Bachelorarbeit, 2018
42 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Musikalische Begabung: Begriffs- und Gegenstandsbestimmung
2.1. Musikalische Begabung
2.2. Messbarkeit von Musikalität
2.2.1. Musikalitätstests- allgemeine Grundlagen
2.2.2. Seashore Measures of Musical Talents
2.2.3. Goldsmith Musical Sophistication Index (Gold- MSI)
3. Musikalität- vererbt oder erlernbar?
3.1. Konzepte der Entwicklung musikalischer Fähigkeiten
3.1.1. Neurobiologische Ansätze
3.1.2. Hirnphysiologische Korrelate der musikalischen Begabung
3.1.3. Gegenstand und Aufgabe der Entwicklungspsychologie
3.2. Anlage- Umwelt- Debatte
3.2.1. Vererbungsthesen
3.2.2. Umwelt und Sozialisation
4. Konzepte zur Begabtenförderung in Deutschland
4.1. Begabtenförderung an Musikschulen
4.2. Wettbewerbe als Förderungsmodell- Jugend musiziert
4.3. Begabtenförderung an Musikhochschulen
5. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status Quo der musikalischen Begabtenförderung in Deutschland, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, ob die bestehenden Konzepte ausreichen, um eine "Dur-Realität" der Förderung zu etablieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Musikalität definiert und gemessen werden kann und welche Rolle die genetische Veranlagung im Vergleich zu sozialen Umwelteinflüssen bei der Entwicklung musikalischer Höchstleistungen spielt.
3.1.2. Hirnphysiologische Korrelate der musikalischen Begabung
„Was ist der Körper, wenn das Haupt ihm fehlt?“ fragt sich König Eduard in Shakespeares Stück König Heinrich VI. Selbiges vermag sich auch der Herzog vom Cambridge, Fürst Nikolaus, gefragt haben, als ihm nach der Exhumierung lediglich der Körper Haydns präsentiert wurde. Für diese Kopflosigkeit war der Privatsekretär des Fürsten Esterhazy, Josef Carl Rosenbaum, verantwortlich, welcher ein Anhänger der Lehren des deutschen Arztes Franz Gall war. Dieser glaubte anhand der Ausformung der Schädelform und den Ausformungen verschiedener Knochen auf bestimmte Charakterzüge und Fähigkeiten eines Menschen schließen zu können.
Rosenbaum wollte mit dem Schädel die Genialität Haydns beweisen und glaubte, dass eine Ausbeulung des Schädelknochens auf eine besondere Begabung deuten würde. Heute weiß man, dass Gall und seine Schüler mit ihrem Ansatz zur Begabung zufälligerweise einen richtigen Ansatz verfolgten. „Der ‚Tonsinn‘ ist durch eine Ausbeulung am Übergang vom vorderen zum Stirnhirnlappen charakterisiert, just die Region, in der nach neuen Befunden musikalisches Gedächtnis lokalisiert wird.“ Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass sich bestimmte Hirnregionen beim musikalischen Üben besonders stark plastisch anpassen können.
2002 zeigte Peter Schneider und seine Kollegen durch MEG Untersuchungen auf, dass bei Berufsmusikern im Vergleich zu Nichtmusikern die primäre Hörrinde in der Heschl'schen Querwindung doppelt so groß ist. Zudem fanden sie heraus, dass bei einer Aktivierung der primären Hörrinde durch Stimuli, wie z.B. Sinustöne, die gemessenen Signalamplituden bei Musikern doppelt so hoch ist wie bei Nichtmusikern. Dies zeigt, dass bei Musikern eine größere Anzahl von Cytoplasma in den Nervenzellen aktiviert wird als bei Nichtmusikern. Die absolute Größe der Hörrinde steht hierbei in einer direkten Beziehung zur Hörfähigkeit. Neben einer Anpassung des Hörkortexes stellte Münte mit seinen Kollegen 2001 auch eine Anpassung an spezielle Aufgaben innerhalb von Musikergruppen fest.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische und aktuelle Situation der musikalischen Begabtenförderung in Deutschland ein und formuliert die grundlegende Fragestellung der Arbeit.
2. Musikalische Begabung: Begriffs- und Gegenstandsbestimmung: Es wird der Versuch unternommen, den diffusen Begriff der musikalischen Begabung theoretisch einzugrenzen und die verschiedenen methodischen Ansätze zu deren Messbarkeit darzustellen.
3. Musikalität- vererbt oder erlernbar?: Das Kapitel beleuchtet neurobiologische Grundlagen, entwicklungspsychologische Modelle sowie die Anlage-Umwelt-Debatte, um den Einfluss von Genetik und Sozialisation auf die musikalische Entwicklung zu analysieren.
4. Konzepte zur Begabtenförderung in Deutschland: Hier werden die praktischen Förderstrukturen an Musikschulen, bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert" sowie an Musikhochschulen am Beispiel des IFF Hannover kritisch untersucht.
5. Zusammenfassung: Die abschließenden Überlegungen führen die Ergebnisse zusammen und betonen die Notwendigkeit einer kooperativen und finanziell fundierten Förderpolitik für eine erfolgreiche "Dur-Realität".
Musikalische Begabung, Musikalität, Begabtenförderung, Musikpädagogik, Seashore-Test, Goldsmith Musical Sophistication Index, Entwicklungspsychologie, Neurobiologie, Anlage-Umwelt-Debatte, Jugend musiziert, Musikhochschule, IFF Hannover, Instrumentalunterricht, Musikpsychologie, Begabungsforschung
Die Arbeit befasst sich mit dem aktuellen Stand und den Herausforderungen der musikalischen Begabtenförderung in Deutschland und hinterfragt die Effektivität bestehender Förderstrukturen.
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Musikalität, die wissenschaftliche Messbarkeit musikalischer Potenziale, biologische und psychologische Entwicklungsfaktoren sowie praktische Förderkonzepte.
Das Ziel ist zu evaluieren, ob Deutschland eine durchdachte "Dur-Realität" in der Begabtenförderung erreicht hat und wie diese durch wissenschaftliche Erkenntnisse optimiert werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, welche psychologische Studien, neurowissenschaftliche Untersuchungen und Konzepte der Musikpädagogik sowie aktuelle Forschungsergebnisse integriert.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Begabung, die Rolle der Vererbung versus Umwelt sowie konkrete Förderprogramme wie "Jugend musiziert" und spezielle Institute an Musikhochschulen.
Die wichtigsten Begriffe sind musikalische Begabung, Begabtenförderung, Musikpsychologie, Anlage-Umwelt-Debatte und Musikschulkonzepte.
Während der Seashore-Test primär auf isolierte auditive Fähigkeiten fokussiert, berücksichtigt der Gold-MSI-Fragebogen ein breiteres Spektrum, inklusive musikalischer Erfahrung, Ausbildung und emotionalem Zugang zur Musik.
Insbesondere Studien von Marianne Hassler untersuchen den Einfluss von Hormonen wie Testosteron und Arginin-Vasopressin auf die Entwicklung musikalischer Fähigkeiten und die anatomische Ausprägung der Hirnareale.
Es dient als Modell für eine gezielte, kontinuierliche Frühförderung, die sowohl künstlerische Höchstleistung als auch soziale Einbindung der hochbegabten Jugendlichen in den Vordergrund stellt.
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