Masterarbeit, 2019
64 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
1.3 Forschungsstand
2. Fremdenwahrnehmung und –darstellung
2.1 Wahrnehmungsmuster des Fremden
2.2 Der Fremdendiskurs in der Literatur
2.3 Der ethnographische Abenteuerroman
3. Analyse der Abenteuerromane
3.1 Wildnis und Zivilisation
3.2 Begegnung mit dem Fremden
3.2.1 Idealisierung
3.2.2 Winnetou als Edler Wilder
3.2.3 Herabwürdigung
3.2.4 Feindschaft
3.3 Prozesse der Verwestlichung
3.3.1 Bündnisse
3.3.2 Zivilisierung
3.3.3 Missionierung
3.3.4 Verdrängung
4. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das „Fremde“ in den Abenteuerromanen von Karl May und Balduin Möllhausen dargestellt wird und welchen Diskursen diese Darstellung unterliegt. Dabei steht die Frage im Zentrum, durch welche Kategorien und Traditionen, insbesondere den Topos des „Edlen Wilden“, das Bild des Anderen geprägt wird und inwieweit diese literarische Konkretisierung bestehende Vorurteile und kulturelle Projektionen widerspiegelt.
3.1 Wildnis und Zivilisation
„Damit ist der Zugang zu Mays Darstellung der Indianer gewonnen. Diese setzt den Gegensatz von Natur und Zivilisation voraus.“131 Bevor die Begegnung mit dem Fremden stattfindet, kommt der Wanderer als Erzähler der Reise- und Abenteuerromane in einer fremden Umgebung an, in die sich die Figuren eingliedern, an die sie sich anpassen oder an der sie scheitern. Deshalb setzt das Verständnis der Figuren und ihrer Handlungen eine Betrachtung der semantischen Räume,132 in denen sie agieren, voraus. Natur und Zivilisation bilden eine dichotomische Raumstruktur, die zu Spannungen und Konflikten führt, wann immer beide Räume in Kontakt kommen.
Laut Sehm habe die Landschaft bei Karl May stets eine Funktion, da er die Umgebung seiner Handlung anpasse und hiermit die Voraussetzungen für seine Abenteuer schaffe.133 Die Landschaftsschilderungen sind oft dem Kapitel vorangestellt und bilden den Rahmen für die nachfolgenden Geschehnisse. Die Verknüpfung der Beschreibung fremder Länder und Völker mit der Schilderung von Abenteuern entspricht der Gattung des ethnographischen Abenteuerromans. Die Prärie als Haupthandlungsort bietet am besten die Freiheit und Offenheit, die der Reisende erwartet. May betont die grenzenlosen Weiten hierbei mit der Ozean-Metaphorik.134
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Diskurs des Fremden in den Werken von Karl May und Balduin Möllhausen zu untersuchen und den theoretischen Rahmen sowie den methodischen Ansatz zu skizzieren.
2. Fremdenwahrnehmung und –darstellung: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen zur Wahrnehmung von Fremdheit, Stereotypen und literarischen Diskursen wie dem Topos des „Edlen Wilden“ dar.
3. Analyse der Abenteuerromane: Im Hauptteil werden die literarischen Räume, die Begegnung mit dem Fremden durch Idealisierung oder Herabwürdigung sowie die Prozesse der Verwestlichung detailliert analysiert.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass das „Fremde“ in den untersuchten Texten primär als Projektion des Eigenen fungiert und maßgeblich zur Stabilisierung kultureller Stereotypen beiträgt.
Fremdendiskurs, Karl May, Balduin Möllhausen, Abenteuerroman, Edler Wilder, Zivilisation, Wildnis, Ethnographie, Stereotyp, Kolonialismus, Figurenanalyse, Winnetou, interkulturelle Begegnung, Alterität, Missionierung
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung des Fremden und die damit verbundenen Diskursmuster in den Abenteuerromanen von Karl May und Balduin Möllhausen im 19. Jahrhundert.
Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmung von Fremdheit, der Abgrenzung von Räumen (Wildnis vs. Zivilisation), der Figurenanalyse sowie der Bedeutung von Zivilisierungs- und Missionierungsprozessen.
Es soll herausgearbeitet werden, welche Kategorien der Fremdendarstellung verwendet werden und wie sich der Diskurs des Eigenen gegenüber dem Fremden in den Werken konkretisiert.
Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der Elemente der Diskursanalyse nach Foucault und kulturwissenschaftliche Theorien zur Fremdheitserfahrung kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der semantischen Räume, die detaillierte Figurenanalyse hinsichtlich Idealisierung und Herabwürdigung sowie die Untersuchung von interkulturellen Bündnissen und Missionierungseffekten.
Wichtige Begriffe sind Fremdendiskurs, Edler Wilder, Zivilisationskritik, Alterität, Stereotype und der ethnographische Abenteuerroman.
Winnetou wird als ein Musterbeispiel für die Idealisierung des „Edlen Wilden“ analysiert, wobei besonders sein Wandel zum „zivilisierten“ und christlich geprägten Menschen durch Einflüsse westlicher Bildung untersucht wird.
Möllhausen dient als Vergleichsautor, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung von Wildnis und Zivilisation sowie der Indianerfiguren aufzuzeigen und die Einflüsse auf Mays Werk zu beleuchten.
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