Diplomarbeit, 2015
146 Seiten, Note: 2,0
I. EINLEITUNG
1. Auftretende Fragen, Hypothesen oder beides
2. Zielsetzung der Diplomarbeit
3. Aufbau der Diplomarbeit
4. Methoden
5. Forschungsproblematik
II. DEFINITION UND ABGRENZUNG
1. Sexueller Missbrauch, sexuelle Gewalt, sexuelle Ausbeutung- eine Frage des Ausdrucks
1.1. Sexueller Missbrauch
1.2. Formen des sexuellen Kindesmissbrauchs
1.3. Häufigkeit des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Frauen
III. TABU
1. Frauen als Täterinnen- ein Tabu unserer Gesellschaft
• Alte psychoanalytische Sichtweise auf die Frau als Sexualtäterin
2. Das Rollenbild der Mutter- eine heilige Maria
2.1. Mutterinstinkt, die angeborene Mutterliebe
2.2. Die Umstrukturierung des Mutterbildes im Wandel der Zeit
• Entstehung des heutigen Mutterbildes im Wandel der Zeit
IV. URSACHEN
1. Psychosoziale Erklärungsmodelle des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Frauen
1.1. Feministische Theorie
1.2. Familiendynamische Theorie
1.3. Soziologische Theorien
1.4. Psychopathologische Theorie
2. Die Hintergründe des sexuellen Kindesmissbrauchs und deren theoretische Erklärungsansätze
2.1. Kontrolle und Sicherheitsbedürfnis als Motiv für den sexuellen Kindesmissbrauch
2.2. Sexueller Missbrauch als Resultat der patriarchalen Gesellschaft
2.3. Kontrolle und Sicherheitsbedürfnis
2.4. Zyklische Weitergabe des sexuellen Kindesmissbrauchs
• Kritik an der Theorie der zyklischen Weitergabe
2.5. Missbrauchszyklen und deren verschiedene psychologische Paradigmenstandpunkte
2.5.1. Modelling durch frühe Kindheitserfahrungen
2.5.2. Konditionierung in der Kindheit
2.5.3. Identifikation mit dem/der Aggressor/in
2.5.4. Reinszenierung des Traumas
2.5.5. Begünstigende Faktoren, die die Weitergabe des zyklischen Missbrauchs verhindern/fördern
2.6. Neuentstehung von sexuellem Missbrauchsverhalten
2.7. Organische Gründe für die Begehung von sexuellem Kindesmissbrauch
2.8. Suchtabhängigkeit und sexueller Kindesmissbrauch durch Frauen
2.9. Vier-Faktorenmodell von Finkelhor (1984)
3. Psychische Störungen - Mitursache des sexuellen Kindesmissbrauchs
3.1. Weibliche Perversion
3.2. Weibliche Perversion, die latente Perversion
3.3. Das Konzept der weiblichen Perversion
3.4. Identität und Geschlechtsidentität, Problematiken als Ursprung der weiblichen Perversion
3.5. Sexualisierung
3.6. Perversion als Abwehrmechanismus
3.7. Wann scheint eine weibliche Perversion auf?
V. VORGANGSWEISE UND TYPOLOGIEN
1. Das Kind als Missbrauchsobjekt
2. Mechanismen der Frau, um das Kind an sich zu binden
2.1 Grooming und Targeting
2.2 Symbiotische Beziehung
• Bindung auf der Über-Ich Ebene
• Bindung auf der Ich-Ebene
2.3 Parentifizierung
2.4 Partnerersatz
• Bindung auf der ES-Ebene (affektiven Ebene)
• Psychoanalytische Betrachtung von physischer Gewalt
2.5 Perverse Mütterlichkeit
2.5.1 Die Beschämung und das mütterliche Wunschbild des asexuellen Kindes
2.5.2 Perverse Mütterlichkeit beispielhaft an der mütterlichen Brust aufgezeigt
2.5.3 Grenzüberschreitende Sexualaufklärung
2.5.4 Kindliche Genitalwaschung bei Buben durch Frauen
2.6 Das Kind als Intimpartner
