Examensarbeit, 2003
71 Seiten, Note: 2
Einleitung
I. Geschichte des magischen Realismus
1.Ursprung des Begriffes
2. Magischer Realismus und das „wunderbar Wirkliche“ in Lateinamerika
II. Das Wesen des magischen Realismus
1. Abgrenzung zu fantastischer Literatur
2. Magischer Realismus als ein postkoloniales Phänomen
3. Magischer Realismus in Afrika
3.1. Südafrika
III. Magischer Realismus in Werken von André Brink
1. Imaginings of Sand (1996)
2. Devil’s Valley (1998)
3. The Rights of Desire (2000)
4. Magischer Realismus bei Brink – ein Fazit
Die wissenschaftliche Hausarbeit untersucht, inwiefern sich in den Romanen von André Brink nach dem Ende des Apartheid-Systems Elemente des magischen Realismus finden lassen und wie diese zur Auseinandersetzung mit der südafrikanischen Vergangenheit beitragen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob und wie der Autor den ursprünglich lateinamerikanisch geprägten Begriff auf den südafrikanischen Kontext überträgt.
1. Abgrenzung zu fantastischer Literatur
Luis Leal betont, dass der magische Realismus nicht mit fantastischer, surrealistischer oder psychologischer Literatur gleichgesetzt werden könne. Es gebe im magischen Realismus keine Traum-Motive. Auch werden keine imaginären Welten erschaffen oder die Wirklichkeit verzerrt – so wie in fantastischer Literatur oder Science Fiction. Magischer Realismus sei auch keine magische Literatur. Es sollen keine Emotionen hervorgerufen sondern ausgedrückt werden. Weiterhin sagt Leal, dass der magische Realismus keine ästhetische Bewegung sei, sondern er könne eher als eine Haltung gegenüber der Realität aufgefasst werden. Leal betont, dass das Prinzip der magisch realistischen Literatur nicht das Erschaffen von imaginären Geschöpfen oder Welten sei, sondern die Entdeckung der geheimnisvollen Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt. Im magischen Realismus tritt der Autor der Realität gegenüber, versucht sie zu entwirren und herauszufinden, was das Magische in den Dingen, im Leben ist.
Auch wenn sich fantastische und magisch-realistische Literatur darin ähneln, dass sie beide Dinge beschreiben, die im alltäglichen Leben nicht sehr wahrscheinlich sind, so unterscheiden sie sich doch voneinander. García Márquez selbst hat seinen eigenen Stil ganz eindeutig von dem der Fantasie abgegrenzt: „die Phantasie, das heißt die glatte Erfindung á la Walt Disney, ohne jede Anlehnung an die Wirklichkeit, ist das Abscheulichste, was es gibt“. Laut Joan Mellen wird in der fantastischen Literatur die gesamte Handlung von fantastischen Elementen regiert, während im magischen Realismus die fantastischen Begebenheiten immer wieder unterbrochen werden. Fantastische Elemente erscheinen und verschwinden schnell, so dass der Leser immer wieder in die Welt der sozialen Wirklichkeit zurückkehrt. Das Vorhandensein von übernatürlichen Gestalten als Charaktere oder die Reise von Charakteren in imaginäre Welten findet man im magischen Realismus normalerweise nicht. Sehr wichtig ist auch, dass in magisch realistischer Literatur geschilderte Ereignisse nicht logisch oder psychologisch erklärt werden und dass der Autor nicht versucht, die magischen Elemente zu rechtfertigen. In fantastischer Literatur zögere der Leser, ob es eine natürliche oder übernatürliche Erklärung für die beschriebenen Ereignisse gibt, und dieses Zögern könne genauso gut von einer der Figuren im Text erlebt werden. Im magischen Realismus hingegen wird das Seltsame oder Unfassbare von den Figuren als ganz und gar normal aufgefasst und es wird nicht nach Erklärungen gefragt.
Einleitung: Einführung in die Problematik der Begriffsbestimmung des "Magischen Realismus" und Darstellung der Forschungsrelevanz für das Werk von André Brink.
I. Geschichte des magischen Realismus: Überblick über die europäischen Ursprünge des Begriffs durch Franz Roh und dessen Adaptation im lateinamerikanischen Kontext durch Autoren wie Alejo Carpentier.
II. Das Wesen des magischen Realismus: Theoretische Auseinandersetzung mit den Merkmalen des Genres, insbesondere der Abgrenzung zur Fantastik und der Bedeutung als postkoloniales Phänomen in Afrika und Südafrika.
III. Magischer Realismus in Werken von André Brink: Analyse der Romane "Imaginings of Sand", "Devil’s Valley" und "The Rights of Desire" hinsichtlich ihrer magisch-realistischen Struktur, gefolgt von einem Fazit zur Einordnung bei Brink.
Magischer Realismus, André Brink, Südafrika, Apartheid, Postkolonialismus, Literaturwissenschaft, Imaginings of Sand, Devil’s Valley, The Rights of Desire, Geschichte, Erinnerung, Identität, Erzähltechnik, Lateinamerika, fantastische Literatur.
Die Arbeit analysiert das literarische Konzept des magischen Realismus und dessen Anwendung in ausgewählten Romanen des südafrikanischen Schriftstellers André Brink.
Neben der theoretischen Herleitung des Begriffs aus dem lateinamerikanischen Kontext behandelt die Arbeit vor allem die postkoloniale Bedeutung der Erzählweise sowie die Auseinandersetzung mit der südafrikanischen Geschichte und dem Apartheid-Erbe.
Es soll untersucht werden, ob und inwiefern die neueren Romane von André Brink als magisch-realistisch eingestuft werden können und welche Funktion dieses Stilmittel bei der Bewältigung der südafrikanischen Vergangenheit erfüllt.
Die Arbeit stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Definitionen des magischen Realismus mit der Interpretation der spezifischen Texte von André Brink verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung (Geschichte und Wesen des Begriffs) und die detaillierte Textanalyse der drei genannten Romane, wobei besonders auf die Verbindung von Geschichte, Identität und Erzählen eingegangen wird.
Wichtige Begriffe sind Magischer Realismus, André Brink, Südafrika, Postkolonialismus, Identität und das Verhältnis von Geschichte zu individueller Erzählung.
Laut der Autorin bietet der magische Realismus als Technik ein Instrument, um sich von starren, hierarchischen Strukturen und offiziellen Geschichtsschreibungen zu lösen, was besonders für die Aufarbeitung der Apartheid und die Identitätssuche im Postapartheid-Südafrika von Bedeutung ist.
Die Arbeit zeigt auf, dass die Wiederentdeckung afrikanischer oraler Traditionen und das ständige Neu-Erzählen von Familiengeschichten ein zentrales Element von Brinks magischem Realismus darstellen, um der offiziellen, oft verzerrten "Geschichte" alternative Wahrheiten gegenüberzustellen.
Während "Imaginings of Sand" und "Devil's Valley" stärker von fantastischen Elementen durchzogen sind, ist das magische Element in "The Rights of Desire" (der Geist der Antje of Bengal) dezenter, was zeigt, dass Brink seinen eigenen, sehr spezifischen Stil des magischen Realismus entwickelt hat.
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