Masterarbeit, 2018
103 Seiten, Note: 1,2
I. Einleitung
II. Kontext: Familiennachzug
2.1 Begriffsklärung
2.2 Daten zum Familiennachzug
III. Forschungsstand
IV. Theoretische Einbettung
4.1 Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
4.2 Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit
4.3 Zur Rolle der Massenmedien
V. Methodologie
5.1 Mixed-Methods Design und Blended Reading
5.2 Quantitatives Distant Reading
5.2.1 Frequenzanalyse
5.2.2 Kookkurrenzanalyse
5.3 Qualitatives Close Reading: Wissenssoziologische Diskursanalyse
5.3.1 Begriffsklärung
5.3.2 Zentrale Arbeitsschritte der wissenssoziologischen Diskursanalyse
5.3.3 Zur Adaption der Grounded Theory
5.4 Einschränkungen in der Vorgehensweise
VI. Korpusgenerierung
VII. Ergebnisse
7.1 Deskriptive Ergebnisse
7.2 Ergebnisse des Distant Readings: Der Diskurs in seiner Breite
7.2.1 Exkurs: Assoziationsmaße »MI-Score« und »Log Dice« im Vergleich
7.2.2 Familiennachzug, Familienzusammenführung oder Familienzuzug?
7.2.3 Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung im Vergleich
7.2.4 Zum zeitlichen Verlauf des Diskurses
7.3 Ergebnisse des Close Readings: Der Diskurs in seiner Tiefe
7.3.1 Prognosen oder: Die Millionen die noch kommen?
7.3.2 Das Bild der Flüchtlingsfamilie als »Sippe«?
7.3.3 Familiennachzug und der Aspekt der Integration
7.3.4 Vom Recht auf Familie(nnachzug)
7.4 Zusammenführung der Ergebnisse
VIII. Fazit & Ausblick
Die Arbeit untersucht in explorativer Weise den medialen Diskurs um den Familiennachzug in Deutschland im Zeitraum von 2013 bis 2018. Ziel ist es, Deutungsmuster zu rekonstruieren, die beteiligten Akteure zu identifizieren und die Argumentationsweisen sowie die zeitliche Entwicklung dieses Subdiskurses innerhalb des übergeordneten Migrationsdiskurses zu analysieren, wobei der Fokus auf den Online-Berichterstattungen von Spiegel Online und der Süddeutschen Zeitung liegt.
I. Einleitung
Der Familiennachzug subsidiär Schutzbedürftiger ist in Deutschland aktuell bis zum 31. Juli 2018 ausgesetzt (BAMF 2018). Besagter Familiennachzug lässt sich definieren als „[...] eine bedeutsame Form der Zuwanderung von Ausländern mit dem Ziel, auf dem Bundesgebiet das Zusammenleben der Familienmitglieder in der familialen Lebensgemeinschaft zu ermöglichen“ (Lingl 2018: 10). Demnach ließe sich auf eine zentrale Rolle des Familiennachzugs hinsichtlich des Gelingens bzw. Misslingens der Integration von Migranten1 schließen. Eben jene Integrationsfunktion wird insbesondere seit der Wahlkampfphase der Bundestagswahl 2017 wieder kontrovers diskutiert. Ein Aufleben von Diskursen um Migrationsthemen im Allgemeinen ist hingegen spätestens seit der häufig als ‚Krise‘ bewerteten Flüchtlingsthematik in den Jahren 2015 und 2016 zu verzeichnen (Haller 2017). Da es sich bei beiden um mehr oder weniger konkrete Ereignisse handelt, lohnt es sich, eine langfristigere Perspektive einzunehmen, um der unter anderem allgemeinen Frage nachzugehen, inwiefern sich Deutungsmuster im Diskurs um den Themenbereich des Familiennachzugs rekonstruieren lassen und wie sich diese über den Untersuchungszeitraum hinweg verändern.
