Bachelorarbeit, 2018
56 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Historische Entwicklung des deutschen Modells der Industriellen Beziehungen
1.2. Konzeptioneller Rahmen
1.3. Die Arena „Tarifautonomie“ und ihre Akteure
1.4. Instrumente der Arbeitsmarktpolitik
2. Entwicklung der Rahmenbedingungen des deutschen Tarifsystems
2.1. Arbeitsmarkt: Erosion des Flächentarifvertragssystems / Ausweitung des Niedriglohnsektors
2.2. Wissenschaft: Allgemeiner Mindestlohn als probates Mittel gegen „Armut trotz Arbeit“
2.3. Gesellschaft: Steigende plebiszitäre Zustimmung
2.4. Politik: Handlungsdruck aufgrund der negativen Arbeitsmarktentwicklung seit der deutschen Wiedervereinigung 1990
2.5. Organisation: Sinkende Organisationsstärke der Einzelgewerkschaften
3. Wie reagieren die gewerkschaftlichen Akteure auf die veränderten sozioökonomischen Einflussfaktoren?
3.1. Dienstleistungsgewerkschaften
3.1.1 Positionsentwicklung der NGG
3.1.2 Positionsentwicklung von ver.di
3.2. Industriegewerkschaften
3.2.1 Positionsentwicklung der IG Metall
3.2.2 Positionsentwicklung der IG BCE
4. Der DGB auf dem Weg zum gesetzlichen Mindestlohn
4.1. Der DGB-Bundeskongress 2002
4.2. Die „Initiative Mindestlohn“
4.3. Der DGB-Bundeskongress 2006
5. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit analysiert die organisationstheoretischen Hintergründe und den Entscheidungsprozess innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Weg zur Forderung nach einem flächendeckenden, gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland. Die Forschungsfrage untersucht dabei, welche spezifischen sozioökonomischen Rahmenbedingungen die unterschiedlichen Haltungen der Gewerkschaftslager beeinflussten und wie der innergewerkschaftliche Konsens zur Mindestlohnforderung trotz anfänglicher Kontroversen hergestellt werden konnte.
1.1. Historische Entwicklung des deutschen Modells der Industriellen Beziehungen
Im Nachkriegsdeutschland formte sich als (zunächst nur west-)deutsche Version der sozialen Marktwirtschaft der sog. „Rheinische Kapitalismus“ als Wirtschaftsordnung heraus, der sich insbesondere durch „[...] eine komplexe Arbeitsteilung zwischen einer politisch regulierten Marktwirtschaft und einem Wohlfahrtsstaat [...] [ergänzt] durch umfangreiche Regulierungssysteme der Tarifparteien“ (Schmidt 2008: 367) auszeichnet. Der ursprünglich durch das „Stinnes-Legien-Abkommen“ begründeten und nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder aufgenommenen Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften kam also im arbeits- und sozialpolitischen Raum eine umfassende Gestaltungs- und Ordnungsfunktion zu, in der der Staat lediglich die Rahmenbedingungen festsetzte.
Institutionalisiert wurde dieser Rahmen durch die seit 1949 durch Grund- sowie Tarifvertragsgesetz rechtlich geschützte Tarifautonomie (dazu ausführlicher Kapitel 1.3). Müller-Jentsch (2012: 25 f.) beschreibt die Eigenschaften des so entstandenen bilateralen Systems wie folgt:
Ein derartiges Regelungssystem gewinnt – zumal wenn seine Institutionalisierung von staatlicher Seite ratifiziert wird – zwar eine relative Stabilität und Resistenz gegenüber Umweltveränderungen, bleibt aber prinzipiell vom Kräfteverhältnis der Akteure abhängig; relevante Verschiebungen zwischen ihnen führen gewöhnlich auch zu Änderungen im Regelungssystem.
Neben der Tarifautonomie gibt es im deutschen Tarifsystem noch drei weitere Merkmale, die im europäischen Vergleich eher ungewöhnlich und z. T. auch einzigartig sind. So nennt Hyman (2010: 206 f.) in einer komparativen Analyse der Tarifsysteme der kontinentaleuropäischen Staaten in Westeuropa und Großbritanniens als weitere Elemente des deutschen Systems folgende: Es gibt keine nationalen, branchenübergreifenden Tarifverträge, da nur die Einzelgewerkschaften (nicht aber der DGB als Dachverband) die Befugnis haben, Tarifverhandlungen zu führen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Jubiläum der Sozialpartnerschaft ein und skizziert die kontroversen Debatten um die Einführung des Mindestlohns sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
2. Entwicklung der Rahmenbedingungen des deutschen Tarifsystems: Dieses Kapitel analysiert die Erosion des Flächentarifvertrags und die sozioökonomischen Faktoren wie Niedriglohnsektor, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik, die den Reformdruck erhöhten.
3. Wie reagieren die gewerkschaftlichen Akteure auf die veränderten sozioökonomischen Einflussfaktoren?: Hier werden die unterschiedlichen Anpassungsstrategien der Dienstleistungs- und Industriegewerkschaften anhand ihrer spezifischen Organisationsbedingungen untersucht.
4. Der DGB auf dem Weg zum gesetzlichen Mindestlohn: Dieses Kapitel zeichnet den politischen Prozess innerhalb des DGB-Bundeskongresses und die Etablierung der "Initiative Mindestlohn" als gemeinsames Ziel nach.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet den Strategiewechsel der Gewerkschaften vor dem Hintergrund historisch gewachsener Pfadabhängigkeiten.
DGB, Mindestlohn, Tarifautonomie, Sozialpartnerschaft, Niedriglohnsektor, Gewerkschaften, Flächentarifvertrag, Arbeitsmarktpolitik, Dienstleistungsgewerkschaften, Industriegewerkschaften, Agenda 2010, Interessenvertretung, Mitgliederverlust, Organisationstheorie, Tarifbindung.
Die Arbeit analysiert die innergewerkschaftlichen Debatten und den Entscheidungsprozess des DGB, der schließlich zur verbandsweiten Forderung nach einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn führte.
Im Zentrum stehen die Entwicklung des deutschen Tarifsystems, die Folgen der Niedriglohnentwicklung, die unterschiedlichen institutionellen Voraussetzungen der Gewerkschaftslager und die politische Einflussnahme durch Kampagnen.
Das Ziel ist es, zu verstehen, wie und warum sich die Haltungen der verschiedenen Gewerkschaften in Deutschland im Zeitraum 2002 bis 2006 veränderten und wie ein Konsens in einer ehemals gespaltenen Akteurslandschaft erreicht wurde.
Es handelt sich um eine qualitative Analyse, die schwerpunktmäßig auf Dokumentenanalysen der Gewerkschaftspresse, DGB-Bundeskongressbeschlüssen und einschlägiger Mindestlohnforschung basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sich wandelnden Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes, die differenzierte Betrachtung der Strategien von Dienstleistungs- und Industriegewerkschaften sowie den politischen Weg der DGB-Entscheidungsfindung.
Die zentralen Begriffe sind Tarifautonomie, Sozialpartnerschaft, Niedriglohnsektor, Pfadabhängigkeit, gewerkschaftliche Organisationsstärke und der DGB als Dachverband.
Industriegewerkschaften wie die IG Metall und IG BCE fürchteten eine Schwächung der Tarifautonomie und eine Entwertung ihres historisch hohen Tarifniveaus durch eine gesetzliche Untergrenze.
Der DGB entwickelte mit dem "Kaskadenmodell" einen Kompromiss, der einerseits die Tarifautonomie betonte und andererseits den Mindestlohn als unterste Absicherungsschwelle für alle Branchen akzeptierte.
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