2.6.1 Im Bett der Mutter schlafen, wenn der Partner nicht da ist
2.6.2 Mutter-Sohn Inzest
3 Typologie der Täterinnen
3.1 Persönlichkeitsmerkmale der Täterinnen
3.2 Persönlicher Hintergrund der Täterinnen
4 Frauen und ihr sexuelles Missbrauchsverhalten
4.1 Einzel- und Co-Täterin
4.2 Opferanzahl von Täterinnen
4.3 Geschlechterverteilung der Opfer
• Frauen, die Mädchen missbrauchen
4.4 Pädophilie bei Frauen, die Kinder missbrauchen
4.5 Typisierung nach Mathews, Matthews und Speltz (1991)
• Ergebnisse der Studie von Mathews et al. (1991)
4.6 Typisierung nach Sandler und Freeman (2007)
VI. SEXUELLER MISSBRAUCH AUS DER SICHT DER OPFER
1. Wie Kinder den Missbrauch wahrnehmen
1.1. Beschämung
1.2. Das Kind als Opfer
2. Wie die Gesellschaft den Missbrauch von Mädchen und Jungen unterschiedlich wahrnimmt
2.1 Wie Buben den Missbrauch durch eine Frau wahrnehmen
2.2 Wie Mädchen den Missbrauch durch eine Frau wahrnehmen
3. Auswirkungen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf die Opfer
3.1. Physische Auswirkungen durch den Kindesmissbrauch
3.2. Auswirkungen im Sozialverhalten
3.3. Auswirkungen, wenn das Kind als Intimpartner herangezogen wird
3.4. Identifikation mit der Aggressorin
3.5. Geschlechtsproblematik als Auswirkung einer perversen Mutter
3.5.1 Frühe Schwangerschaft
3.5.2 Männliche Identifizierung
3.6. Borderline–Erkrankungen als Auswirkung sexuellen Kindes-missbrauchs
3.7. Ursachen für die Verzögerung der Auswirkungen des Missbrauchs bei Kindern
4. Opferverhalten
VII. THERAPIE UND BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR OPFER UND TÄTERINNEN
1. Therapie für die Täterinnentypologien nach Mathew und Matthews
1.1. Therapie von Teacher/Lover-Täterinnen
1.2. Therapie von prädisponierten Täterinnen
1.3. Therapie der von Männern gezwungenen Täterinnen
2. Folgen der Therapie für Täterinnen
3. Therapie von Opfern
VIII. RESÜMEE
1. Schwierigkeiten während der Erstellung der wissenschaftlichen Arbeit
2. Forschungsausblick
3. Fazit
IX. LITERATURVERZEICHNIS
Die Diplomarbeit widmet sich der Aufarbeitung der Ursachen und Hintergründe sexuellen Kindesmissbrauchs durch Frauen. Ziel ist es, das in der Gesellschaft und unter Experten lange Zeit vernachlässigte Phänomen wissenschaftlich zu beleuchten, die gesellschaftliche Tabuisierung zu hinterfragen und die psychodynamischen Verstrickungen in der Mutter-Kind-Beziehung zu analysieren, um so Ansätze für eine enttabuisierende Auseinandersetzung und therapeutische Behandlung zu liefern.
1. Frauen als Täterinnen- ein Tabu unserer Gesellschaft
Die Thematik, dass Frauen Kinder sexuell missbrauchen, stellt in der deutschsprachigen Gesellschaft nach wie vor ein Tabu dar. Durch die Erforschung des Inzesttabus nach Freud lassen sich jedoch Rückschlüsse über die Gründe der Tabuisierung von weiblichen Sexualstraftätern ziehen.
Das Wort Tabu stammt aus dem Polynesischem und bedeutet übersetzt unverletzlich, verboten als auch geheiligt. Ursprünglich wird das Tabu als eine Verhaltensnorm angesehen, die einen religiös-kultischen Charakter besitzt und primär bei Naturvölkern vorzufinden ist.