Die Relevanz der Betrachtung des medial vermittelten Diskurses kann einerseits unter Rückgriff auf die gesellschaftliche Spiegel- und Meinungsbildungsfunktion (Gerhards 2004: 308), andererseits durch die ausgeprägte Selektions- und Deutungsfunktion der Massenmedien (Keller 2010: 211f.) in Bezug auf die gesellschaftliche Relevanzzuschreibung von Ereignissen begründet werden. Weiterhin ist davon auszugehen, dass Diskurse sowohl als Folge als auch als Ursache sozialer Prozesse, Verhaltensweisen und Praktiken zu verstehen sind (Keller 2011: 59). Folgt man den Ausführungen Foucaults (1981: 74), sind Diskurse „[...] als Praktiken zu behandeln, die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen.“ Die vorliegende Arbeit stellt sich damit in theoretischer Hinsicht in die Tradition der Wissenssoziologie, welche dem Wissen im Allgemeinen und Diskursen – verstanden als typisierende, institutionalisierende, objektivierende und legitimierende Aushandlungsprozesse der Wissensvermittlung im weitesten Sinne – im Speziellen eine hohe Relevanz in Bezug auf die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit zuschreibt (Berger/ Luckmann 1999).
I. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema Familiennachzug, stellt die Relevanz des Themas im Migrationskontext heraus und formuliert die Forschungsfragen sowie das methodische Vorgehen.
II. Kontext: Familiennachzug: Dieses Kapitel liefert eine begriffliche Einordnung, erläutert den Aufenthaltsstatus und zieht demographische Daten heran, um den Familiennachzug in den größeren Migrationskontext zu setzen.
III. Forschungsstand: Hier wird die bisherige sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Migrationsdiskurs dargelegt und die Forschungslücke für den spezifischen Diskurs zum Familiennachzug aufgezeigt.
IV. Theoretische Einbettung: Das Kapitel verankert die Arbeit in der Wissenssoziologie, erläutert die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit und führt den Diskursbegriff sowie die Rolle der Massenmedien ein.
V. Methodologie: Hier wird das Mixed-Methods-Forschungsdesign, bestehend aus Distant Reading und wissenssoziologischer Diskursanalyse (Close Reading) im Rahmen des Blended Readings, detailliert beschrieben.
VI. Korpusgenerierung: Dieses Kapitel beschreibt den Prozess der systematischen Auswahl, Eingrenzung und manuellen sowie automatischen Selektion der untersuchten Online-Artikel.
VII. Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren deskriptive Daten, die quantitativen Auswertungen des Distant Readings und die tiefergehenden qualitativen Erkenntnisse des Close Readings zu den zentralen Diskurssträngen.
VIII. Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungsansätze und methodische Entwicklungen.
Familiennachzug, Migrationsdiskurs, Wissenssoziologische Diskursanalyse, Mixed-Methods, Blended Reading, Massenmedien, Flüchtlingsfamilie, Integration, Prognosen, Wirklichkeitskonstruktion, Online-Berichterstattung, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, Diskursfragmente, Deutungsmuster
Die Arbeit analysiert, wie das Thema Familiennachzug in der deutschen Online-Berichterstattung zwischen 2013 und 2018 konstruiert und debattiert wurde.
Zentrale Themen sind die Integrationsdebatte, die Prognosen zur Anzahl nachziehender Personen, die rechtliche Verankerung des Familiennachzugs sowie das mediale Bild der Flüchtlingsfamilie.
Die Arbeit untersucht, welche Deutungsmuster sich im Diskurs über den Familiennachzug rekonstruieren lassen und wie sich diese im zeitlichen Verlauf des Untersuchungszeitraums verändert haben.
Die Studie nutzt ein sequenzielles Mixed-Methods-Design, das quantitative Text-Mining-Verfahren (Distant Reading) mit qualitativen Verfahren der wissenssoziologischen Diskursanalyse (Close Reading) unter dem Ansatz des Blended Readings verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Vorgehensweise, die Korpusgenerierung sowie eine ausführliche Darstellung und Interpretation der quantitativen und qualitativen Ergebnisse.
Zu den prägenden Begriffen gehören Familiennachzug, Migrationsdiskurs, Wissenssoziologische Diskursanalyse, Blended Reading, Massenmedien, Integration und Konstruktion von Wirklichkeit.
Die Arbeit zeigt, dass politische Ereignisse wie das Asylpaket II oder die Bundestagswahl 2017 einen Einfluss auf die Intensität und die inhaltliche Ausrichtung des Diskurses hatten, wenngleich keine direkten Kausalitäten unterstellt werden.
Die Untersuchung ergibt, dass sich die Berichterstattung beider Medien in Bezug auf die zentralen Deutungsmuster und die medialen Konstruktionen des Familiennachzugs kaum wesentlich unterscheiden.
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