Magisterarbeit, 2002
61 Seiten, Note: 2
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung: Das Motiv der vorliegenden Untersuchung
2. Plessner: Lachen als Ausdruck eines Mangels
2. 1. Die Theorie des Lachens in ihrem Zusammenhang
2. 2. Die Ausdrucksform des Lachens
2. 3. Die Anlässe des Lachens
2. 4. Der Zusammenhang zwischen Anlässen des Lachens und der Ausdrucksform des Lachens
2. 5. Mensch und Tier im Vergleich in bezug auf das Lachen
2. 6. Auswertung der Plessnerschen Theorie des Lachens
2. 6. 1. Wertvolle Erkenntnisse
2. 6. 2. Unschlüssigkeiten und Lücken in Plessners Theorie des Lachens
2. 6. 2. 1. Ist die Psyche des Tieres für den Menschen zugänglich?
2. 6. 2. 2. Sprachliche Doppeldeutigkeiten
2. 6. 2. 3. Fehlende Rückschlüsse von der Form des Lachens auf seine Funktion
2. 6. 2. 4. Prinzipielle oder relative Grenzen menschlichen Verhaltens
2. 6. 2. 5. Von Plessner selbst eingestandene Grenzen seiner Untersuchung
3. Worauf verweist Kränkung durch spöttisches Lachen?
3. 1. Verletzung durch Spott
3. 2. Reaktive und objektive Haltung gegenüber der Verletzung
4. Bergson: Lachen als eine „soziale Geste“ bei „Versteifung des Charakters“
4. 1. Die wesentlichen Thesen von Bergson zum Thema „Lachen“
4. 2. Auswertung der Bergsonschen Theorie des Lachens
4. 3. Die Grenzen der Theorie des Lachens von Bergson
4. 3. 1. Die Kritik von Plessner und Heinrich an Bergson
4. 3. 2. André Glucksmann: Gibt es Gelächter, so gibt es auch Dummheit
4. 3. 2. 1. Ist Minderwertigkeit komisch?
4. 3. 2. 2. Zur Relevanz von Gluckmanns Kritik an Bergson
5. Lachen in vorbereiteten Situationen
5. 1. Die Beliebigkeit des Spottziels
5. 2. Identifikation des/der Lachenden mit dem/der Ausgelachten
5. 3. Katharsis im Theater
5. 4. Benjamin: Ausbruch von Massenpsychosen in kollektives Gelächter beim Filmpublikum
6. Lachen als Therapeutikum
6. 1. Die Wahrheit in der Binsenweisheit „Lachen ist gesund“
6. 2. Lachen als Körperertüchtigung
6. 3. Lachen in der empirischen Forschung der Psychologie
7. Humor als die Fähigkeit zur eingeschränkten Steuerung des Lachens
8. Lachen in der Gemeinschaft
8. 1. „Lach-Tabus“
8. 2. Lachen über grauenvolle Dinge
8. 3. Lachen und Heiterkeit
8. 4. Galgenhumor: Das letzte Auftrumpfen des Todgeweihten
8. 5. Das subversive Lachen oder das Ventil, das zu früh geöffnet wird
8. 6. Gibt es einen gesellschaftlichen Trend zur Ausbreitung des Lachens?
8. 7. Ausblick: Glück durch Lachen als Gesellschaftsutopie?
9. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Lachens aus einer philosophischen Perspektive mit dem Ziel, eine fundierte Funktionsbestimmung des Lachens zu entwickeln. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, was das Lachen über das Wesen des Menschen aussagt und welche Rolle es in der menschlichen Existenz sowie in der Gesellschaft einnimmt.
1. Einleitung: Das Motiv der vorliegenden Untersuchung
Lachen wird oftmals als eine Lebensbewältigungsstrategie dargestellt, also als ein Mittel, mit Hilfe dessen man die Höhen und Tiefen des Lebensweges besser bewältigen kann. „Strategie“ ist hier im Sinne von „absichtlich gefasster Plan“ und nicht im Sinne von „Strategie der Natur“ zu verstehen. So fasst beispielsweise der Linguist Matthias Perner, der sich intensiv mit der Struktur von Witzen auseinandergesetzt hat, seine bisherige Lebenserfahrung hinsichtlich von Witzen und Lachen sowie seine wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema folgendermaßen zusammen:
In [der Vergangenheit] ist mir (...) aufgefallen, dass eine gewisse humoristische Grundhaltung der Lebensbewältigung recht förderlich sein kann. (...) Letztendlich scheint mir, dass [das] Lachen doch immer noch die beste Möglichkeit ist, dem Leben die Zähne zu zeigen. (Website von Matthias Perner)
Diese Formulierung Perners drückt aus, was viele Menschen wohl auch so empfinden. Mit dem Lachen kann man der Unbill des Lebens trotzen, so lautet die vorherrschende Meinung. Das Lachen allerdings als Lebensbewältigungsstrategie aufzufassen, heißt, einen wesentlichen Aspekt des Lachens zu übersehen. Lachen ist planlos, denn das Lachen bricht spontan aus, ist also eruptiv und erst nach dem Ausbruch überhaupt - geringfügig - steuerbar. Eine Lebensbewältigungsstrategie ist aber ein Handlungsplan.
