Bachelorarbeit, 2019
71 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Schriftlichkeit in der Kolonie Guyana
2.1 Entstehung der bagnes
2.2 Briefverkehr in den bagnes
3. Thematik und Forschungsziel des Corpus Historique du Substandard Français
4. Profil der peu-lettrés
4.1 Stand und Bildung der peu-lettrés
4.2 Départements d’origine der peu-lettrés
5. Geschichte der Orthographie und Interpunktion des Französischen
5.1 Entwicklung der französischen Orthographie
5.2 Entwicklung der französischen Interpunktion und Akzentsetzung
6. Schwierigkeiten der französischen Orthographie und Interpunktion
6.1 Umsetzung des code phonique in den code graphique
6.2 Mündlichkeit und Interpunktion
7. Systematische Abweichungen in den Briefen der peu-lettrés
7.1 Découpage
7.1.1 Surdécoupage
7.1.2 Agglutination
7.1.3 Liaison und apostrophe
7.2 Accents und diacritiques
7.2.1 Accent grave
7.2.2 Accent aigu
7.2.3 Accent circonflexe
7.2.4 Cédille
7.3 Point und virgule
7.4 Fazit
8. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht anhand von 25 privaten Briefen aus der Strafkolonie Guyana die orthographischen und interpunktuellen Kompetenzen der sogenannten peu-lettrés im späten 19. Jahrhundert, um Rückschlüsse auf den Alphabetisierungsgrad der französischen Unterschicht zu ziehen.
6.1 Umsetzung des code phonique in den code graphique
Die gesprochene und die geschriebene Sprache besitzen unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten, die eine Umsetzung von der einen in die andere Form zu einer Herausforderung für ungeübte Schreiber mit geringen orthographischen Kenntnissen machen können: „[…] oralité et écriture constituent deux univers complètement distincts“ (Branca-Rosoff 1994: 25).
Die schriftlich verwendete Sprache, der code graphique, kann die suprasegmentalen Elemente der gesprochenen Sprache, des code phonique, wie Akzentuierung, Melodieverlauf und Pausensetzung kaum oder gar nicht repräsentieren. Andererseits hat er unabhängig vom code phonique andere Möglichkeiten zur Gestaltung der geschriebenen Sprache. Dazu gehören Paragraphierung, Majuskeln, Schriftarten, Interpunktion oder die Worttrennung (vgl. Söll 1985: 18).
Die unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten im code graphique und code phonique sind es, aus denen die bereits erwähnten Schwierigkeiten für die peu-lettrés bei der schriftlichen Umsetzung seiner französischen Muttersprache resultieren. Die Kompetenzen eines Sprechers im Bereich des code phonique und code graphique können keineswegs gleichgesetzt werden.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Alphabetisierung der französischen Unterschicht im späten 19. Jahrhundert ein und definiert das Korpus der Briefe aus der Strafkolonie Guyana als Forschungsgrundlage.
2. Schriftlichkeit in der Kolonie Guyana: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehungsgeschichte der bagnes und die besondere Rolle der Briefkorrespondenz für die inhaftierten, meist wenig gebildeten Schreiber.
3. Thematik und Forschungsziel des Corpus Historique du Substandard Français: Hier wird der wissenschaftliche Kontext erläutert, der die Lücke in der historischen Sprachforschung bezüglich der Sprachverwendung der Bevölkerungsmehrheit schließen möchte.
4. Profil der peu-lettrés: Es wird das soziale und geografische Profil der Schreiber skizziert, um ein Verständnis für ihre bildungssprachlichen Voraussetzungen zu schaffen.
5. Geschichte der Orthographie und Interpunktion des Französischen: Dieses Kapitel bietet einen historischen Abriss der Standardisierung des Französischen und der Entstehung des diakritischen Systems.
6. Schwierigkeiten der französischen Orthographie und Interpunktion: Hier werden die theoretischen Probleme bei der Umsetzung lautlicher Sprache in eine grafische Norm analysiert.
7. Systematische Abweichungen in den Briefen der peu-lettrés: Die empirische Kernanalyse untersucht die spezifischen orthographischen Fehler und die Verwendung von Interpunktionszeichen im Korpus.
8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die gefundenen Devianzen ein systematisches, aber von der Mündlichkeit geprägtes Bemühen um die schriftsprachliche Norm widerspiegeln.
Alphabetisierung, Frankreich 19. Jahrhundert, Strafkolonie Guyana, peu-lettrés, Französische Orthographie, Interpunktion, code phonique, code graphique, Sprachgeschichte, Normabweichung, Découpage, Agglutination, Akzentsetzung, Schriftlichkeit, Soziolinguistik
Die Arbeit analysiert orthographische und interpunktuelle Abweichungen in Briefen von Gefangenen der französischen Strafkolonie Guyana im späten 19. Jahrhundert, um den Alphabetisierungsgrad dieser sozialen Unterschicht zu beleuchten.
Zu den zentralen Themen gehören die Geschichte der französischen Schriftsprache, das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit sowie die Analyse konkreter Schreibfehler bei ungeübten Personen.
Ziel ist es, durch die Auswertung des Briefkorpus Rückschlüsse darauf zu ziehen, wie die französische Unterschicht mit den komplexen orthographischen Regeln ihrer Muttersprache umging, ohne formale schulische Bildung erhalten zu haben.
Die Autorin nutzt eine korpuslinguistische Analyse von 25 Briefen, bei der systematische Fehlermuster (z.B. Agglutination oder falsche Akzentsetzung) kategorisiert und historisch eingeordnet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der französischen Orthographie und Interpunktion sowie eine detaillierte Analyse der gefundenen Normabweichungen in den Briefen.
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Alphabetisierung, peu-lettrés, Sprachgeschichte, Interpunktion und dem Verhältnis von Lautung und Schriftbild beschreiben.
Es handelt sich um authentische Schriftstücke der Unterschicht aus einer Zeit, aus der nur wenige Dokumente über das tatsächliche Sprachvermögen der einfachen Bevölkerung erhalten geblieben sind.
Es zeigt sich, dass Interpunktionszeichen wie Punkt und Komma von den Schreibern nur sehr sporadisch und oft willkürlich genutzt werden, da ihr primärer Gebrauch in der gesprochenen Sprache kaum durch Pausen markiert ist.
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