Diplomarbeit, 2009
72 Seiten, Note: 5.5 (CH)
1 EINLEITUNG
2 DIE UNBEHOLFENEN
2.1 ZUM INHALT
2.2 ZUM AUTOR
2.3 ZUR REZEPTION
3 DIE LITERARISCHE INTERPRETATION
3.1 DIE FORM
3.1.1 Kursiv gedruckte Begriffe
3.1.2 Ist es eine Novelle?
3.2 DIE DRAMATISCHE STRUKTUR DES TEXTES
3.2.1 Exposition und erregende Momente
3.2.2 Steigerung
3.2.3 Hauptthema
3.2.4 Peripetie
3.2.5 Auflösung
3.3 DIE ORTE DER HANDLUNG
3.4 DIE ERZÄHLTE ZEIT
3.5 ERZÄHLHALTUNG UND –TECHNIK
3.6 DIE FIGUREN
3.6.1 Florian Lackner
3.6.2 Albrecht
3.6.3 Elena und Ilona, die Zwillinge
3.6.4 Nadja
3.6.5 Der Hausfreund Romero
3.6.6 Die Mutter, später genannt Veneranda
3.7 RÄUME UND GEGENSTÄNDE
3.7.1 Die Metapher Haus
3.7.2 Die Metapher Kronleuchter
3.8 ZUSAMMENFASSUNG
3.8.1 Das Bewusstsein
3.8.2 Die Kluft zwischen menschlichem Bewusstsein und menschlichem Verhalten
4 DIE SZENISCHE INTERPRETATION
4.1 METHODISCHE VERFAHREN
4.2 DIDAKTISCHE ASPEKTE
4.2.1 Szenenauswahl
4.2.2 Auseinandersetzung mit den Figuren und deren Detailerarbeitung
4.2.3 Heranführung durch Vorstellung der Räume und Szenen
4.2.4 Die Veranschaulichung der Erzählperspektive
4.2.5 Die Entfaltung der Mehrperspektivität
4.2.6 Die Interpretation und Nachbearbeitung
5 UNTERRICHTSSKIZZE
5.1 EXEMPLARISCHER LEKTIONSAUFBAU
5.2 DIDAKTISCHE ANALYSE
5.2.1 Szenenwahl
5.2.2 Erste Eindrücke
5.2.3 Szenen- und Figurenwahl. Einfühlung in die Figuren. Schriftliches Porträt
5.2.4 Diskussion über die Figuren
5.2.5 Schriftliche Interpretation der Szene
5.2.6 Szenisches Spiel: Warming up
5.2.7 Erproben des Szenespiels
5.2.8 Präsentation und Rückfragen
5.2.9 Diskussion
5.2.10 Klausurvorschläge
6 SCHLUSSBEMERKUNG
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich der szenischen Interpretation der Novelle "Die Unbeholfenen" von Botho Strauss als didaktischer Methode für den Deutschunterricht an der Sekundarstufe II. Die Forschungsfrage untersucht, wie Schülerinnen und Schüler durch handlungsorientiertes szenisches Spiel einen Zugang zu dem komplexen und inhaltlich anspruchsvollen Text finden können, um sich mit aktuellen gesellschaftlichen Bewusstseinsfragen auseinanderzusetzen.
3.6.1 Florian Lackner
Der Name Florian kommt aus dem lateinischen Namen flos und bedeutet Blume. Der Begriff Lack kommt aus dem Persisch-Arabischen und bedeutet wohl rote Färbung. Das Suffix -ner ist eine Nebenform von er und bildet männliche Nomen einer bestimmten Flexionsklasse. Von der Figur Florian Lackner wissen wir, dass er ungefähr 45 Jahre alt ist und in dieses Haus kommt, weil er Nadja, seine neue Freundin, besucht. Erst am Schluss weiss man, dass er einmal als Traumdeuter sein Leben verdient hat.
„Bevor ich zu euch stiess, stand ich eine Zeitlang als Traumdeuter bei einigen hochgestellten und einflussreichen Persönlichkeiten in Lohn und Brot. Ich legte ihnen aus, was sie in der Nacht an Mahren und Schreckensvisionen heimsuchte.“ (S. 119)
Wovon er heute lebt, wissen wir nicht. Hat er genug Geld bei den CEOs gemacht, um jetzt als Frührentner leben zu können? Wenn nicht, was macht er jetzt? Was machte er vor dem Traumdeuten? Woher kommt er? Hat er Geschwister? Eltern? War er schon mal verheiratet oder ist er vielleicht sogar noch? Hat er Kinder? Wo lebt er? Hat er Hobbys? Wenn ja, welche?
