Diplomarbeit, 2002
176 Seiten, Note: sehr gut
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1 Vorwort
2 Einleitung
2.1 Thematik
2.2 Methoden
2.3 Literatur und Forschungslage
I. Hauptteil: Vorgeschichte
3 Krieg und Bürgerkrieg
3.1 Die Aufteilung Jugoslawiens
3.2 Zwischen Kollaboration und Widerstand: Zur Lage in Slowenien
3.3 Der "Unabhängige Staat Kroatien" (NDH)
3.3.1 Entstehung und Trägerschichten
3.3.2 Zum Programm der ustaše: Inhalt, Realisierung und Konsequenzen
3.3.3 Die "Volksdeutschen" im NDH: Von den Tätern zu den Opfern?
3.3.4 Die katholische Kirche im NDH
3.4 Die Aufteilung Serbiens
3.4.1 Die deutsche Militärverwaltung in Serbien
3.4.2 Die ungarischen Annexionsgebiete
3.5 Titos Partisanen im Kampf
4 Die kommunistische Machtübernahme
4.1 Etappen und politische Organe
4.2 Entwicklung der militärischen und zivilen Gerichtsbarkeit
II. Hauptteil: Abrechnung und Vergeltung
5 Gesetze und Institutionen
5.1 Vorbemerkungen
5.2 Gesetzliche Grundlagen
5.3 Die Kriegsverbrecherkommissionen: Struktur und Tätigkeit
5.4 "OZNA sve dozna": Die kommunistische Geheimpolizei
5.5 Die Spezialeinheit der Armee: Der KNOJ
6 Opfergruppen
6.1 Die Italiener in Istrien, Dalmatien und Julisch-Venetien: Verfolgung und Flucht
6.2 Die Ausschaltung nationaler Kräfte in Serbien
6.3 Zum Schicksal der Jugoslawiendeutschen in Kroatien, Bosnien und der Vojvodina
6.3.1 Staatsrechtliche Prämissen
6.3.2 Die "volksdeutsche" Bevölkerung in Slawonien und Syrmien
6.3.3 Repressionen im Banat, der Bačka und der Baranja
6.3.4 Die Deportation in die Sowjetunion
6.3.5 Die Deutschen in den Arbeitslagern
6.4 Die Verfolgung und Teilaussiedlung von Magyaren
6.5 Die Vernichtung der četnici
6.6 "Bleiburg" und die Todesmärsche
6.7 Die Abrechnung mit slowenischen Gegnern des Volksbefreiungskampfes
6.8 Die Vertreibung der Deutschen aus Slowenien
6.9 Die katholische Kirche im kommunistischen Jugoslawien
6.9.1 Slowenien
6.9.2 Kroatien
6.10 Prozesse gegen Kriegsverbrecher, Kollaborateure und "Volksfeinde"
6.11 Die Diskriminierung und Ausschaltung politischer Gegner
7 Schlussüberlegungen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, die kommunistischen Abrechnungs- und Vergeltungsmaßnahmen in Jugoslawien zwischen 1943 und 1950 systematisch aufzuarbeiten und in einer historischen Synthese darzustellen. Die Arbeit untersucht, wie diese Maßnahmen konzeptionell in die Machtübernahme der Kommunisten eingebettet waren und welche Rolle sie bei der Etablierung des neuen Systems spielten.
3.2 Zwischen Kollaboration und Widerstand: Zur Lage in Slowenien
Ohne Zweifel bekamen die rund 800'000 Menschen, in erster Linie Slowenen aber auch „Volksdeutsche“, in dem von Deutschland besetzten Gebiet Sloweniens die nationalsozialistische Rassen-, Umsiedlungs- und Ausrottungspolitik im Vergleich mit allen anderen jugoslawischen Gebieten am frühesten und unmittelbarsten zu spüren, mitunter zweifellos einer der Gründe, weshalb gerade slowenische Kommunisten (Edvard Kardelj, Vito Kraigher, Ivan Maček, Boris Kidrič, Makso Šnuderl, um nur die wichtigsten zu nennen) stets tonangebend bei der Ausarbeitung von Repressionsmassnahmen und Aussiedlungsplänen in Bezug auf Kollaborateure und „Volksfeinde“ im allgemeinen und die slowenien- bzw. jugoslawiendeutsche Minderheit im speziellen waren und wieso es „nur“ auf dem Gebiet Sloweniens zu „wilden“ Vertreibungen - ähnlich derer in der Tschechoslowakei - von Teilen der Sloweniendeutschen gekommen ist.
