Masterarbeit, 2018
85 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die Totalitarismusforschung im 20. Jahrhundert
2.1 Die Entwicklung der Totalitarismusforschung im 20. Jahrhundert
2.1.1 Erste Phase: 1922-1930
2.1.2 Zweite Phase: 1930-1945
2.1.3 Dritte Phase: Ende der 1940er-1965
2.1.4 Vierte Phase: Ende der 1960er und 1970er Jahre
2.1.5 Fünfte Phase: Nach 1989
2.2 Das klassische Totalitarismuswerk Carl J. Friedrichs
2.2.1 Die allgemeinen Merkmale des Totalitarismus nach Carl J. Friedrich
2.2.1.1 Eine Ideologie
2.2.1.2 Eine Partei
2.2.1.3 Ein Monopol der Massenbeeinflussung
2.2.1.4 Eine terroristische Geheimpolizei
2.2.1.5 Ein Waffenmonopol
2.2.1.6 Eine zentral gelenkte Wirtschaft
2.2.2 Carl J. Friedrichs Totalitarismuskonzept in der Kritik
3 Totalitarismus und literarische Dystopie im 20. Jahrhundert
3.1 Der Dystopiebegriff
3.2 Totalitarismus in Huxleys und Orwells dystopischen Werken
3.2.1 Totalitarismus in Huxleys dystopischem Werk „Schöne Neue Welt“
3.2.1.1 Inhalt
3.2.1.2 Rezeption
3.2.1.3 Die Manifestation der totalitären Merkmale bei Huxley
3.2.1.4 Interpretation der Ergebnisse
3.2.2 Totalitarismus in Orwells dystopischem Werk „1984“
3.2.2.1 Inhalt
3.2.2.2 Rezeption
3.2.2.3 Die Manifestation der totalitären Merkmale bei Orwell
3.2.2.4 Interpretation der Ergebnisse
4 Fazit
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit die totalitären Merkmale, wie sie von Carl J. Friedrich definiert wurden, in den literarischen Dystopien „Schöne Neue Welt“ von Aldous Huxley und „1984“ von George Orwell manifestiert sind. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die theoretische Totalitarismusforschung mit fiktiven Gesellschaftsentwürfen zu verbinden und zu prüfen, inwiefern diese Werke als totalitäre Herrschaftssysteme eingeordnet werden können.
Die Manifestation der totalitären Merkmale bei Huxley
Um zu untersuchen, ob und inwieweit sich totalitäre Merkmale in Huxleys dystopischem Werk manifestierten, wird das Totalitarismuskonzept Friedrichs aus Kapitel 2.2.1 bzw. sein Mekmalskatalog herangezogen.
a) Eine Ideologie
Im Kapitel 2.2.1.1 wurde dargelegt, was Friedrich unter „totalitärer Ideologie“ verstand. Zur Erinnerung soll hier gesagt werden, dass die zweistufige Entwicklungslogik der „destruction-reconstruction“ den Hauptkern des Friedrichschen Ideologiebegriffs darstellte. Huxleys Werk in den Blick nehmend wird hier behauptet, dass nach dem fiktiven neunjährigen Krieg im Weltstaat eine all umfassende „destruction-reconstruction“ erfolgt ist. Der imaginäre Weltstaat Huxleys war nämlich das Produkt einer (Total-)Kritik des gesamten menschlichen Lebens (wie es zumindest die Menschen bis 1932 kannten, als Huxley sein Werk publizierte) und eines daraus abgeleiteten totalen Umsturzes. Diese Behauptung soll aber im Folgenden auf konkrete Beispiele gestützt werden.
Die (Total-)Kritik äußerst sich beispielsweise darin, dass im Weltstaat zahlreiche „historische Tatsachen“ (Huxley 1953: 36) – von der biologischen Erzeugung und Austragung der Menschen und dem Großziehen von Kleinkindern durch Familien, über die Existenz von Sprachen, Kulturen, menschlichen Beziehungen und dem Glauben an Gott, bis hin zur freien Entfaltung der Persönlichkeit – als „peinlich“ (ebd.) und als wirtschaftlich unproduktiv abgestempelt wurden. Auf die Argumentation stützend, dass diese Lebensart zur wirtschaftlichen Instabilität und zum menschlichen Unglück führe, wurden dann im Weltstaat radikale Veränderungen vorgenommen. Die Beispiele hierfür sind zahlreich. Da sie aber nicht alle aufgeführt werden können, wird nur im Hinblick auf die zuvor erwähnten als „peinlich“ abgestempelten historischen Tatsachen, die alle Lebensbereiche betrafen, aufgezeigt, wie die (Total-)Kritik im Weltstaat in radikalen Veränderungen resultierte.
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz des Begriffs „Totalitarismus“ in der Forschung dar und begründet die Auswahl der Dystopien von Huxley und Orwell als Untersuchungsobjekte.
2 Die Totalitarismusforschung im 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel zeichnet die verschiedenen Phasen der wissenschaftlichen Totalitarismusdebatte nach und erläutert detailliert das strukturtheoretische Konzept von Carl J. Friedrich.
3 Totalitarismus und literarische Dystopie im 20. Jahrhundert: Hier erfolgt die theoretische Einordnung des Dystopiebegriffs und die anschließende Untersuchung der Werke von Huxley und Orwell anhand der Kriterien von Friedrich.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Ozeanien als totalitäre Diktatur gelten kann, während Huxleys Weltstaat nach den gewählten Kriterien nicht als totalitär einzustufen ist.
Totalitarismus, Dystopie, Carl J. Friedrich, Huxley, Orwell, 1984, Schöne Neue Welt, Ideologie, Herrschaftsstruktur, Terror, Propaganda, Massenbeeinflussung, Politische Theorie, Literatur, Systemanalyse.
Die Arbeit untersucht die Verbindung zwischen der wissenschaftlichen Totalitarismusforschung und literarischen Dystopien des 20. Jahrhunderts, insbesondere am Beispiel von Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“ und George Orwells „1984“.
Die zentralen Felder sind die Totalitarismusforschung des 20. Jahrhunderts, die Definition des Dystopiebegriffs und die Anwendung spezifischer totalitärer Merkmale (nach Carl J. Friedrich) auf fiktive politische Systeme.
Das primäre Ziel ist es, eine „Lücke“ in der Forschung zu schließen, indem geprüft wird, ob und inwieweit die als totalitär assoziierten Dystopien tatsächlich die systematischen Kriterien einer totalitären Herrschaft erfüllen.
Die Autorin nutzt das strukturtheoretische Totalitarismuskonzept von Carl J. Friedrich als analytischen Rahmen, um diesen auf die Handlungsmechanismen in den Romanen Huxleys und Orwells anzuwenden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Erläuterung der Totalitarismustheorie von Friedrich und eine anschließende systematische Analyse der beiden Romane bezüglich der sechs definierten Merkmale (Ideologie, Partei, Massenbeeinflussung, Terror, Waffenmonopol, Wirtschaft).
Schlüsselbegriffe sind Totalitarismus, Dystopie, Herrschaftsmonopol, Ideologie sowie die spezifischen Werke „Schöne Neue Welt“ und „1984“.
Das Modell wurde gewählt, weil es eine besonders systematische und strenge Definition von Totalitarismus bietet, die sich hervorragend eignet, um die komplexen politischen Strukturen der fiktiven Welten methodisch zu erfassen.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass der Weltstaat in Huxleys Werk nach den Kriterien Friedrichs nicht als totalitär zu klassifizieren ist, da dort wesentliche Elemente wie systematischer Terror und eine Geheimpolizei fehlen.
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