Wir wissen aber, dass er sich gerne von sogenannten Alpha-Tieren beeindrucken lässt. Er wird dann selber sehr unsicher, ist aber von der Person fasziniert und auch neugierig auf diese. Er möchte mehr wissen, um etwas davon zu kopieren, sich aneignen zu können. Der Ich-Erzähler sagt von sich: Ich war eben gern ein Mann unter Einfluss (S. 17). Von Elena aus gesehen ist Florian ein kleiner Mann. Wie sie das ausspricht (S. 35), fühlt sich Florian sehr getroffen. Und der Satz-Bolzen (S. 36) trifft nicht nur ihn, sondern auch Nadja, die ein Schluchzen unterdrückt und ihre Unterlippe zittert (S. 37).
1 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Motivation der Autorin dar, Botho Strauss' "Die Unbeholfenen" in den gymnasialen Literaturunterricht zu integrieren und das Potential der szenischen Interpretation für diesen Zweck zu erläutern.
2 DIE UNBEHOLFENEN: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Zusammenfassung der Novelle, eine Kurzbiografie des Autors Botho Strauss sowie eine Übersicht zur kritischen Rezeption des Werkes.
3 DIE LITERARISCHE INTERPRETATION: Hier erfolgt eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse des Textes, die Form, dramatische Struktur, Schauplätze, Zeit sowie die Charakterisierung der sieben zentralen Figuren umfasst.
4 DIE SZENISCHE INTERPRETATION: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Grundlagen und didaktischen Ansätze des szenischen Interpretierens, insbesondere im Hinblick auf soziale Dramen und das handlungsorientierte Lernen.
5 UNTERRICHTSSKIZZE: Dieser Teil enthält konkrete didaktische Anleitungen, einen tabellarischen Lektionsplan und Vorschläge für die Leistungsüberprüfung, um die szenische Arbeit direkt im Unterricht umzusetzen.
6 SCHLUSSBEMERKUNG: Die Autorin resümiert ihre Erfahrungen mit der Novelle und bekräftigt die Eignung des Werkes als Pflichtlektüre für das Gymnasium durch die Methode der szenischen Interpretation.
Szenische Interpretation, Botho Strauss, Die Unbeholfenen, Literaturdidaktik, Sekundarstufe II, Bewusstseinsnovelle, Handlungsorientierter Unterricht, Figurenanalyse, Rollenspiel, Dramaturgie, Bewusstseinskrise, Gymnasialunterricht, Identitätsfindung, Intertextualität, Didaktische Analyse
Die Diplomarbeit untersucht die szenische Interpretation als didaktisches Werkzeug, um Schülern der Sekundarstufe II den Zugang zur anspruchsvollen Novelle "Die Unbeholfenen" von Botho Strauss zu ermöglichen.
Die Novelle thematisiert komplexe Fragen des menschlichen Daseins, darunter Bewusstseinskrisen, das Verhältnis zwischen intellektuellem Anspruch und moralischem Handeln, zwischenmenschliche Beziehungen und die gesellschaftliche Rolle des Individuums.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie ein textlich schwieriges und intellektuell forderndes Werk durch handlungsorientierte theaterpädagogische Methoden für Gymnasiasten lebendig und verständlich gemacht werden kann.
Die Arbeit stützt sich primär auf die literarische Interpretation der Figuren und deren Handlungen, ergänzt durch theaterpädagogische Verfahren wie das "soziale Drama" nach Victor Turner und die Interpretationsansätze von Ingo Scheller.
Der Hauptteil gliedert sich in eine literaturwissenschaftliche Analyse des Werkes (Struktur, Figuren, Symbole) und eine darauffolgende didaktische Ausarbeitung mit Unterrichtsvorschlägen, Lektionsplänen und Analysen der Lernprozesse.
Szenische Interpretation, Botho Strauss, Literaturdidaktik, Bewusstseinsnovelle, Handlungsorientierter Unterricht, Figurenanalyse und Rollenspiel sind die zentralen Begriffe der Arbeit.
Da der Text von Botho Strauss viele abstrakte Diskussionen und wenig klassische Handlung enthält, dient das szenische Spiel dazu, die Figuren greifbar zu machen und durch körperliche Darstellung ein tieferes Verständnis für die behandelten existentiellen Fragen zu entwickeln.
Die Behinderungen (Albrechts Rollstuhl und Ilonas Gehörlosigkeit) sind zentrale Aspekte für die szenische Umsetzung, da sie besondere Anforderungen an das Spiel und die Körperlichkeit der Schüler stellen und deren Einfühlungsvermögen in die spezifischen Rollen herausfordern.
Die Autorin betrachtet den offenen Schluss als Chance, da er keinen festen Ausgang vorgibt, sondern Hoffnung auf einen persönlichen Neuanfang impliziert, der nach der intensiven Auseinandersetzung mit der Bewusstseinskrise möglich erscheint.
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