Der nationale Faktor dürfte gerade in Slowenien eine kaum zu unterschätzende Rolle für den Ausbruch starker antideutscher Gefühle nach Kriegsende gespielt haben: Ein Sieg Deutschlands hätte auf längere Sicht wohl das Ende der slowenischen Nation bedeutet und um diese Bedrohung endgültig ausschliessen zu können, packte man die günstige Gelegenheit im Frühling 1945 beim Schopf, um möglichst schnell alle Deutschen loszuwerden. Weder die Kroaten noch die bosnischen Muslime oder die Serben fühlten sich während des Krieges jemals in ihrer nationalen Existenz bedroht. Die kleine slowenische Nation jedoch - in ihrer exponierten, an das Deutsche Reich grenzenden Lage und ihrer gemäss nationalsozialistischer Ideologie relativen Nähe zum „arischen“ Volk - fürchtete zu Recht um ihr Überleben. Die beim Einmarsch deutscher Truppen teilweise sogar von Slowenen der Untersteiermark offen demonstrierte Freude über „die Befreiung vom serbischen Joch“ sollte durch die grausame, slawenfeindliche und mehr als ungeschickte Politik Hitlers in den annektierten Gebieten schnell in Hass auf alles Deutsche umschlagen und weite Teile der slowenischen Bevölkerung in die Arme der kommunistischen Partisanen treiben.
1 Vorwort: Danksagung an Betreuer, Unterstützer und Institutionen, die das Forschungsvorhaben ermöglicht haben.
2 Einleitung: Darlegung der Thematik, der angewandten Methoden sowie einer ersten Einschätzung zur Literatur und Forschungslage.
3 Krieg und Bürgerkrieg: Analyse der Zerschlagung Jugoslawiens durch die Achsenmächte und der daraus resultierenden Konfliktlinien sowie Widerstandsbewegungen.
4 Die kommunistische Machtübernahme: Untersuchung der Etablierung politischer Organe und der Entwicklung der militärischen sowie zivilen Gerichtsbarkeit.
5 Gesetze und Institutionen: Detaillierte Darstellung der rechtlichen Rahmenbedingungen und Institutionen, die für die Abrechnungs- und Vergeltungspolitik maßgeblich waren.
6 Opfergruppen: Umfassende Analyse der verschiedenen betroffenen Gruppen, ihrer Verfolgung und ihres Schicksals im Rahmen der kommunistischen Repression.
7 Schlussüberlegungen: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zur Verknüpfung von Abrechnung, Machtübernahme und dem Preis für das nachkriegszeitliche Miteinander.
Jugoslawien, Zweiter Weltkrieg, Kommunistische Partei, Partisanen, Abrechnung, Kriegsverbrecher, Kollaborateure, Volksfeinde, OZNA, Vertreibung, Internierung, Minderheitenpolitik, Slowenien, Tito, Widerstand.
Die Arbeit analysiert die kommunistischen Abrechnungs- und Vergeltungsmaßnahmen in Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs und in der unmittelbaren Nachkriegszeit zwischen 1943 und 1950.
Im Zentrum stehen die rechtliche und institutionelle Struktur der Abrechnung, die Rolle der Geheimpolizei (OZNA), der Aufbau der Machtstrukturen durch die Kommunisten sowie das Schicksal verschiedener Opfergruppen wie der Volksdeutschen und ethnischer Minderheiten.
Das Ziel ist eine Gesamtdarstellung und Synthese dieser bisher in der westlichen Forschung unzureichend aufgearbeiteten Thematik, um das Ausmaß und die Hintergründe der politischen Säuberungen nachzuvollziehen.
Der Autor stützt sich vorwiegend auf eine umfassende Bibliographierung und Auswertung der auf Deutsch, Englisch, Slowenisch und Serbokroatisch verfügbaren Sekundärliteratur sowie die Analyse von Gesetzen und veröffentlichten Dokumentensammlungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Vorgeschichte (Krieg und Bürgerkrieg), die Darstellung der Machtübernahme, sowie eine detaillierte Untersuchung der Gesetze, Institutionen und der betroffenen Opfergruppen.
Wichtige Begriffe sind Jugoslawien, Partisanen, kommunistische Abrechnung, Kriegsverbrechen, OZNA, Kollaboration und Vertreibung.
Die OZNA war als kommunistische Geheimpolizei das zentrale ausführende Organ für die Liquidierung und Verfolgung von tatsächlichen oder vermeintlichen Feinden und spielte eine maßgebliche Rolle bei der Machtsicherung der Kommunisten.
Die Arbeit sieht in Tito und der kommunistischen Führung die unmittelbare Verantwortung für das Klima von Vergeltung und Repression, das als "Abrechnungsfuror" die Machtübernahme begleitete und prägte.
Der Autor konstatiert, dass die Abrechnungen oft ohne rechtsstaatliche Grundlagen erfolgten und als Instrument zur totalen Machtdurchsetzung dienten, wobei die ideologische Intoleranz den Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren bereits in dessen Geburtsstunde mit vorbereitete.
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