Masterarbeit, 2019
64 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Theoretische und historische Grundlagen
1.1 Arten von Langeweile und wichtige Vertreter
1.2 Langeweile im 19. Jahrhundert
2. Die unter Langeweile Leidenden
2.1 Das Drama Dantons Tod
2.1.1 Der Revolutionsführer Danton
2.1.1.1 Genuss, Leiden am Immergleichen und existentielle Langeweile
2.1.1.2 Geschichtsfatalismus als Ursache der Langeweile?
2.1.2 Langeweile als Umschreibung für Wiederholung und Monotonie
2.2 Das Lustspiel Leonce und Lena
2.2.1 Langeweile als Merkmal von Aristokratie und Bourgeoisie
2.2.2 Prinz Leonce: Blasierte Langeweile, Lebensüberdruss und Zeitvertreib
2.2.3 Persiflage der Zeitkrankheit und Sinnlosigkeit der abgelebten Gesellschaft
2.3 Das Dramenfragment Woyzeck
2.3.1 Der Hauptmann als Angehöriger der privilegierten Gesellschaftsschicht
2.3.2 Der sich langweilende Hauptmann – eine Lustspielfigur?
2.4 Das Erzählfragment Lenz
2.4.1 Leidet Büchners Lenz an Langeweile?
2.4.2 Die Passage über Langeweile in Büchners Lenz
3. Langeweile – ein metaphysisches Leiden oder ein sozialbedingtes Problem?
Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Langeweile in den Werken von Georg Büchner, um zu klären, ob es sich dabei um ein metaphysisches Leiden oder ein sozialbedingtes Phänomen handelt. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit das Motiv der Langeweile zur Gesellschaftskritik genutzt wird und ob der Autor ein Mitgefühl für seine gelangweilten Figuren aufbringt.
2.1.1.1 Genuss, Leiden am Immergleichen und existentielle Langeweile
Schon in der ersten Szene des Dramas klingt die Thematik der Langeweile unterschwellig an: Danton und seine Anhänger werden im Rahmen eines Kartenspiels eingeführt, das in aristokratischen Kreisen ein beliebtes Mittel darstellt, um gegen den ‚Ennui‘ bzw. die Langeweile vorzugehen. Hier werden bereits die aristokratisch anmutenden Lebensbedingungen der Gruppe um Danton vorgeführt, an denen sich Robespierre, seine Anhänger und später auch das Volk stören und die den Untergang der Dantonisten mitbedingen. Sie leben nach der Genussphilosophie Epikurs, die die Glückseligkeit als höchstes Gut betrachtet, und richten ihre politischen Ziele an dieser aus: „Der göttliche Epicur und die Venus mit dem schönen Hintern müssen […] die Thürsteher der Republik werden.“ (S. 68). Statt die Revolution weiter voranzutreiben, die Dantons eigener Aussage nach noch nicht an ihrem Ziel angekommen ist (vgl. S. 69), ist er bei den Grisetten des Palais Royal zu finden. Büchner überträgt in dieser Darstellung die alleinige Beschäftigung mit erotischen Eroberungen als ab dem 18. Jahrhundert geltendes Merkmal der ausschweifenden, zunehmend von der Macht ausgeschlossenen Aristokratie auf seinen Protagonisten.
Einleitung: Einführung in die Zeitumstände Georg Büchners sowie in den literarischen Diskurs über die Langeweile und die Forschungsfrage der Arbeit.
1. Theoretische und historische Grundlagen: Definition von Symptomen und Arten der Langeweile im 19. Jahrhundert sowie die Auffassungen bedeutender Philosophen und Dichter.
2. Die unter Langeweile Leidenden: Analyse der Darstellung von Langeweile in Büchners Hauptwerken anhand ausgewählter Protagonisten.
3. Langeweile – ein metaphysisches Leiden oder ein sozialbedingtes Problem?: Zusammenführende Diskussion der Forschungskontroversen und Einordnung der Langeweile als sozialbedingtes Problem.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfrage und Vorschläge für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen.
Georg Büchner, Langeweile, Dantons Tod, Leonce und Lena, Woyzeck, Lenz, Vormärz, Gesellschaftskritik, Aristokratie, Bourgeoisie, Zeitkrankheit, Melancholie, Lebensüberdruss, Zeitvertreib, Existentialismus.
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung der Langeweile in den Werken von Georg Büchner und analysiert diese im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen der Zusammenhang zwischen sozialem Status und Langeweile, die Funktion von Arbeit und Müßiggang sowie die Rolle des Zeitvertreibs bei den Protagonisten.
Das Ziel ist zu ergründen, ob die Langeweile bei Büchner eine existentiell-metaphysische Gegebenheit darstellt oder ob sie als Resultat gesellschaftlicher Entfremdung und materieller Privilegien zu verstehen ist.
Die Arbeit folgt einer hermeneutischen Methodik und verfährt methodenpluralistisch, indem sie literarische Diskursanalyse mit historischem Kontextwissen verbindet.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Figuren Danton, Leonce, den Hauptmann und Lenz hinsichtlich ihres Verhältnisses zur Zeit, ihrer Beschäftigungen und ihrer Reflexionsfähigkeit.
Die Arbeit zeichnet sich durch die These aus, dass die Langeweile bei Büchner primär ein sozialbedingtes Problem der privilegierten Schichten ist, das gesellschaftskritisch entlarvt wird.
Während Danton seine Langeweile als existenziell reflektiert und mit der Sinnlosigkeit der Geschichte verknüpft, ist der Hauptmann eine geistesleere Karikatur, die unfähig ist, ihr Leiden begrifflich zu fassen.
Im Gegensatz zu Danton oder Leonce leidet Lenz nicht primär unter Langeweile, sondern unter einer pathologischen religiösen Melancholie; sein Sprechen über Langeweile ist als phrasenhaftes Zitat zu verstehen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

