Bachelorarbeit, 2014
35 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
2. Kleists Erzählung und der Kolonialismus
2.1. Die Haitianische Revolution: Vom Freiheitskampf zur Unabhängigkeit
2.2. Kleist und Saint-Domingue: Spurensuche zur Novelle
2.3 Rezeption der Novelle: Zeitgenössische Debatten um die Rolle Frankreichs
3. Rasse und Sexualität um 1800
4. Tonis Identität: ein weder-noch-Konflikt?
4.1. Zwischen Schwarz und Weiß
4.2. Zwischen Kind und Frau
5. Toni und Gustav: Liebesgeschichte im Rassendiskurs
6. Unschärfe in Kleists Erzählung
7. Schlussbemerkung
Diese Bachelorarbeit untersucht die Beziehung zwischen den Charakteren Toni und Gustav in Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ vor dem Hintergrund des Rassendiskurses und analysiert dabei insbesondere die literarische „Poetik der Unschärfe“.
2.2. Kleist und Saint-Domingue: Spurensuche zur Novelle
Kleists Verlobung handelt von einer Liebe zwischen Schwarz und Weiß, von Gewalt, Tod und Verrat. Doch aus welchem Grund verlegt Kleist seine Erzählung nach Saint-Domingue, einem kleinen Ort in der Karibik? Eine schwarz-weiße Liebesgeschichte, die zum Tod der sich Liebenden führen soll, ist bei weitem nicht erst in der Karibik zu finden.
Eine Antwort auf diese Frage könnte sein, dass Saint-Domingue zwar ein kleiner, doch reicher Ort der Karibik war. Die Schilderung der Geschichte des Kampfs um Unabhängigkeit brachte den größten Schatz der Insel hervor: Zucker. Saint-Domingue und die gesamte Karibik waren um 1800 Zulieferer europäischer Konsumgüter und standen folglich im Fokus der Politik und Ökonomie Frankreichs und Großbritanniens. Damit wird Kleists Novelle zu einer Art Weltliteratur – in welcher zudem die Rasse eine zentrale Rolle spielt. Saint Domingue wurde dadurch zu einem besonderen Fall: Im 18. Jahrhundert wurden, wie bereits geschildert, immer mehr schwarze Sklaven auf die Insel gebracht. Unstimmigkeiten zwischen den reichen Weißen und den benachteiligten Schwarzen waren vorprogrammiert.
Kleists Themen werden durch den Handlungsort Saint-Domingue somit gesteigert und noch komplexer. Zusammen mit der Rassenproblematik hat die Novelle daher einen „paradigmatischen Status“: „Der Schauplatz, an dem er seine Novelle geschehen lässt, ist also keineswegs zufällig gewählt und der noch in der jüngeren Kleist-Forschung anzutreffenden Auffassung, dass Kleist ‚den Leser in eine ferne, exotische Welt entführt’, ist nachdrücklich zu widersprechen“.
1. Einführung: Darstellung der Themenstellung, der zentralen Leitfragen zur Identität Tonis und der methodischen Herangehensweise an Kleists „Poetik der Unschärfe“.
2. Kleists Erzählung und der Kolonialismus: Analyse des historischen Hintergrunds der Haitianischen Revolution und deren Bedeutung für die Entstehung der Novelle.
3. Rasse und Sexualität um 1800: Untersuchung des zeitgenössischen Verständnisses von Rasse, Hautfarbe und der Stigmatisierung schwarzer Frauen.
4. Tonis Identität: ein weder-noch-Konflikt?: Eingehende Betrachtung von Tonis Zerrissenheit zwischen den Identitäten und ihrem Reifeprozess vom Kind zur Frau.
5. Toni und Gustav: Liebesgeschichte im Rassendiskurs: Analyse der gescheiterten Beziehung zwischen Toni und Gustav vor dem Hintergrund rassistischer Konventionen.
6. Unschärfe in Kleists Erzählung: Untersuchung von Kleists Erzähltechnik, insbesondere der bewussten Verwendung von Leerstellen und Brüchen.
7. Schlussbemerkung: Synthese der Ergebnisse und Bestätigung der These, dass die bewusste Uneindeutigkeit dem Leser eine eigene Deutung der Erzählung überlässt.
Heinrich von Kleist, Die Verlobung in St. Domingo, Haitianische Revolution, Rassendiskurs, Poetik der Unschärfe, Postkolonialismus, Identität, Toni, Gustav, Sexualität, Sklaverei, Literaturwissenschaft, Saint-Domingue, Liebesgeschichte, Geschlechterrolle.
Die Arbeit analysiert Heinrich von Kleists Novelle „Die Verlobung in St. Domingo“ im Kontext der Haitianischen Revolution, wobei sie besonders die Darstellung der Beziehung zwischen Toni und Gustav untersucht.
Die zentralen Felder sind der Kolonialismus um 1800, der Rassendiskurs, die Konstruktion von Identität und Geschlecht sowie die narrative Technik der „Poetik der Unschärfe“.
Ziel ist es, die Liebesgeschichte zwischen Toni und Gustav unter den Aspekten des Rassendiskurses umfassend darzustellen und zu zeigen, wie Kleist durch seine spezielle Erzählweise eine bewusste Uneindeutigkeit erzeugt.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die historische Kontexte mit einer close-reading-artigen Untersuchung der textimmanenten Strukturen (Leerstellen, Brüche, Erzählperspektiven) verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung Saint-Domingues, die Analyse der Rassen- und Sexualitätsdiskurse um 1800, die Untersuchung der Identitätskonflikte der Protagonistin Toni sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Erzählweise Kleists.
Besonders prägend sind die Begriffe Heinrich von Kleist, Rassendiskurs, Poetik der Unschärfe, Identitätsfindung und Haitianische Revolution.
Der Ort ist kein bloßer Schauplatz, sondern dient als „Brennpunkt“, der Themen wie Kolonialismus und Globalisierung verschärft und als Katalysator für das tragische Scheitern der Liebenden fungiert.
Sie ist ein bewusstes Stilmittel Kleists, um dem Leser eine Eindeutigkeit zu verweigern, wodurch die rassistischen Vorurteile und Kommunikationsprobleme der Figuren erst in ihrer ganzen Ambivalenz sichtbar werden.
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