Masterarbeit, 2013
117 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Herzzeit: Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan
3 Der Herbst: Bäume und Blätter
3.1 Die Ambivalenz des Blattes
3.1.1 Schreibblockade vs. Unendlichkeit der Möglichkeiten
3.1.2 Zeichen der Vergänglichkeit und der Erneuerung
3.2 Auf den Spuren von Saussure
3.2.1 Das Problem der Darstellung von Wirklichkeit
3.2.2 Die Veränderung des Sprachgebrauchs
4 Der Winter: Eis, Schnee und Kälte
4.1 Das Schweigen bei Bachmann
4.2 Das Schweigen bei Celan
5 Der Frühling: Das Eis schmilzt
5.1 Wasser als veränderter Aggregatzustand
5.2 Wasser als bewegliches Element
6 Der Sommer: Sonne, Meer und Blume
6.1 Der Sommer als utopistische Hoffnung bei Bachmann
6.2 Grenzüberschreitung: Der Aufbruch oder die Flucht in den Süden
6.3 Celans Wiedergutmachung
6.4 Das Dilemma in Celans Dichtung – „Der Stein“ und „die Blume“
7 Der Einbruch in die Idylle oder das Scheitern der Hoffnung
8 Zusammenfassung und Ausblick
Die Bukowina und ihre Dichter
Die literarische Tradition in Bezug auf die Jahreszeiten
Immanuel Weißglas
Alfred Margul-Sperber
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung jahreszeitlicher Metaphorik in der Lyrik von Ingeborg Bachmann und Paul Celan, insbesondere unter Einbeziehung ihres Briefwechsels Herzzeit. Das primäre Ziel ist es, die wechselseitige poetische Beeinflussung der Autoren zu ergründen und aufzuzeigen, wie Naturmetaphern als sprachreflexives Mittel im Kontext von Kriegs- und Holocausttraumata sowie der Suche nach einer "neuen Sprache" fungieren.
3.1.1 Schreibblockade vs. Unendlichkeit der Möglichkeiten
Bevor ich auf Bachmanns Gedichte selbst zu sprechen komme, möchte ich zuerst auf eine beachtenswerte Studie von Monika Schmitz-Emans eingehen, die den Ausgangspunkt für meine Untersuchungen darstellt. Das folgende Zitat aus Bachmanns fünftem Teil der Frankfurter Vorlesungen mit dem Titel Literatur als Utopie steht dabei im Mittelpunkt:
So ist die Literatur, obwohl und sogar weil sie immer ein Sammelsurium von Vergangenem und Vorgefundenem ist, immer das Erhoffte, das Erwünschte, das wir ausstatten aus dem Vorrat nach unserem Verlangen- so ist sie ein nach vorn geöffnetes Reich von unbekannten Grenzen. Unser Verlangen macht, dass alles, was sich aus Sprache schon gebildet hat, zugleich teilhat an dem, was noch nicht ausgesprochen ist, und unsere Begeisterung für bestimmte herrliche Texte ist eigentlich die Begeisterung für das weiße, unbeschriebene Blatt, auf dem das noch Hinzuzugewinnende auch eingetragen scheint.
Bachmanns Verständnis von Literatur manifestiert sich angesichts dieses Zitats in einer Spannung zwischen wirklichen – das heißt schon existierenden und damit sichtbaren Texten – und möglichen, noch ungeschriebenen Schriften. Damit, so Schmitz-Emans, kreuzt Bachmann wichtige Gedanken und Vorstellungen der Poetik des 20. Jahrhunderts: Zum einen weise „das weiße, unbeschriebene Blatt“ auf den literarischen Schreibprozess hin, den Robert Musil und Paul Valéry als wichtiger erachten, als das vollendete, literarische Werk an sich, da jeder fertige Text „nur eine Durchgangsstation in jener als prinzipiell unabschließbar zu denkenden Schreibbewegung“ darstelle.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literarische Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der Sprachkrise der Nachkriegszeit sowie die Bedeutung von Ingeborg Bachmann und Paul Celan in diesem Kontext.
2 Herzzeit: Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan: Dieses Kapitel analysiert den Briefwechsel als zentrales biografisches Dokument, das die wechselseitige poetische Inspiration und die Liebesbeziehung der Autoren erhellt.
3 Der Herbst: Bäume und Blätter: Das Kapitel untersucht die Herbstmetaphorik als Zeichen für Vergänglichkeit und den Schreibprozess, wobei die Spannung zwischen Schreibblockade und utopischem Potenzial im Zentrum steht.
4 Der Winter: Eis, Schnee und Kälte: Hier wird der Winter als Symbol für Sprachlosigkeit und Schweigen in der Lyrik beider Autoren gedeutet.
5 Der Frühling: Das Eis schmilzt: Die Untersuchung befasst sich mit dem Frühling als Prozess der sprachlichen Erneuerung und der Überwindung von Starrheit.
6 Der Sommer: Sonne, Meer und Blume: Das Kapitel beleuchtet den Sommer als Gegenpol zum winterlichen Schweigen und als utopistische Hoffnung, zeigt aber auch dessen Scheitern auf.
7 Der Einbruch in die Idylle oder das Scheitern der Hoffnung: Hier wird das Verstummen der Lyrikerin Bachmann in ihren späten Jahren und im Nachlass thematisiert.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die parallelen Entwicklungen und die gegenseitige Beeinflussung von Bachmann und Celan zusammen.
Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Herzzeit, Lyrik nach 1945, Holocaust, Sprachskepsis, Sprachhoffnung, Jahreszeiten, Metaphorik, Schreibprozess, Schweigen, Utopie, Sprachkrise, poetologische Analyse, Briefwechsel.
Die Masterarbeit untersucht die Bedeutung und Funktion jahreszeitlicher Motive in der Lyrik von Ingeborg Bachmann und Paul Celan und wie diese mit ihrer jeweiligen Poetik nach dem Holocaust korrespondieren.
Zentrale Themen sind die Sprachskepsis und Sprachhoffnung nach Auschwitz, die poetische Verarbeitung von Kriegs- und Holocausttraumata sowie die Rolle des Briefwechsels für das dichterische Werk beider Autoren.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bachmann und Celan sich gegenseitig in ihrem Schreiben beeinflussten und wie sie metaphorisch nach einer angemessenen Sprache für die Unsagbarkeit des Holocaust suchten.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche, poetologische Analyse, die primär textimmanente Interpretationen der Gedichte mit biographischen Dokumenten (Briefen) verknüpft.
Der Hauptteil ist chronologisch und thematisch nach den vier Jahreszeiten gegliedert, wobei jede Jahreszeit als Metapher für spezifische Zustände von Sprache, Verstummen oder Hoffnung analysiert wird.
Die wichtigsten Schlagworte sind Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Herzzeit, Holocaust, Sprachkrise, Metaphorik und Jahreszeiten.
Es markiert den Beginn des Briefwechsels und dient der Autorin als Beleg dafür, wie Celan Bachmann mit der schweren Holocaust-Thematik konfrontierte und ihr eine poetische Verantwortung auferlegte.
Die Arbeit deutet diesen Übergang als eine bewusste Abkehr von der ästhetisierten Metaphernsprache, die Bachmann gegen Ende ihres Lebens als unangemessen und als Verfälschung der Wirklichkeit empfand.
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