Diese Verhaltensnorm soll Menschen dazu bewegen, dass bestimmte Personen, Dinge, Tiere, die oftmals als „heilig“ angesehen werden, zu meiden, nicht anzugreifen oder bestimmte Wörter nicht auszusprechen, um dadurch ein übernatürlich bewirkendes Unheil zu vermeiden (vgl. Clauß, 1995, S. 457). In diesem Sinne wird das Tabu in der Gesellschaft als ein Verbot aufgefasst. Es ist kulturübergreifend, unbekannter Herkunft, unhinterfragt, oftmals unverständlich, trotz alledem unterwerfen sich die Menschen diesem Regelwerk stillschweigend (Freud, 1913/1924). Der Mitbegründer der Völkerpsychologie Wilhelm Wundt beschreibt den Begriff des Tabus daraus wie folgt: „Das Tabu [ist] der älteste ungeschriebene . . . Gesetzeskodex der Menschheit“ (Wundt, 1906, S. 308).
I. EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Problematik ein, thematisiert das Tabu um Täterinnen und stellt die Forschungsfragen sowie den methodischen Ansatz der Arbeit dar.
II. DEFINITION UND ABGRENZUNG: Hier werden zentrale Begriffe wie sexueller Missbrauch, Gewalt und Ausbeutung definiert und die statistische Häufigkeit des Missbrauchs durch Frauen diskutiert.
III. TABU: Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftliche Tabuisierung von Täterinnen, analysiert das religiös geprägte Mutterbild sowie psychoanalytische Sichtweisen wie den Madonna-Huren-Komplex.
IV. URSACHEN: Es werden verschiedene psychosoziale Erklärungsmodelle, Missbrauchszyklen und psychische Störungen als mögliche Ursachen für den Missbrauch detailliert analysiert.
V. VORGANGSWEISE UND TYPOLOGIEN: Dieses Kapitel widmet sich den Mechanismen der Bindung (Grooming, Symbiose) und stellt verschiedene Täterinnentypologien vor.
VI. SEXUELLER MISSBRAUCH AUS DER SICHT DER OPFER: Hier wird die Missbrauchssituation aus Perspektive des Kindes, die Wahrnehmung sowie die kurz- und langfristigen psychischen Folgen beleuchtet.
VII. THERAPIE UND BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR OPFER UND TÄTERINNEN: Das Kapitel erörtert therapeutische Grundvoraussetzungen und spezifische Ansätze zur Behandlung für verschiedene Täterinnentypen und Opfer.
VIII. RESÜMEE: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, den Schwierigkeiten der Forschung und einem Ausblick auf zukünftige Ansätze der Enttabuisierung.
Sexueller Kindesmissbrauch, Täterinnen, Tabu, Mutterbild, weibliche Perversion, Familiendynamik, Bindung, Täterschaft, Opfer, Therapie, Prävention, Kindesmisshandlung, Sozialisation, Machtverhältnis, Persönlichkeitsstörung
Die Arbeit untersucht das Phänomen des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Frauen, das gesellschaftlich lange Zeit als Tabuthema behandelt wurde.
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursachen des Missbrauchs, dem gesellschaftlichen Tabu um Täterinnen, psychologischen Modellen zur Tätertypologie sowie den Auswirkungen auf die Opfer.
Ziel ist es, die Unwissenheit über weibliche Täter zu verringern, die komplexen psychodynamischen Hintergründe zu ergründen und Denkanstöße zur Enttabuisierung zu geben.
Die Diplomarbeit ist primär eine literarisch gestützte Untersuchung, die wissenschaftliche Studien aus dem angelsächsischen und deutschsprachigen Raum vergleicht und kontextualisiert.
Behandelt werden unter anderem die Theorie der weiblichen Perversion, Bindungsmechanismen (wie Grooming), Typologien der Täterinnen und die langfristigen psychischen Folgen für die betroffenen Opfer.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Täterinnen, Tabu, Mutterbild, Kindesmissbrauch, weibliche Perversion, Familiendynamik und Therapie beschreiben.
Dies ist häufig in einer kollektiven Verdrängung und dem idealisierten Mutterbild begründet, durch das die Frau von vornherein von Boshaftigkeit freigesprochen wird.
Das religiös und gesellschaftlich stark verankerte Bild der liebevollen, "heiligen" Mutter macht die Vorstellung einer Täterin nahezu unvorstellbar und führt zu Bagatellisierungen.
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