Bachelorarbeit, 2019
67 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Ausgangslage
2.1 Die Frau in der Gesellschaft
2.2 Ausbildung und Arbeitsbedingungen
2.3 Rezeption
3 Zum Thema „Maler*in mit Modell“
3.1 Das Selbstporträt als Künstler*in
3.2 Das Doppelporträt
3.3 Das Modell
3.4 Das Motiv „Maler*in mit Modell“
4 Untersuchung in der Bearbeitung des Themas
4.1 Männliche Bearbeitungen
4.1.1 Lovis Corinth
4.1.2 Ernst Ludwig Kirchner
4.1.3 Otto Dix
4.2 Resümee
4.3 Weibliche Bearbeitungen
4.3.1 Charlotte Berend-Corinth
4.3.2 Lotte Laserstein
4.4 Resümee
5 Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss soziokultureller Erfahrungen auf die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Motiv „Maler*in mit Modell“ im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die weibliche Bearbeitung dieses Themas von der männlichen unterscheidet und inwieweit Künstlerinnen trotz mangelnder Vorbilder eine eigene Ästhetik entwickelten, die traditionelle Rollenzuschreibungen dekonstruiert.
4.1.2 Ernst Ludwig Kirchner
Das weibliche Modell war eines der Hauptmotive der Dresdner „Brücke“ Mitglieder. Entgegen akademischer Traditionen wurden die nackten Körper im Freien und vor allem in ihren Ateliers gemalt und gezeichnet. Hinsichtlich der Intentionen Leben und Arbeit in Einklang zu bringen, handelt es sich häufig um Wohnateliers. Kirchners Selbstbildnis mit Modell unterwirft sich dieser Idee.
Geboren wurde Ernst Ludwig Kirchner 1880 in eine Kaufmannsfamilie aus Aschaffenburg. Nach mehreren Umzügen machte er 1901 sein Abitur in Chemnitz und begann zunächst ein Architekturstudium an der Technischen Universität in Dresden. Im Sommer 1905 gründete er zusammen mit Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl die expressionistische Künstlervereinigung „Brücke“. Das Malen hatte Kirchner sich als Autodidakt selbst erarbeitet. Dennoch besuchte er während eines Semesters in München die Lehr- und Versuchsateliers von Hermann Obrist und Wilhelm Debschitz, in der er das Zeichnen nach einem bewegten Akt studierte. Auch das „Spontane, Naive, Intuitive [und] Urwüchsige“ aus Kirchners Kunst ist auf diese Schule zurückzuführen.
Zumeist beeinflussten sich die Brücke-Mitglieder jedoch gegenseitig. Sie arbeiteten gemeinsam und teilten neben ihren Ateliers auch ihre Modelle, die oftmals zugleich die jeweiligen Lebenspartnerinnen waren. Schon in diesem Tauschgeschäft zeigt sich der dinghafte Charakter, der den Frauen beigemessen wurde. Da keines der Brücke-Mitglieder je an einer Kunsthochschule gelernt hatte, war auch ihre Kunst wenig akademisch. Sie „lösten den Akt aus allegorischen, mythologischen und religiösen Zusammenhängen und konzentrierten sich auf die ‚reine’, ‚ungekünstelte’ Darstellung des Körpers“. Wie schon bei Rodin bewegten sich die Freundinnen, Geliebten und Partnerinnen der Maler frei im Raum. Auch der Angst Kirchners, dass der lebendige, nackte Körper durch das Versetzen ins Atelier zu einer starren Pose verkommt, mag es geschuldet sein, dass er in seinem Selbstbildnis mit Modell einen Raum abbildet, der sich durch Möbel und Vorhänge als Wohnraum deuten lässt.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die patriarchalen Strukturen des Kunstbetriebs im frühen 20. Jahrhundert und formuliert die Forschungsfrage zur geschlechtsspezifischen Divergenz in der Darstellung des Themas „Maler*in mit Modell“.
2 Ausgangslage: Dieses Kapitel skizziert die gesellschaftlichen Bedingungen der Zeit, einschließlich der Rolle der „neuen Frau“ und die schwierigen Ausbildungs- sowie Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen.
3 Zum Thema „Maler*in mit Modell“: Hier werden die kunsthistorischen Grundlagen der untersuchten Motive, wie das Selbstporträt, das Doppelporträt und die Aktmalerei, definiert und kontextualisiert.
4 Untersuchung in der Bearbeitung des Themas: Das Kapitel analysiert exemplarisch Werke von Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner und Otto Dix sowie Charlotte Berend-Corinth und Lotte Laserstein, um Unterschiede in der Darstellung von Macht und Geschlechterrollen aufzuzeigen.
5 Ergebnisse: Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengeführt und die These bestätigt, dass Malerinnen das traditionelle Dominanzkonstrukt durch eine neue, verbundene Sichtweise auf die Weiblichkeit dekonstruierten.
Malerin mit Modell, Kunstgeschichte, Frühes 20. Jahrhundert, Geschlechterrollen, Feminismus, Aktmalerei, Selbstporträt, Weimarer Republik, Lovis Corinth, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Charlotte Berend-Corinth, Lotte Laserstein, Neue Frau, Geschlechterhierarchie
Die Arbeit untersucht, wie Künstler und Künstlerinnen in Deutschland zwischen 1900 und 1930 das Motiv „Maler*in mit Modell“ in ihren Werken bearbeitet haben und ob sich dabei geschlechtsspezifische Unterschiede feststellen lassen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die gesellschaftliche Rolle der Frau, die Ausbildungssituation, die Kunstproduktion im Kontext von Geschlechterrollen sowie die methodische Aufarbeitung von Machtverhältnissen zwischen Künstler und Modell.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob soziokulturelle Erfahrungen und ein weibliches Kollektivbewusstsein zu einer veränderten Ästhetik in den Werken von Künstlerinnen führten, die sich von männlich dominierten Stereotypen abhebt.
Es erfolgt eine vergleichende kunsthistorische Analyse ausgewählter Werke, bei der die männliche Bearbeitung des Themas als Norm dient, um die Abweichungen und neuen Ansätze der Künstlerinnen systematisch aufzuzeigen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Motive sowie eine praktische Analyse von Werken bedeutender Maler der Zeit (Corinth, Kirchner, Dix) im Vergleich zu Künstlerinnen wie Berend-Corinth und Laserstein.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geschlechterhierarchie, Selbstporträt, Aktmalerei, Weimarer Republik und eine dezidiert feministisch informierte Kunstbetrachtung charakterisiert.
Bei Kirchner wird die Distanz zum Modell durch die Vermengung mit einer nicht-rituellen Intimität und den Impulsen des Künstlers problematisiert, was ein spezifisches Machtungleichgewicht verdeutlicht.
Während Dix das weibliche Modell oft als Objekt und „Typus“ einer patriarchalen Ideologie darstellt, bindet Laserstein ihre Modelle als gleichwertige Partnerinnen in den Malprozess ein und unterläuft damit sexuelle Objektivierungen.
Das Werk dekonstruiert das tradierte Dominanzkonzept, indem es die Grenze zwischen Subjekt und Objekt auflöst und die beiden Frauen auf Augenhöhe in einer Szene der Verbundenheit zeigt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

