Bachelorarbeit, 2018
46 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Theorie
3. Indische Kleidungsparadigmen
4. Spannungsfelder
4.1 Stadt und Land
4.2 Klasse
4.3 Gender
4.3.a Frau als Bewahrerin der Nation
4.3.b Frau als zu beschützender Körper
4.3.c Freiheit
5. Konkrete Aushandlung im Alltag
5.1 Leggings
5.2 Sexy Sāṛī
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die komplexe Rolle weiblicher Kleidung in der indischen Gesellschaft als Marker für Identität, sozialen Status und gesellschaftliche Erwartungen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse, wie Anlass und Umfeld die Angemessenheit von Kleidung definieren, wie unterschiedliche Bedeutungszuschreibungen entstehen und welche Auswirkungen diese auf die Bewertung der Trägerin haben, wobei insbesondere die Spannungsfelder zwischen Tradition und Moderne sowie patriarchaler Kontrolle und weiblicher Emanzipation beleuchtet werden.
4.3.b Frau als zu beschützender Körper
Eine weitere Narrative, die die Tendenzen traditioneller weiblicher Demut bekräftigt ist die, der lauernden Gefahren im öffentlichen Raum. Animiert durch Medien, die fast tagtäglich von Verschleppungen und Angriffen auf junge Frauen berichten und urbanen Mythen über die gerissenen Methoden, wie Frauen in die Arme von gefährlichen Fremden gelockt wurden, entstand in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr eine Vorstellung in der Gesellschaft, die den öffentlichen Raum für Frauen als gefährlich klassifiziert (vgl. Gilbertson 2014: 133; Phadke 2007). Die in der hier beschriebenen Perspektive inhärente Narrative des Protektionismus geht davon aus, dass Frauen fragil seien und deshalb vor allem von Männern beschützt werden müssten (Gilbertson 2014: 135; Bose 2010: 61). So meint eine junge Frau in einem Interview:
„Wenn sie allein lebt, weiß sie, daß sie wie eine betrachtet wird, die für jeden zu haben ist. Öffentliches Eigentum! Die männliche Psyche sieht so aus: Sie denken, sie ist allein; deshalb ist sie zu haben und öffentliches Eigentum. Darum ist es besser, mit einem Mann zu leben, der ein bekannter Feind ist als unter Männern, die anonyme Feinde sind.“ (Reiter 1997: 130)
Eine Frau zu sein bedeute demnach bedroht zu sein. So wird es ihr von Medien und der Gesellschaft eingeschärft. Auch die Eltern tragen mit Sätzen wie „Wenn jemand nach dir pfeift, ignorier es einfach“, „Komm nach Hause bevor es dunkel wird“ oder „Steige nur in den Bus, wenn du auch andere Frauen drinnen siehst“ dazu bei, dass Mädchen für die potentiell gefährliche Atmosphäre des öffentlichen Raums sensibilisiert werden. Ihre Söhne müssen solche Dinge allerdings nicht hören.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Kleidung als bedeutungsgeladenes Kommunikationsmittel und Darlegung der zentralen Forschungsfrage im Kontext indischer Frauen der Mittelklasse.
2. Theorie: Theoretische Fundierung durch Pierre Bourdieus Konzepte von Habitus, Klasse und Feld, um die Dynamik von Wahrnehmung, Bewertung und Kleidungswahl zu erklären.
3. Indische Kleidungsparadigmen: Deskriptive Einordnung der dominanten Kleidungsstile Sāṛī und Salvār Kamīz sowie deren Bedeutung für das indische Verständnis von Identität und Tradition.
4. Spannungsfelder: Analyse gesellschaftlicher Diskursräume, unterteilt in die Dimensionen Stadt/Land, Klasse und Gender, um die Pole zwischen Tradition/Moderne sowie Schutz/Freiheit zu verdeutlichen.
5. Konkrete Aushandlung im Alltag: Anwendung der theoretischen Konzepte auf ethnografische Fallbeispiele (Leggings-Trend, persönliche Narrative zum Sāṛī), um die individuellen Aushandlungsprozesse von Kleidung in konkreten Alltagssituationen zu illustrieren.
6. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass die Bewertung von Kleidung ein dynamischer, individueller Aushandlungsprozess ist, der eng mit habituellen Prägungen verknüpft bleibt, aber durch normabweichendes Handeln diskursiv verändert werden kann.
Indien, Ethnologie, Kleidung, Habitus, Feld, Bourdieu, Mittelklasse, Gender, Protektionismus, Identität, Sāṛī, Salvār Kamīz, soziale Normen, Aushandlungsprozesse, Emanzipation
Die Arbeit untersucht, wie indische Frauen Kleidung im Alltag wählen, wie diese von ihrem Umfeld wahrgenommen und bewertet wird und welche gesellschaftlichen Machtstrukturen – wie etwa das Patriarchat oder Klassenunterschiede – diese Entscheidungsprozesse beeinflussen.
Zentrale Themen sind die theoretische Perspektive nach Bourdieu, der Einfluss von regionaler Herkunft (Stadt vs. Land), die soziale Klassenstruktur, geschlechtsspezifische Rollenbilder sowie der Emanzipationskampf indischer Frauen.
Ziel ist es zu zeigen, dass Kleidung in Indien nicht nur ein Schutzobjekt ist, sondern ein hochgradig symbolischer Gegenstand, an dem Kämpfe um gesellschaftliche Teilhabe, moralische Vorstellungen und persönliche Identität ausgetragen werden.
Die Arbeit nutzt einen ethnologisch-theoretischen Ansatz, der existierende Feldstudien und Interviews (u.a. von Gilbertson, Phadke und Kuldova) mit der soziologischen Theorie von Pierre Bourdieu verknüpft, um Kleidungsphänomene zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Beschreibung indischer Kleidungsparadigmen, die Analyse von Spannungsfeldern (Klasse, Gender, Stadt/Land) und die Auswertung konkreter ethnografischer Fallstudien, die Konflikte um Kleidung illustrieren.
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Identität, Bourdieu, Gender, Protektionismus, soziale Normen und Aushandlungsprozesse charakterisiert.
Das Umfeld prägt den individuellen Habitus einer Person. Dieser führt dazu, dass Menschen intuitiv Kleidung wählen oder bewerten, die ihre soziale Position und Zugehörigkeit zu einem Milieu unterstreicht, wobei ein Bruch mit diesen Normen oft zu gesellschaftlicher Kritik führt.
Aushandlungsprozess beschreibt die Dynamik, wenn durch das Tragen "unangemessener" Kleidung die gewohnte gesellschaftliche Ordnung gestört wird, was die Beteiligten dazu zwingt, ihre eigenen Normvorstellungen zu reflektieren und diskursiv neu zu verhandeln.
Die Scheidung wird als Akt der Rebellion analysiert. Die Protagonistin Sushmita nutzt ihre Kleidung nach der Scheidung bewusst, um ihre neugewonnene Autonomie, ihre Individualität und ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung auszudrücken, was einen bewussten Bruch mit konservativen Familientraditionen darstellt.
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