Fachbuch, 2019
176 Seiten
1 Einleitung
2 Forschungsstand
3 Methode
4 Analyse
4.1 Attraktivität und Interesse
4.2 Grenzen
4.2.1 Grenzen austesten und initiativ werden (Männer)
4.2.2 Grenzen austesten lassen und Interesse signalisieren (Frauen)
4.2.3 Grenzen und Grenzüberschreitung
4.3 Demütigung und Gesichtsverlust
4.4 Indirektheit und Andeutung
4.5 Spiel – das folgenlose Testen von Grenzen
4.6 Ende des Flirts
4.7 Abbruch des Flirts
4.8 Flirt ohne Intentionen – fehlende „turning points“?
5 Kommentar zur Empirie und eneralisierbarkeit
6 Theoretische Einbettung
6.1 Struktur des Flirts
6.1.1 Alterierende Symmetrie und Asymmetrie
6.1.2 Schwellen und Wendemarken der Anbahnung
6.1.3 Intimkommunikation und die Unterscheidung von Person und Rolle
6.2 Probleme der Darstellung
6.2.1 Gesichtswahrung und Gesichtsverlust
6.2.2 Takt – Der Umgang mit Nicht-Wissen
6.2.3 Indirekte Kommunikation
6.2.4 Exkurs über das So-Tun-Als-Ob
7 Selbstreflexion
8 Schluss
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das soziale Phänomen des Flirts soziologisch zu untersuchen, da es in der bestehenden Literatur bisher oft vernachlässigt wurde. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Flirtsituationen durch episodische Interviews rekonstruiert werden können, um den Sinn des Flirts sowie die Unterschiede im Erleben zwischen den Geschlechtern zu erarbeiten.
4.1 Attraktivität und Interesse
P1: Also Flirt geht oft für mich einher mit einer neuen Person, die ich gerad erst kennenlerne. Und wo sich diese Spannungsgefühl, also dieses, also ich muss nochmal zurück, dieses, das ist Interesse, es ist Interesse da, sonst würde eh keine Flirt Situation geschehen, es muss beidseitiges Interesse da sein, sonst ist diese spielerische Kommunikation, die im Flirt stattfindet, ja gar nicht möglich […]
Flirt wird in diesem Interview als Erstkontakt mit einer noch unbekannten neuen Person beschrieben. Zusätzlich nennt P1 beidseitiges Interesse als Bedingung für „spielerische Kommunikation, die während des Flirts stattfindet“. Weiterhin wird die Unsicherheit über gegenseitiges Interesse als Spannungsgefühl erlebt.
P2: Ja, […], so die Anbahnung von Beziehungen, wie auch immer die gestaltet sein mögen, ob jetzt kurzfristig oder langfristig zwischen Mann und Frau. Ich verbind damit auch, was ziemlich spontanes, also es ist eher irgendwas, was sich halt irgendwie so zufällig ergibt, so nichts was ich wirklich irgendwie so planen würde, sondern halt irgendwas was, ja, was plötzlich dann irgendwie in der Interaktion auftaucht und signalisiert, dass man irgendwie Interesse hat, gegenseitig
P2 beschreibt den Flirt als Anbahnung von Beziehungen und fügt außerdem hinzu, dass der Flirt spontan „in der Interaktion auftaucht“ und nicht von ihm geplant werden würde. Zusätzlich signalisiert der Flirt, dass „irgendwie Interesse“ vorhanden ist. Interessant ist die Formulierung „irgendwie“, die für die Vagheit der Mitteilung stehen könnte. Flirt ist demnach als ein spontanes Phänomen, das vages Interesse signalisiert, um Beziehungen anzubahnen, zu verstehen.
1 Einleitung: Einführung in die soziologische Relevanz des Phänomens Flirt und Darlegung der methodischen Vorgehensweise mittels episodischer Interviews.
2 Forschungsstand: Überblick über existierende Ansätze zur Soziologie des Flirts und verwandter Konzepte wie der Koketterie.
3 Methode: Erläuterung des episodischen Interviews als geeignetes Instrument zur Erforschung der semantischen Bedeutung und der erlebten Situationen des Flirtens.
4 Analyse: Detaillierte Auswertung der Interviewdaten zu Themen wie Attraktivität, Grenzziehung, Ablehnung und der spielerischen Komponente des Flirts.
5 Kommentar zur Empirie und eneralisierbarkeit: Kritische Reflexion der Forschungsergebnisse im Hinblick auf Geschlechterrollen und die Repräsentativität der befragten Gruppe.
6 Theoretische Einbettung: Systemtheoretische und interaktionssoziologische Fundierung, insbesondere durch Rückgriff auf Goffman und Luhmann.
7 Selbstreflexion: Analyse der methodischen Schwierigkeiten und der Homogenität der Interviewgruppe.
8 Schluss: Synthese der Ergebnisse zur symmetrischen und asymmetrischen Kommunikation im Flirt.
Flirt, Soziologie, Kontaktanbahnung, Interaktionssoziologie, episodisches Interview, Attraktivität, Grenzüberschreitung, Intimkommunikation, Gesichtsverlust, Takt, Indirekte Kommunikation, Asymmetrische Kommunikation, So-Tun-Als-Ob, Geschlechterrollen, Kommunikation.
Die Arbeit untersucht das soziale Phänomen des Flirts als eine Form der Kontaktanbahnung, die bisher soziologisch unterbelichtet blieb.
Im Mittelpunkt stehen die Dynamiken zwischen Interesse, Attraktivität, der spielerischen Aushandlung von Grenzen sowie dem Umgang mit Ablehnung und Gesichtsverlust.
Ziel ist es, den Sinn des Flirts als Erlebnis zu erfassen und zu analysieren, wie Flirtsituationen durch die Erfahrungen kompetenter Gesellschaftsmitglieder rekonstruiert werden können.
Der Autor nutzt episodische Interviews (nach Uwe Flick), um sowohl semantisches Wissen (Begriffsverständnis) als auch episodisches Wissen (erinnerte Situationen) der Interviewpartner zu erheben.
Der Hauptteil analysiert das Interviewmaterial hinsichtlich verschiedener Aspekte des Flirtens, wie das Ausloten von Grenzen, die Rolle von "Vorwänden", das Ende von Flirts und theoretische Konzepte wie Gesichtswahrung und Takt.
Wichtige Begriffe sind Flirt, Kontaktanbahnung, Asymmetrische Kommunikation, Indirektheit, Takt, Gesichtswahrung und soziale Schwellen.
Der Vorwand dient als Schutzmechanismus, der es ermöglicht, Interesse zu signalisieren, ohne explizit "nackt" zu werden, und lässt Raum für eine Rücknahme der Intention bei Ablehnung.
Die Adressierung als "Person" (statt als bloßer Rolleninhaber) ist konstitutiv für den Flirt; eine Ablehnung kann daher als Ablehnung der Individualität empfunden werden, was das "Risiko" des Flirtens erhöht.
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