Masterarbeit, 2017
74 Seiten, Note: 1,7
I Einleitung
II Zwischen Akzeptanz und Ablehnung – gesellschaftlich religiöse Wahrnehmung von Juden im Mittelalter bis zum Jahre 1349 unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Straßburg
II.1 Jüdisches Leben im christlich geprägten Umfeld des Mittelalters
II.1.1 Die rechtlich-soziale Stellung der Juden in Straßburg vor 1349
II.1.1.1 Viertes Laterankonzil von 1215
II.1.1.2 Der Schutzbrief Karls IV. von 1347
II.1.2 Die wirtschaftliche Bedeutung der Juden für die Stadt Straßburg
II.2 Mittelalterliche Judenfeindschaft
II.2.1 Klerikale Begründungen von mittelalterlicher Judenfeindschaft
II.2.1.1 Die Juden als Gottesmörder
II.2.1.2 Die Juden als Ritualmörder
II.2.1.3 Die Juden als Hostienschänder
II.2.2 Weltliche und klerikale Begründungen mittelalterlicher Judenfeindschaft
II.2.2.1 Die Juden als „Wucherer“
II.2.2.2 Die Juden als Brunnenvergifter zur Zeit der Pest von 1348-1353
II.2.2.2.1 Das Motiv der Brunnenvergiftung erreicht Straßburg
II.2.2.2.2 Die Juden als „Sündenbock“ – Phänomen des Sündenbocks
III Der Judenpogrom von 1349 in der Stadt Straßburg
III.1 Politische und gesellschaftliche Unruhen in Straßburg im Vorfeld des Judenpogroms im Jahre 1349
III.2 Die Realisierung des Judenpogroms zu Straßburg 1349
III.3 Das Resultat des Judenpogroms zu Straßburg im Jahre 1349
III.3.1 Die Sicherung des Judenerbes und die Reaktion von König Karl IV.
III.3.2 Effekte des Straßburger Judenpogroms
III.4 Wiederansiedlung der Juden in Straßburg nach dem Pogrom
IV Eintreffen und Ausbruch der Pest in Straßburg im Jahre 1349
V Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialgeschichtlichen Hintergründe und die Auslöser des Judenpogroms in Straßburg im Jahr 1349. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob die Pestepidemie die tatsächliche Ursache für die Verfolgung war oder lediglich als Vorwand für politisch und ökonomisch motivierte Handlungen diente.
II.2.1.1 Die Juden als Gottesmörder
„Die haben den Herrn Jesus getötet und die Propheten und haben uns verfolgt und gefallen Gott nicht und sind allen Menschen feind“151, schreibt Paulus im ersten Brief an die Thessalonicher. Mit diesem Paulus-Zitat aus dem Neuen Testament lässt sich im Wesentlichen bereits der Kern der mittelalterlichen christlichen Judenfeindschaft erfassen, denn die darin enthaltene Anschuldigung an die Juden verbreitete sich auf allen Wegen der religiösen Unterweisungen und fand beispielsweise zahlreichen Ausdruck im Bildschmuck von Kirchen, wodurch das Miteinander der beiden Glaubensgemeinschaften zunehmend negativer geprägt wurde152. Die Christen gaben den Juden die Kollektivschuld am Tod Jesu Christi153, da ihrer Ansicht nach nicht die Soldaten des römischen Statthalters, sondern die Juden Jesus Christus umgebracht hätten, indem sie jenen verleugnet hätten154. Hinzukommend implizierte dieser Vorwurf an die Juden, den Mord des Gottessohnes und Messiasprätendenten Jesus verschuldet zu haben, ebenfalls die Anschuldigung, Gott selbst getötet zu haben155. Diese Schuld wurde als erblich angesehen und konnte lediglich durch die individuelle Taufe beglichen werden156. Auch die später entstandenen synoptischen Evangelien verbreiteten diese Anschuldigung in ihren Jesusdarstellungen mit Nachdruck, insbesondere in den Passionsgeschichten, indem die römischen Behörden zunehmend von der Schuld entlastet und die Juden dementsprechend mit dieser belastet wurden157. Dieser Umstand wird besonders im Johannesevangelium deutlich, in dem nicht mehr die Pharisäer und Sadduzäer als Gegner Jesu aufgeführt werden, sondern die Juden, die als Kinder des Teufels dargestellt werden158.
I Einleitung: Vorstellung der chronistischen Quellen Fritsche Closener und Jacob Twinger von Königshofen sowie Darlegung des wissenschaftlichen Rahmens der Pest und der Judenverfolgungen.
II Zwischen Akzeptanz und Ablehnung – gesellschaftlich religiöse Wahrnehmung von Juden im Mittelalter bis zum Jahre 1349 unter besonderer Berücksichtigung der Stadt Straßburg: Untersuchung der rechtlichen und sozialen Stellung der jüdischen Minderheit in Straßburg vor der Pest und Analyse der mittelalterlichen Antijudaismus-Motive.
III Der Judenpogrom von 1349 in der Stadt Straßburg: Konkrete Analyse der Unruhen, des Pogromablaufs in Straßburg, der Aneignung des jüdischen Erbes sowie der Rolle König Karls IV. und der langfristigen Folgen.
IV Eintreffen und Ausbruch der Pest in Straßburg im Jahre 1349: Darstellung der Pestepidemie in der Stadt, der symptomatischen Auswirkungen und der vergeblichen Versuche der städtischen Obrigkeit, die Ausbreitung einzudämmen.
V Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage, die den Pogrom als Resultat ökonomischer und politischer Instrumentalisierung identifiziert, verstärkt durch die psychologische Komponente der Pestangst.
Straßburg, Judenpogrom 1349, Pest, Schwarzer Tod, Brunnenvergiftung, Antisemitismus, Mittelalter, Sündenbock-Phänomen, Wirtschaftsgeschichte, Schuldentilgung, Fritsche Closener, Jacob Twinger von Königshofen, Judenfeindschaft, Hostienschändung, Ritualmordlegende.
Die Masterarbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf des Judenpogroms in Straßburg im Jahr 1349 im Kontext der Pestepidemie des 14. Jahrhunderts.
Die Arbeit beleuchtet das mittelalterliche Judentum, ökonomische Abhängigkeiten, religiös motivierte Judenfeindlichkeit, soziale Krisenphänomene und städtische Machtpolitik.
Ziel ist es zu klären, ob die Pest der tatsächliche Auslöser für den Pogrom war oder ob sie lediglich als Vorwand für finanzielle und politische Ziele der christlichen Mehrheitsgesellschaft fungierte.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung zeitgenössischer Chroniken (u.a. von Closener und Königshofen) und städtischer Urkundenbücher basiert.
Der Hauptteil analysiert die rechtliche Stellung der Juden, antijüdische Mythen, die spezifischen politischen Spannungen in Straßburg sowie die systematische Enteignung und Verfolgung der jüdischen Gemeinde.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sündenbock-Phänomen, materielle Interessen, christlicher Antijudaismus, wirtschaftliche Verdrängung und politische Machtkämpfe.
Swarber war eine zentrale Figur des bürgerlichen Stadtregiments; sein Sturz, der unter dem Deckmantel der Judenfrage erfolgte, entzog den Juden ihren Schutz und machte den Weg für den Pogrom frei.
Viele Adlige und Ratsmitglieder waren bei jüdischen Gläubigern hoch verschuldet. Der Pogrom diente der Annulierung dieser Schulden und der Aneignung jüdischen Vermögens unter dem Vorwand religiöser Reinheit.
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