Referat (Ausarbeitung), 2003
15 Seiten
1 Ein politischer Komponist?
2 Vorbemerkungen zu Pfitzners biographischer Situation
3 Pfitzners Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus
3.1 fons salutifer, op. 48 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?
3.2 Drei Gesänge, op. 53 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?
3.3 Die Krakauer Begrüßung, op. 54 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?
4 Pfitzners Karriere und sein gesellschaftliches Agieren im Nationalsozialismus
5 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und ideologische Weltsicht des Komponisten Hans Pfitzner im Zeitraum von 1933 bis 1945. Ziel der Untersuchung ist es, auf Basis von Briefen, Schriften und einer Analyse ausgewählter Werke zu ergründen, inwieweit eine Identifikation Pfitzners mit dem nationalsozialistischen Gedankengut stattgefunden hat und wie er sein eigenes Wirken im Kontext des „Dritten Reiches“ reflektierte.
3.1 fons salutifer, op. 48 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?
Erwin Guido Kolbenheyer (1878-1962) – heute fast vergessen – spielte in der Literaturszene des Nationalsozialismus keine unwichtige Rolle. Der Autor von historisierenden Romanen (Amor Dei, Paracelsus-Trilogie) brachte es unter den Nationalsozialisten zum Senator der Dichterakademie innerhalb der Preußischen Akademie der Künste und galt – dank seiner der NS-Ideologie nahe stehenden Weltsicht – als einer der großen alten Herren des Literaturbetriebes. So wurde er im „Dritten Reich“ für sein Werk hochkarätig dekoriert, nach Kriegsende stufte ihn die Spruchkammer zunächst als belastet, schließlich als Mitläufer ein. Er wurde zu Sonderarbeit und dem Einzug der Hälfte seines Vermögens verurteilt, von 1945-50 hatte er Schreibverbot.
Kolbenheyers Familie stammte mütterlicherseits aus Karlsbad, und er war dort aufgewachsen. Der Dichter würdigte die Stadt seiner Jugend mit der Karlsbader Novelle und dem Hymnus Fons Carolinus; beide erschienen erstmals 1929 im Sammelband Kämpfender Quell. Die letzte Strophe des sechsteiligen Hymnus wurde von Pfitzner für seine Auftragskomposition vertont.
Bisher unbekannt war übrigens ein früher persönlicher Kontakt zwischen Pfitzner und Kolbenheyer, den ein in der Österreichischen Nationalbibliothek vorliegender Brief des Schriftstellers an den Komponisten aus dem Jahr 1928 belegt. Dort bedankt sich Kolbenheyer bei Pfitzner „für die freundliche Entgegennahme meines ‚Breviers‘“ und bezieht sich auf eine Rede Pfitzners, die er gehört hatte. Kolbenheyer schreibt weiter, daß er seit dem politischen Zusammenbruch versuche, „gegen die Verlotterung der Kunst“ anzugehen und prophezeit: „Wir stehen an einer Wende. Das deutsche Volk, mag auch der Himmel trüb sein, wird sich finden, seine Kunst mit ihm.“ Weitere biographische Berührungspunkte zwischen den beiden Künstlern, die in ihrer Geisteshaltung sicher Ähnlichkeiten aufweisen, persönliche Begegnungen oder eine Antwort Pfitzners auf den Brief sind leider nicht bekannt.
1 Ein politischer Komponist?: Dieses Kapitel beleuchtet Pfitzners eigene Einschätzung zur Politisierung der Kunst in der Weimarer Zeit und seine Positionierung als kämpfender Künstler.
2 Vorbemerkungen zu Pfitzners biographischer Situation: Es wird der Lebenskontext Pfitzners im Jahr 1933 beschrieben, geprägt durch familiäre Auflösungserscheinungen und die veränderte politische Lage unter dem NS-Regime.
