Diplomarbeit, 2009
80 Seiten, Note: 1,3
1 Methodendiskussion - Theoretische Grundlagen für die Family Group Conference
1.1 Eine Annäherung an den Methodenbegriff
1.2 Methode in Abgrenzung zu Konzept und Verfahren
1.3 Eine vorläufige Einordnung des Hilfeplan - Verfahrens in das Konzept der Lebenswelt orientierten Kinder - und Jugendhilfe
1.4 Aktuelle Trends der Methoden der Sozialen Arbeit
1.5 Der Empowerment - Ansatz
1.5.1 Soziales Kapital
1.5.2 Die Bedeutung von schwachen Beziehungen
1.6 Zwischenfazit
2 Neuseeland - ein Land mit Vorbildcharakter
2.1 Kurze Einführung in das Land
2.1.1 Neuseeland im Überblick
2.1.2 Entwicklung zum heutigen Neuseeland - ein Vorzeigestaat
2.2 Die Geschichte der Maori im Speziellen
2.2.1 Soziokultureller Ursprung der Family Group Conference
2.2.2 Der Konflikt mit dem britischen Königreich
2.2.3 Ruf nach Autonomie
2.3 Die Family Group Conference
2.3.1 Puao-Te-Tu - Tagesanbruch - Bericht
2.3.2 Family Group Conference im Children, Young Person and their Family Act
2.3.2.1 Die Kinder- und Jugendhilfe im Children, Young Person and their Family Act
2.3.2.2 Das Jugendstrafrecht im Children, Young Person and their Family Act
2.3.3 Die Anforderung an den Koordinator - Care and Protection and Youth Justice Coordinator
2.3.4 Der dreiphasige Ablauf einer Family Group Conference
2.3.5 20 Jahre Erfahrung mit der Family Group Conference
2.4 Zwischenfazit
3 Die Vorreiterrolle der Niederlande
3.1 Begriffsklärung
3.2 Entwicklung der niederländischen Sozialpolitik
3.2.1 Die Säulen der Sozialpolitik
3.2.2 Der Sozialstaat heute
3.2.3 Jugendhilfe
3.3 Eigen Kracht conferentie, die niederländische Family Group Conference
3.3.1 Eine Particular initiaf startet - Eigen Kracht conferentie
3.3.2 Anwendung der Eigen Kracht conferentie in anderen Kontexten
3.3.3 Das Bemühen um eine rechtliche Integration der Eigen Kracht conferentie
3.3.4 Regiomanager
3.3.5 Der unabhängige Koordinator
3.3.6 Ablauf einer Eigen Kracht conferentie
3.3.7 Erste Erfahrungen mit Eigen Kracht conferentie
3.4 Zwischenfazit
4 Erste Versuche in Deutschland - der Familienrat
4.1 Aktuelle Tendenzen der Jugendhilfe in Deutschland
4.1.1 Begriffsbestimmung Jugendhilfe
4.1.2 Kinder- und Jugendhilfegesetz
4.1.3 Dilemma des Hilfeplans
4.2 Familienrat im Versuch - eine Übersicht
4.2.1 Übersicht Deutschland
4.2.2 Koordinator
4.2.3 Verfahrensablauf des Familienrates
4.2.4 Erfahrungen der Modellprojekte
4.3 Zwischenfazit
5 Diskussion und Vergleich
5.1 Das Family Group Conference - Verfahren im Vergleich zum Hilfeplanverfahrens im Kinder- und Jugendgesetz
5.2 Koordinator
5.3 Ablauf
6 Zusammenfassung
7 Anhang
a) Quellenverzeichnis
Diese Diplomarbeit untersucht das Potenzial der Family Group Conference als Methode zur Lösung des „Doppelten Mandats“ in der Sozialen Arbeit. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob diese Methode ein Mehr an Partizipation ermöglicht und wie sie effektiv im deutschen System der Kinder- und Jugendhilfe implementiert werden kann, um eine lebensweltorientierte Hilfe zu gewährleisten.
2.3.1 Puao-Te-Tu - Tagesanbruch - Bericht
Allan MacRae führte in ihrem Vortrag bei der Konferenz „Neue Konzepte in der Kinder- und Jugendhilfe“ in Berlin im April 2004 aus, dass die Maoribevölkerung der Regierung und, im Speziellen, den sozialen Instituten den Vorwurf gemacht haben, per se rassistisch zu sein. Dies wollten die Institutionen so nicht hinnehmen, doch den Maori gelang es, den institutionellen Rassismus aufzuzeigen. Sie machten deutlich, dass alle sozialen Einrichtungen auf drei grundlegenden Faktoren basieren: Erstens, den Werten, die in der Erziehung vermittelt werden, zweitens einer Religion, deren Werte sich in der Verwaltung widerspiegeln, und drittens der Erziehung als solcher (vgl. 46). Somit konnten die Maori schlüssig nachweisen, wie sie als Volk unterdrückt wurden, wie ihre Fähigkeit, sich um ihre Kinder zu kümmern, in Frage gestellt wurde. Durch dieses Infragestellen wurden sie von den sozialen Einrichtungen abhängig gemacht.