1. Einleitung: Das Motiv der vorliegenden Untersuchung: Einleitung in die Thematik, Kritik am Verständnis von Lachen als bloßer Lebensbewältigungsstrategie und Darlegung der philosophischen Relevanz des Themas.
2. Plessner: Lachen als Ausdruck eines Mangels: Analyse der Lachtheorie Plessners, die den Menschen als Mängelwesen in einer exzentrischen Position betrachtet, deren Gleichgewicht durch Lachen kurzzeitig wiederhergestellt wird.
3. Worauf verweist Kränkung durch spöttisches Lachen?: Untersuchung der verletzenden Wirkung von spöttischem Lachen und der Frage, warum dieses trotz seiner automatischen Natur als Kränkung empfunden wird.
4. Bergson: Lachen als eine „soziale Geste“ bei „Versteifung des Charakters“: Darstellung von Bergsons Theorie, die das Lachen als gesellschaftliches Korrektiv gegenüber mechanischem Verhalten begreift.
5. Lachen in vorbereiteten Situationen: Untersuchung von Lachen in kontrollierten Kontexten wie Theater oder Film und die Rolle von Identifikation und Katharsis.
6. Lachen als Therapeutikum: Analyse des therapeutischen Aspekts des Lachens, sowohl auf körperlicher als auch auf psychischer Ebene unter Einbeziehung psychologischer Forschung.
7. Humor als die Fähigkeit zur eingeschränkten Steuerung des Lachens: Diskussion der Möglichkeit, Humor als Kompetenz zur bewussten Einflussnahme auf das spontane Lachen zu verstehen.
8. Lachen in der Gemeinschaft: Untersuchung ethischer Grenzbereiche, wie den Umgang mit Tabus, schwarzem Humor und der gesellschaftlichen Funktion des Lachens.
9. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der doppelten Funktion des Lachens als Normkorrektiv und Mittel zur psychischen Selbstheilung.
Lachen, Philosophie, Anthropologie, Plessner, Bergson, Humor, Katharsis, Spott, Lebensbewältigung, Soziale Geste, Therapeutikum, Exzentrische Position, Normkorrektur, Psychologie, Ethik
Die Magisterarbeit untersucht die anthropologische und soziale Bedeutung des Lachens aus philosophischer Sicht.
Zentrale Themen sind die physiologische Natur des Lachens, seine soziale Funktion als Normkorrektiv, seine Wirkung als therapeutisches Mittel zur Spannungsabfuhr sowie die ethischen Implikationen bei spöttischem oder schwarzem Humor.
Das Ziel ist eine präzisere Funktionsbestimmung des Lachens vor dem Hintergrund der Frage, was den Menschen seinem Wesen nach ausmacht.
Es handelt sich um eine philosophische Arbeit, die zentrale Lachtheorien (insbesondere von Plessner und Bergson) rekonstruiert, kritisch prüft und um psychologische sowie medientheoretische Aspekte ergänzt.
Der Hauptteil analysiert die Theorien zum Lachen als Ausdruck eines Mangels (Plessner), als soziale Geste (Bergson), seine Rolle in vorbereiteten Situationen, die Bedeutung von Lachen als Therapeutikum und die ethischen Grenzen des Lachens in der Gemeinschaft.
Die wichtigsten Begriffe sind Lachen, anthropologische Bedeutung, Plessner, Bergson, soziale Funktion, Katharsis, Therapeutikum, Humor und Spott.
Plessner argumentiert, dass Lachen im Gegensatz zur Geste zwanghaft, rein expressiv-reaktiv und nicht intentional ist, womit es sich der bewussten Kontrolle entzieht.
Während Jorge von Burgos (im Roman 'Der Name der Rose') das Lachen als gefährliches Zeichen der Dummheit und des Zweifels verteufelt, sieht William von Baskerville darin eine menschliche Eigenschaft, die nicht zwangsläufig das christliche Gefüge gefährdet.
Lachen über Schreckliches wird einerseits ethisch kritisiert, andererseits zeigt die Untersuchung, dass es oft einen unbewussten Bewältigungsmechanismus zur psychischen Stabilisierung in ausweglosen Situationen darstellt.
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