3 Pfitzners Wirken zur Zeit des Nationalsozialismus: Hier wird die kompositorische Produktivität Pfitzners zwischen 1933 und 1945 dokumentiert und der Frage nach der politischen Dimension seines Spätwerks nachgegangen.
3.1 fons salutifer, op. 48 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?: Das Kapitel untersucht das Werk fons salutifer hinsichtlich seines Textdichters Kolbenheyer und möglicher politischer Indizien.
3.2 Drei Gesänge, op. 53 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?: Anhand der Männerchöre op. 53 wird analysiert, wie Pfitzner die Thematik des „Krieges“ in seinen Liedern verarbeitete und deutete.
3.3 Die Krakauer Begrüßung, op. 54 – ein Werk im Geiste des Nationalsozialismus?: Dieses Kapitel beleuchtet den Kontext der Entstehung der Krakauer Begrüßung als Auftragswerk für Generalgouverneur Hans Frank.
4 Pfitzners Karriere und sein gesellschaftliches Agieren im Nationalsozialismus: Hier werden Pfitzners Bemühungen, im NS-Staat politisch Fuß zu fassen, seine Enttäuschungen durch das Regime und sein schwieriges zwischenmenschliches Verhalten thematisiert.
5 Zusammenfassung: Das Fazit stellt fest, dass Pfitzner das politische Geschehen weitgehend ausblendete und seine Ideologie in der Zeit des Nationalsozialismus unverändert blieb.
Hans Pfitzner, Nationalsozialismus, Musikgeschichte, Ideologie, Drittes Reich, Komposition, politische Haltung, Antisemitismus, Kulturpolitik, Künstlertum, Biographie, Zeitgeschichte, Werkanalyse, Kriegsthematik, Propaganda
Die Arbeit untersucht die politische und weltanschauliche Positionierung des Komponisten Hans Pfitzner während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) und hinterfragt, wie sich seine Ideologie in seinem Wirken widerspiegelte.
Im Zentrum stehen Pfitzners biographische Lebensumstände, die Analyse ausgewählter Werke aus der Zeit des NS-Regimes sowie seine Bemühungen um Anerkennung und politische Teilhabe im damaligen Deutschland.
Die Kernfrage ist, ob und inwieweit eine Identifikation des Komponisten mit dem nationalsozialistischen Geist nachweisbar ist und in welchem Maße sein Schaffen und Handeln von den politischen Gegebenheiten dieser Epoche beeinflusst wurden.
Die Autorin nutzt primär schriftliche Dokumente wie Briefe und zeitgenössische Schriften Pfitzners sowie eine werkimmanente Analyse, um ein Spiegelbild seines Denkens jenseits bloßer Erinnerungen zu rekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert spezifische Kompositionen aus den Jahren 1933 bis 1945, wie etwa fons salutifer (op. 48), die Drei Gesänge (op. 53) und die Krakauer Begrüßung (op. 54), sowie Pfitzners Interaktionen mit nationalsozialistischen Entscheidungsträgern.
Die wichtigsten Schlagworte sind Hans Pfitzner, Nationalsozialismus, Musikgeschichte, Ideologie, Drittes Reich, politische Haltung und Antisemitismus.
Pfitzners Bestrebungen scheiterten an der Distanz der NS-Führung zu seiner Person, an persönlichen Vorbehalten Hitlers gegenüber Pfitzner sowie an dessen eigenem, als arrogant und kleinlich wahrgenommenen Charakter.
Pfitzner sah sich selbst primär als Opfer der Zeitumstände. Er empfand seine vernachlässigte Rolle im NS-Staat als persönliche Missachtung und reflektierte die politischen Ereignisse vorwiegend durch das Prisma seiner eigenen Person.
Nein, laut der Analyse macht Pfitzner keine ideologische oder politische Entwicklung durch. Seine Wertbegriffe und sein Antisemitismus blieben über die gesamte Zeit hinweg in ihrem Kern unverändert und unbeeinflusst vom „Blut-und-Boden“-Dogma der Nazis.
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