Referat (Ausarbeitung), 2001
14 Seiten
Der Dramaturg und Siegfried Wagner
Die vorliegende Arbeit untersucht das weitgehend vernachlässigte Opernschaffen Siegfried Wagners aus der Perspektive eines Dramaturgen, um die dramaturgischen Strukturen, die Libretto-Sprache und die Aufführbarkeit seiner Bühnenwerke kritisch zu analysieren und deren spezifische Charakteristika jenseits des Klischees als "Märchenopernkomponist" herauszuarbeiten.
Der Dramaturg und Siegfried Wagner
Zum 125. Geburtstag des Erben von Bayreuth richtete ihm das Richard-Wagner-Museum im Haus Wahnfried eine Ausstellung unter dem Titel „Das Theater Siegfried Wagners“ aus. Doch der Titel führte in die Irre – behandelt wurde ausschließlich sein Wirken als Festspielleiter, das eigene Opernschaffen wurde bis auf Marginalien ausgegrenzt. Im Ausstellungsheft ist dazu zu lesen:
„Siegfried Wagners eigenes kompositorisches Schaffen, das unter anderem immerhin 15 vollendete Opern (!) umfasst, konnte in der Ausstellung nicht berücksichtigt werden. Es ist ein Thema für sich, das es nicht verdient, gleichsam als Appendix zu seinem Bayreuther Bühnenschaffen abgehandelt zu werden.“
Auch anderweitig ist es schwierig, sich über das Opernschaffen Siegfried Wagners zu informieren – nehmen wir an, einem Dramaturgen würde eines von Siegfried Wagners Opernwerken zur Beurteilung vorgelegt werden, so kann dieser wohl im Normalfall kaum auf die nur schwer erreichbare Sekundärliteratur zurückgreifen.
Der Dramaturg und Siegfried Wagner: Einleitende Reflexion über die Vernachlässigung des Opernschaffens Siegfried Wagners in der Rezeption und die Herausforderungen für Dramaturgen bei der Erschließung dieser Werke.
Siegfried Wagner, Opernschaffen, Libretto, Dramaturgie, Szenischer Aufbau, Aufführungspraxis, Musikdrama, Wagner-Rezeption, Charakterisierung, Bühnenwerke, Opernanalyse, Theaterarbeit, Märchenoper, Handlungsstruktur, Kompositionsgeschichte
Die Arbeit befasst sich mit einer dramaturgischen Bestandsaufnahme der 18 Bühnenwerke von Siegfried Wagner und hinterfragt deren strukturelle Eigenheiten sowie die Möglichkeiten ihrer szenischen Umsetzung.
Im Zentrum stehen die dramaturgische Architektur, die eigenwillige Sprache der Libretti, die Handlungsführung und die spezifischen Anforderungen, die diese Opern an heutige Theatermacher stellen.
Das Ziel ist es, Siegfried Wagners Schaffen als eigenständiges und aufführbares musikdramatisches Werk zu würdigen und die oft als "verworren" oder "märchenhaft" etikettierten Opern auf ihre dramaturgische Substanz hin zu untersuchen.
Es handelt sich um eine fallstudienorientierte, dramaturgische Analyse, die Libretti, Klavierauszüge und Aufführungsmaterialien miteinander vergleicht und mit zeitgenössischen Quellen sowie eigenen praktischen Beobachtungen kontrastiert.
Der Hauptteil widmet sich der Analyse von Titelgebung, Figurenkonstellation, sprachlichem Duktus, dem formalen dramatischen Aufbau – exemplarisch an der „Heiligen Linde“ erläutert – sowie den motivischen Querverweisen innerhalb seines Gesamtwerks.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Siegfried Wagner, dramaturgische Architektur, Opernlibretto, Inszenierungspraxis und werkimmanente Querbezüge definieren.
Der Autor zeigt auf, dass das Architekturstudium Siegfried Wagners eine signifikante Spur in seinem Formenbewusstsein hinterlassen hat, was sich in einer oft mathematisch exakten, fast auf dem Reißbrett entworfenen Szenenarchitektur manifestiert.
Der Autor verwendet diesen Begriff für Handlungsabschnitte, die dem Regisseur große Freiheiten zur Ausgestaltung lassen, da sie zwar nicht zwingend für den Fortgang der Haupthandlung sind, aber für die Charakterisierung oder atmosphärische Abwechslung eine entscheidende Funktion erfüllen.
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