Examensarbeit, 2005
56 Seiten, Note: 1
Einleitung
1. Was und wie man sich bewegt:
Vom Gesellschaftstanz zum Turniersport
1.1 Vom Tanz der Gesellschaft zum Gesellschaftstanz
1.2 Reformbewegungen
2. Worin man sich bewegt:
Outfit und Styling beim Turniertanz
2.1 Das Tanzkleid als Tanzhülle
2.2 Tanzhaar
2.3 Der Habitus
2.3.1 Turniertanz als Lebenseinstellung
2.3.2 Der Schein als Klassifizierungsmerkmal
2.3.3 Das Bürgertum als Vorbild
2.4 Sexuelle Komponenten
2.4.1 Geschlechterpolarisierung
2.4.2 Steigerung der Attraktivität
2.4.3 Kommuniziertes Geschlechterideal
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die soziokulturelle Bedeutung von Mode, Styling und ästhetischem Erscheinungsbild im Standard-Turniertanz, um zu verstehen, wie sich historische bürgerliche Ideale in der modernen Tanzsport-Performance widerspiegeln.
Der Schein als Klassifizierungsmerkmal
Gerade weil das Tanzen im Vordergrund des Wettkampfes stehen sollte und nicht das Erscheinungsbild, entwickelte die ‚International Dance Sport Federation’ (IDSF), sowie die einzelnen Verbände - in Deutschland der Deutsche Tanzsportverband (DTV) - eine Turnierordnung, die neben allen organisatorischen Fragen auch die des Stylings und des Outfits reglementieren sollen. Seit geraumer Zeit ist sie nun für alle Turnierpaare, Organisatoren und Wertungsrichter verbindlich und wird (meist) akribisch befolgt.
In den so genannten „IDSF dress regulations“ wird zum Beispiel genau festgelegt, wie lang ein Lateinkleid zu sein hat, welche Farbe das Höschen unter diesem haben darf oder welche Körperpartien unbedingt und ausnahmslos zu bedecken sind. Entsprechende Vorschriften sind auch für das Standard-Outfit, sowie für die Kleidung des tanzenden Herren zu finden.
Ziel ist, das optische Erscheinungsbild der Turnierteilnehmer zu reglementieren und diese zu mehr Schlichtheit zu erziehen. Ob das der Kleiderordnung allerdings gelingt, ist fragwürdig, da der Turniertanz gleichermaßen ein ‚Zwitterdasein’ führt, das zwischen Sport und Kunst zu kategorisieren ist. Weder ist er ausschließlich als Sport zu betrachten, noch kann er aufgrund seines agonalen Charakters den darstellenden Künsten eindeutig zugeordnet werden.
Einleitung: Einführung in die Ambivalenz der Tanzmode und die Zielsetzung der Untersuchung im soziokulturellen Kontext.
Was und wie man sich bewegt: Vom Gesellschaftstanz zum Turniersport: Historische Herleitung der Tanzsportentwicklung aus der Trennung von Adel und Volk sowie den Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts.
Worin man sich bewegt: Outfit und Styling beim Turniertanz: Analyse der funktionalen und symbolischen Bedeutung von Kostüm, Frisur und individuellem Habitus.
Das Tanzkleid als Tanzhülle: Untersuchung der ästhetischen Funktionen des Tanzkleides als Medium der Bewegungsvisualisierung.
Tanzhaar: Analyse der Frisur als Element der Disziplinierung und Repräsentation von Ordnung im Tanzsport.
Der Habitus: Diskussion des sozialen Anspruchs und des exhibitionistischen Aspekts im Tänzerleben.
Turniertanz als Lebenseinstellung: Betrachtung des hohen Aufwands und des Körperkults, der das Tänzerleben jenseits des reinen Sports prägt.
Der Schein als Klassifizierungsmerkmal: Auseinandersetzung mit der Reglementierung durch Dress-Codes und deren Wirksamkeit.
Das Bürgertum als Vorbild: Exkurs über den Einfluss bürgerlicher Stilepochen auf das heutige Verständnis von Tanzmode.
Sexuelle Komponenten: Untersuchung der erotischen Konnotationen und Geschlechterrollen im Turniergeschehen.
Geschlechterpolarisierung: Analyse der strikten Rollenverteilung zwischen Mann und Frau im Standard- und Lateintanz.
Steigerung der Attraktivität: Diskussion des bewussten Einsatzes von Styling zur Steigerung der visuellen Wirkung.
Kommuniziertes Geschlechterideal: Zusammenfassende Betrachtung der Vermittlung klischeehafter Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder.
Fazit: Resümee über die Verflechtung von Manierismus, Ästhetik und Funktionalität im Turniertanz.
Turniertanz, Gesellschaftstanz, Tanzkleid, Habitus, Geschlechterpolarisierung, Ästhetik, Tanzsport, Performance, Inszenierung, bürgerliche Ideale, Styling, IDSF, Körperbeherrschung, Standardtanz, Lateintanz.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Mode und Styling im Turniertanz und setzt diese in Bezug zum soziokulturellen Hintergrund sowie zu historischen bürgerlichen Idealen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung des Tanzsports, der Funktion von Kleidung und Frisuren sowie der soziologischen Konstruktion von Geschlechterrollen im Turniertanz.
Das Ziel ist es, die gegenwärtigen Erscheinungsformen und Ausdrucksformen der Tanzmode zu deuten und zu verstehen, warum bestimmte traditionelle Normen im Sport so vehement beibehalten werden.
Die Arbeit nutzt einen kulturwissenschaftlichen Ansatz, der soziologische Konzepte (z. B. Habitus, Inszenierung) mit historischen Kontextualisierungen und einer Analyse der offiziellen Turnierordnungen (IDSF) verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Kleidung, des Haars, des Habitus der Tänzer und der stark ausgeprägten Geschlechterrollen, jeweils unterfüttert mit historischer Herleitung.
Turniertanz, Geschlechterpolarisierung, Habitus, Tanzkleid, Inszenierung, bürgerliche Ideale und Performance.
Die Frisur dient nicht nur als funktionales Element, um das Haar zu bändigen, sondern fungiert als Metapher für die innere Ordnung und die professionelle Kultiviertheit des Tänzers.
Die Autorin sieht eine Gefahr in der Entzeremonialisierung der Welt, da der Turniertanz durch seine traditionellen, zeremoniellen Wurzeln als "Sonderling" wirkt, der sich gegen moderne, androgyne Zeitgeister behaupten muss.
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