Taten unterstützte.
Die deutsche Öffentlichkeit reagierte damals mit Empörung und Kritik; der Autorin wurde vorgeworfen, die Ehre deutscher Frauen beschmutzt zu haben, was dazu führte, dass die Herausgabe des Buches zeitweise gestoppt wurde.
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