Bachelorarbeit, 2019
65 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die journalistische Darstellungsform Reportage
2.1 Definition
2.2 Merkmale
2.3 Funktionen
2.4 Wahrheitsgehalt
3. Unterhaltung
3.1 Definitionen
3.2 Abgrenzung: Unterhaltung und Information
3.3 Infotainment
4. Unterhaltungstheorien
4.1 Forschungsfeld
4.2 Die Unterhaltungstheorie nach Josef Klein
4.2.1 Fundierung der Unterhaltungskategorien in Auseinandersetzung mit den Griceschen Kommunikationsmaximen
4.2.2 Unterschiede der Unterhaltungs- und Informationskategorien
4.2.3 Die Unterhaltungskategorien und ihre Ausprägungen
4.2.4 Unterhaltungsmaximen und Implikaturen
4.2.5 Unterhaltungs- und Informationskategorien in Texten
5. Erzeugung von Unterhaltsamkeit in den Reportagen von Claas Relotius
5.1 Untersuchungskorpus
5.2 Analysekriterien
5.3 Analyse
5.3.1 Emotionalisierung
5.3.2 Narrativierung
5.4. Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Mittel, mit denen Claas Relotius in seinen Reportagen Unterhaltsamkeit erzeugt. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, welche Strategien der Emotionalisierung und Narrativierung Relotius einsetzt, um seine Texte trotz der Fälschung von Fakten als lesenswert zu gestalten und das Unterhaltungspotential der Darstellungsform Reportage auszuschöpfen.
2. Die journalistische Darstellungsform Reportage
In diesem Kapitel wird die Darstellungsform Reportage definiert, deren Merkmale und Funktionen beschrieben sowie die Rolle des Wahrheitsgehaltes erläutert.
2.1 Definition
In der einschlägigen Literatur herrscht in Bezug auf die Reportage ein „Definitionschaos“20: Es gibt zahlreiche Definitionsversuche, die bei dem Versuch, umfassend zu sein, oft mehr verwirren als aufklären.21 Im Folgenden wird eine Definition des Fischer Lexikons Publizistik genannt, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, laut Mast, Fey und Schlüter aber zumindest die drei wichtigsten Elemente der Reportage zusammenfasst:22 „Die Reportage ist ein tatsachenorientierter, aber persönlich gefärbter Erlebnisbericht, besonders über Handlungen.“23 Die drei darin enthaltenen Elemente werden in 2.2 detaillierter erläutert.
Haller ist hingegen der Meinung, dass Etikettierungen in dem Fall nicht viel nützen und schlägt als Lösung eine funktionale Definition der Reportage vor.24 Das heißt, es ist weniger wichtig, was eine Reportage ist, sondern wichtiger, wie die Themen, Ereignisse und Erlebnisse gestaltet und vermittelt werden.25 Er nähert sich der Reportage journalistisch an, indem er deren Eignung anhand von vier Aspekten umschreibt:26 Erstens eignen sich Medien, die genügend Platz für ausführliche Schilderungen bieten und subjektiven Journalismus zulassen.27 Zweitens eigenen sich Themen, die einen besonderen Aspekt bieten und die Leser emotional am Geschehen teilhaben lassen.28 Drittens eignen sich Journalisten, die sich Erlebnissen aussetzen, diese authentisch schildern und es ihren Lesern so ermöglichen, das Geschehen mitzuerleben.29 Viertens eignen sich Leser, die bereit sind, längere und anspruchsvollere Texte zu lesen, subjektive Sprache verstehen und die Beschränkung auf einen besonderen Aspekt akzeptieren.30 Die erste und vierte Eignung sind als Rahmenbedingungen zu verstehen, aus der zweiten und dritten lassen sich Merkmale ableiten,31 die in 2.2 erläutert werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt den Betrugsfall Claas Relotius vor und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der sprachlichen Mittel zur Erzeugung von Unterhaltsamkeit.
2. Die journalistische Darstellungsform Reportage: Dieses Kapitel definiert die Reportage, grenzt sie durch Merkmale und Funktionen ab und beleuchtet die problematische Rolle des Wahrheitsgehalts.
3. Unterhaltung: Hier wird der Unterhaltungsbegriff definiert, von Information abgegrenzt und in das Konzept des Infotainments eingebettet.
4. Unterhaltungstheorien: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das Forschungsfeld und führt die Unterhaltungstheorie von Josef Klein als analytische Grundlage ein.
5. Erzeugung von Unterhaltsamkeit in den Reportagen von Claas Relotius: Das Hauptkapitel untersucht die Reportagen von Relotius anhand von Kriterien der Emotionalisierung und Narrativierung und interpretiert die Ergebnisse hinsichtlich der U-Kategorien.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Grenzen der Analyse und benennt weiterführende Forschungsaspekte.
Reportage, Unterhaltung, Infotainment, Claas Relotius, Linguistik, Emotionalisierung, Narrativierung, Josef Klein, journalistische Stilmittel, journalistische Ethik, Wahrheitsgehalt, Medienanalyse, Unterhaltungstheorie, Textanalyse, Journalismus
Die Arbeit analysiert linguistisch, mit welchen sprachlichen Mitteln Claas Relotius in seinen Reportagen Unterhaltsamkeit erzeugt hat, um zu verstehen, warum seine Texte trotz später aufgedeckter Fälschungen so erfolgreich waren.
Zentral sind die journalistische Darstellungsform Reportage, der Begriff der Unterhaltung, das Konzept des Infotainments sowie verschiedene Unterhaltungstheorien, insbesondere die von Josef Klein.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass der Erfolg von Relotius’ Reportagen nicht nur auf erfundenen Fakten beruht, sondern maßgeblich durch einen speziellen Schreibstil und bewusst unterhaltende Elemente geprägt war.
Es handelt sich um eine linguistische Analyse, die verschiedene Reportagen von Relotius anhand von zwei zentralen Analysekriterien – Emotionalisierung und Narrativierung – qualitativ und quantitativ untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Reportage und der Unterhaltungstheorie sowie in eine praktische Analyse des gewählten Korpus (bestehend aus drei ausgewählten Reportagen von Relotius).
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reportage, Unterhaltung, Infotainment, Emotionalisierung, Narrativierung, journalistische Stilmittel und Medienanalyse.
Der Wahrheitsgehalt ist der Ausgangspunkt der Problematik. Die Analyse zeigt jedoch, dass die Texte unabhängig von der Faktenlage durch ihre erzählerische und sprachliche Gestaltung eine hohe Unterhaltungswirkung erzielen.
Die Arbeit nutzt Kleins vier U-Kategorien der Unterhaltsamkeit – Abwechslung, Unbeschwertheit, Interessantheit und Eingängigkeit – um die Wirkungsweise der von Relotius eingesetzten Stilmittel zu erklären.
Narrativierung wird als Verfahren der Informationsvermittlung verstanden. Untersucht werden der dramaturgische Aufbau (Anfang, Ende, Hauptdarsteller) sowie die Personalisierung und der Einsatz direkter Rede.
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