Der Umstand, dass soziale Einrichtungen und erst recht die Regierung, hier besonders das Ministerium für Soziales, den Maori Gehör schenkten, hat aber wohl auch damit zu tun, dass Neuseeland, wie wir sahen, in großen finanziellen Schwierigkeiten steckte. Aber nicht nur die finanziellen Schwierigkeiten stellten ein Problem für Neuseeland da, sondern auch die Tatsache, dass in den 1980er Jahren Neuseeland eines der Länder mit der weltweit höchsten Anzahl jugendlicher Häftlinge war (vgl. MacRae/Zehr 2004: 10).
Die Zahl inhaftierter und in Pflegefamilien lebender Jugendlicher und Kinder maorischer Abstammung war besonders hoch. Die Führer aller maorischen Autonomiebewegungen versuchten deutlich zu machen, dass das Bestrafen eines Jugendlichen nicht im Sinne der maorischen Kultur sei. Vielmehr beriefen sie sich auf das alte Prinzip der Maori, das dem restorative justice ähnelt. „Let shame be the punishment“ ist eine für sich sprechende Redewendung (vgl. ebd.).
All diese Bedenken führten schließlich dazu, dass die Regierung den Maori zuhörte. 1986 wurde vom Ministerium für Soziales ein Beirat einberufen, der Empfehlungen abgeben sollte, die sich auf die Belange der Maori beziehen. Der in der Folge verfasste Bericht Puao-Te-Tu, Tagesanbruch, beinhaltete eine Vielfalt an Empfehlungen für die verschiedensten Bereiche.
1 Methodendiskussion - Theoretische Grundlagen für die Family Group Conference: Dieses Kapitel erörtert den Methodenbegriff der Sozialen Arbeit und führt zentrale Konzepte wie den Empowerment-Ansatz sowie die Bedeutung sozialer Netzwerke ein.
2 Neuseeland - ein Land mit Vorbildcharakter: Das Kapitel beleuchtet die historische Entstehung der Family Group Conference in Neuseeland aus der Kultur der Maori und ihre gesetzliche Implementierung im Children, Young Person and their Family Act.
3 Die Vorreiterrolle der Niederlande: Hier wird die Adaption des Konzepts als „Eigen Kracht conferentie“ in den Niederlanden analysiert, mit Fokus auf die Unabhängigkeit der Koordinatoren und die Organisationsstruktur durch die Stichting Eigen Kracht Centrale.
4 Erste Versuche in Deutschland - der Familienrat: Dieses Kapitel wertet erste deutsche Modellprojekte aus und diskutiert die Herausforderungen der Implementierung sowie die Abgrenzung zum klassischen Hilfeplanverfahren.
5 Diskussion und Vergleich: Ein direkter Vergleich der Ansätze in Neuseeland, den Niederlanden und Deutschland verdeutlicht die unterschiedlichen Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Partizipation von Familien.
6 Zusammenfassung: Die Schlussbetrachtung plädiert für eine gesetzliche Verankerung des Familienrates im SGB VIII als eigenständiges Verfahren statt einer bloßen Integration in bestehende Hilfeplanungen.
Family Group Conference, Sozialarbeit, Empowerment, Neuseeland, Niederlande, Deutschland, Familienrat, Partizipation, Jugendhilfe, Eigen Kracht, Soziale Netzwerke, Koordinator, Lebensweltorientierung, restorative justice, Hilfeplan.
Die Arbeit untersucht das Verfahren der "Family Group Conference" (Familienrat) als eine Methode der Sozialen Arbeit, die darauf abzielt, Familien mehr Autonomie und Partizipation bei der Problemlösung zu geben.
Die Themenfelder umfassen die theoretische Fundierung durch den Empowerment-Ansatz, die vergleichende Analyse von Fallbeispielen aus Neuseeland, den Niederlanden und Deutschland sowie die kritische Reflexion des aktuellen Hilfeplanverfahrens.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die Family Group Conference als eigenständiges Verfahren in das deutsche Kinder- und Jugendhilferecht integriert werden kann, um den Konflikt zwischen Hilfe und Kontrolle zu überwinden.
Es handelt sich um eine vergleichende Diplomarbeit, die auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung von Modellprojekten und Berichten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion, die Darstellung der Entwicklungen in Neuseeland und den Niederlanden sowie die Analyse der ersten deutschen Versuche unter Einbeziehung von Modellprojekten.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Empowerment, Lebensweltorientierung, Partizipation, Koordinator und die Abgrenzung zwischen Hilfe und staatlicher Kontrolle.
Die ursprünglichen Konfliktlösungsstrategien der Maori, die auf kollektiver Verantwortung und familiären Versammlungen basieren, bilden das historische Fundament der Family Group Conference.
Das niederländische Modell zeigt, wie das Konzept der "Eigen Kracht conferentie" unter Einbeziehung unabhängiger Koordinatoren und unter Wahrung der Familienautonomie erfolgreich in ein bestehendes soziales Hilfesystem integriert wurde.
Die Autorin identifiziert das "doppelte Mandat" der Fachkräfte zwischen Hilfe und Kontrolle, welches durch das Hilfeplangespräch nicht gelöst werden kann und die tatsächliche Partizipation der Bürger einschränkt.
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