Masterarbeit, 2019
53 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Stefan Zweig und seine Epoche
2.1. Kultur- und literaturhistorische Voraussetzungen
2.2. Gesellschaft und Sexualität
3. Raum und Geschlecht in Verwirrung der Gefühle
3.1. Die Großstadt – Berlin
3.1.1. Berlin – Stadt der Freiheit und Unabhängigkeit: Rolands Zeit in Berlin
3.1.2. Berlin – die lasterhafte Stadt: Die Ausflüge des Lehrers
3.2. Die Universität
3.3. Das Haus
3.3.1. Das Studierzimmer
3.3.2. Das Zimmer von Roland
3.4. Die Natur/ Der Naturraum
4. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht Stefan Zweigs Novelle "Verwirrung der Gefühle" unter dem Fokus von Raumdarstellungen und deren Bedeutung für Geschlechterrollen und Sexualität. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich die Handlungsorte – wie die Großstadt Berlin, die Universität, das Haus und die Natur – auf die Figuren und ihre Identitätsentwicklung auswirken und welche geschlechterrelevanten Implikationen diese Räume in der Gesellschaft um 1900 tragen.
3.1.1. Berlin – Stadt der Freiheit und Unabhängigkeit: Rolands Zeit in Berlin
[...] sobald ich von der mühsam ertragenen Lehrstunde hinaustrat in die Straßen der Stadt, jenes Berlin von damals, das ganz überrascht von seinem eigenen Wachstum, strotzend von einer allzu plötzlich aufgeschossenen Männlichkeit, aus allen Steinen und Straßen Elektrizität versprühte und ein hitzig pulsierendes Tempo jedem unwiderstehlich aufnötigte, das mit seiner raffenden Gier dem Rausch meiner eigenen, eben erst bemerkten Männlichkeit höchst ähnlich war.65
Die Darstellung des jungen Mannes und der aufstrebenden Stadt werden eng miteinander verbunden, Roland äußert sich sehr deutlich über die Bedeutung des Ortes und vergleicht die Entwicklung der Stadt mit seiner eigenen neu entdeckten Männlichkeit.
Nie habe ich Berlin so verstanden, so geliebt als damals [...] das Ungeduldigsein jeder starken Jugend, wo hätte es dermaßen sich entladen können als in dem zuckenden Schoße dieses Riesenweibes, in dieser ungeduldigen, kraftausströmenden Stadt!66
Durch eine Personifikation bekommt die Stadt als zivilisatorischer Raum hier eine entscheidende geschlechterrelevante Prägung. Die Stadt wird zum Objekt des Begehrens für den Eroberer bzw. zur willigen Hure für den Besucher und erhält dadurch die Zuschreibung eines männlichen Machtraums.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Sexualität und Geschlechterrollen in der Literatur der Wiener Moderne ein und erläutert das Ziel der Untersuchung von "Verwirrung der Gefühle".
2. Stefan Zweig und seine Epoche: Dieses Kapitel verortet Stefan Zweig und sein Werk im kulturellen und literarischen Kontext der Wiener Moderne um 1900.
2.1. Kultur- und literaturhistorische Voraussetzungen: Der Abschnitt beleuchtet die geistigen Strömungen, die das Wien der Jahrhundertwende prägten und Zweigs Schaffen beeinflussten.
2.2. Gesellschaft und Sexualität: Hier wird der gesellschaftliche Umgang mit Sexualität, Geschlechterrollen und die moralischen Spannungsfelder der Epoche dargelegt.
3. Raum und Geschlecht in Verwirrung der Gefühle: Dieses Hauptkapitel analysiert die Bedeutung von Handlungsorten als Gelenkstellen für den Diskurs über Sexualität und Geschlecht in der Novelle.
3.1. Die Großstadt – Berlin: Berlin wird als ambivalenter Raum für Freiheit und homosexuelle Subkultur sowie als männlich dominierter Ort untersucht.
3.1.1. Berlin – Stadt der Freiheit und Unabhängigkeit: Rolands Zeit in Berlin: Analyse der städtischen Erfahrung durch die Figur Roland und seine Entdeckung männlicher Identität.
3.1.2. Berlin – die lasterhafte Stadt: Die Ausflüge des Lehrers: Untersuchung der Stadt aus der Perspektive des Lehrers als Ort der geheimen homosexuellen Existenz.
3.2. Die Universität: Der öffentliche Raum der Universität wird hinsichtlich seiner Rolle in homosozialen Männerbünden und als Ort der Selbstbeherrschung diskutiert.
3.3. Das Haus: Analyse des häuslichen Raums als Ort, an dem sich private und gesellschaftliche Geschlechtergrenzen sowie Familienrollen manifestieren.
3.3.1. Das Studierzimmer: Das Arbeitszimmer wird als geschützter, männlich dominierter Rückzugsort für den intellektuellen und homosexuellen Diskurs charakterisiert.
3.3.2. Das Zimmer von Roland: Untersuchung der räumlichen Nähe des Zimmers von Roland zum Lehrer und dessen Bedeutung für Rolands Obsession.
3.4. Die Natur/ Der Naturraum: Der Naturraum wird als Ort der sportlichen Betätigung und der Machtverschiebung zugunsten der Frau analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Darstellung von Sexualität und Raum in Stefan Zweigs Novelle in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext.
Stefan Zweig, Verwirrung der Gefühle, Wiener Moderne, Geschlechterrollen, Sexualität, Raumdarstellung, Homosexualität, Männlichkeit, Identität, Geschlechterdiskurse, Berlin, Studierzimmer, Literaturwissenschaft, Gender Studies, gesellschaftliche Normen.
Die Arbeit analysiert Stefan Zweigs Novelle "Verwirrung der Gefühle" unter dem speziellen Aspekt der Raumdarstellung und deren Einfluss auf die Geschlechterrollen sowie die Entfaltung von Sexualität im Wien der Jahrhundertwende.
Die zentralen Themen sind das Spannungsfeld zwischen öffentlichem und privatem Raum, die Konstruktion von Männlichkeit und Weiblichkeit, die Darstellung von Homosexualität sowie der gesellschaftliche Einfluss bürgerlicher Moralvorstellungen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Handlungsorte – wie die Großstadt Berlin oder das Studierzimmer – als kulturelle Zeichensysteme fungieren, die das Ausleben von Sexualität entweder ermöglichen oder unterdrücken.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf erzähltheoretische Ansätze und Konzepte der Gender Studies, um die narrative Raumdarstellung und deren geschlechterrelevante Implikationen zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in vier große Räume: die Großstadt Berlin, die Universität, das Haus (mit Studierzimmer und Rolands Zimmer) sowie den Naturraum, die jeweils spezifisch hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Figuren analysiert werden.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören unter anderem "Wiener Moderne", "Homosexualität", "Männlichkeitskonstruktion", "Raumsemantik" und "bürgerliche Sexualmoral".
Das Studierzimmer dient dem Professor als geschützter Rückzugsort, in dem er seine homosexuellen Neigungen in einem intellektuellen, platonischen Austausch manifestieren kann, ohne den gesellschaftlichen Repressalien ausgesetzt zu sein.
Im Naturraum findet eine Verschiebung der Machtverhältnisse statt: Im Gegensatz zum städtischen Raum, wo der Mann als Eroberer dominiert, tritt die Frau in der Natur emanzipiert auf und kann sich in einem sportlichen Wettkampf gegen den Mann behaupten.
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