Magisterarbeit, 2008
172 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Nikolaus von Verdun
1.1 Verortung des Goldschmieds in der abendländischen Kunsttradition
1.2 Zum Werk des Nikolaus von Verdun
1.2.1 Richtige und falsche Zuschreibungen
1.2.2 Entstehung des Marienschreins
2. Beschreibung des Schreins unter Einbeziehung der verwendeten Materialien und angewandten Techniken
3. Über die Restaurierungen des Marienschreins
3.1 Zur ersten Restaurierung des Marienschreins im Zeitraum von 1350-75
3.2 Hinweise auf eine Restaurierung im Jahre 1662
3.3 Zur Restaurierung von 1812
3.4 Zur letzten Restaurierung des Marienschreins in den Jahren 1889/90
4. Über die Funktion und religiöse Nutzung des Marienschreins im Kontext der Heiligenverehrung und dem allgemeinen Umgang mit Reliquienschreinen im Mittelalter
4.1 Reliquienkult und Glaubenspraxis im Zusammenhang mit Schreinen
4.1.1 Zu den konkreten Funktionen von Reliquienschreinen
4.1.2 Zur Wirkungsweise und vielfältigen kultischen Nutzung
4.2 Zur Einbindung des Marienschreins in die religiöse Praxis
4.2.1 Reliquien des Schreins
4.2.2 Aufstellung des Marienschreins im Kirchenraum
4.2.3 Über die sogenannte Große Prozession von Tournai und weitere Feierlichkeiten, in die der Marienschrein einbezogen war
5. Zur Ikonographie des Marienschreins
5.1 Darstellungen mit traditionell abendländischer Ikonographie
5.2 Ikonographische Besonderheiten
5.2.1 Abweichung der Szenen Verkündigung Christi, Flucht nach Ägypten und Darbringung im Tempel von der Bildtradition durch die Einfügung der Engelsfiguren
5.2.2 Zur Sonderstellung des Höllenfahrtsbildes innerhalb der abendländischen Ikonographie
5.2.3 Darreichung des Christuskindes durch Joseph - zur Seltenheit der Geburt-Christi-Darstellung am Marienschrein
5.2.4 Christus auf dem Thron als Rex und Iudex
5.2.5 Fragen zur Ikonographie der Anbetung der Heiligen Drei Könige
5.3 Deutungsansätze zum Bildprogramm des Marienschreins
6. Zum Stil der Werke des Nikolaus von Verdun
6.1 Voraussetzungen für den Stil Nikolaus’
6.1.1 Erkenntnisse und Irrtümer der Forschung
6.1.2 Wege der Vermittlung klassischen und byzantinischen Formengutes
6.2 Zum Stil des Marienschreins
6.2.1 Einschätzung des Schreins in der kunsthistorischen Forschung
6.2.2 Untersuchung der stilistischen Entwicklung im Nikolaus-Œuvre hin zum Marienschrein
6.2.3 Gründe für die stilistische Sonderstellung des Tournaiser Schreins innerhalb des Gesamtwerks des Goldschmieds
Schluss
Bibliographie
Diese kunsthistorische Magisterarbeit verfolgt das Ziel, das Wissen über den Marienschrein in der Kathedrale von Tournai grundlegend zusammenzutragen und eine detaillierte Bestandsaufnahme des Werkes vorzunehmen, um neue kunsthistorische Erkenntnisse zu gewinnen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei die historische und künstlerische Verortung des Schreins innerhalb der abendländischen Kunsttradition sowie die stilistische Entwicklung des Goldschmieds Nikolaus von Verdun.
1.1 Verortung des Goldschmieds in der abendländischen Kunsttradition
Der Name „Nikolaus von Verdun“ ist durch Inschriften an zwei verschiedenen Werken überliefert, dem 1181 vollendeten Klosterneuburger Altar und dem 1205 fertig gestellten Marienschrein in der Kathedrale von Tournai. Dabei ist in Klosterneuburg bei Wien von „Nicolaus [...] Virdunensis“ und am Marienschrein von „Magister Nicolaus de Verdun“, jeweils als Schöpfer der Werke, die Rede.7
Ausgehend von dem Namen nimmt ein Großteil der Forscher an, dass Nikolaus von Verdun, einer Stadt in Lothringen, an der Maas, nahe der benachbarten Champagne stammt.8 Es gibt aber auch Stimmen, die berechtigterweise betonen, dass wir nichts mit Sicherheit wissen können, da sonst, in Dokumenten oder Ähnlichem, keinerlei Hinweise auf den Goldschmied existieren. Bereits 1964 schreibt beispielsweise Hermann Schnitzler, es sei in keinem Fall erwiesen, dass die Stadt an der Maas die Heimat des Nikolaus war.9 Und auch Peter Cornelius Claussen erinnert 1999 daran, dass Nikolaus zum einen zwar eine reale Künstlerpersönlichkeit war, zum anderen aber ein Konstrukt der kunsthistorischen Forschung ist.10
Eine Zeitlang glaubte man in der Forschung, ein Dokument zu kennen, in dem der Goldschmied erwähnt ist. Barthélemy-Charles Dumortier berichtete 1862 erstmals von diesem Zeugnis, welches den Erwerb des Bürgerrechts der Stadt Tournai durch einen gewissen „[...] Colars (Nicolas) de Verdun, voirier [...]“ am dritten November 1217 belegen würde.11 Vier Jahre vor der 1940 erfolgten Zerstörung dieses Dokumentes konnte Adolphe Hocquet allerdings eine korrekte Abschrift sowie eine Fotografie davon publizieren, die beide eindeutig beweisen, dass es sich hierbei nicht um den uns bekannten Goldschmied Nikolaus von Verdun handeln kann.12 Denn zunächst fand die Aufnahme des Bürgers in Tournai nicht 1217, sondern 1318 statt und zum Zweiten war jener Mensch nicht „voirier“, also Glasmaler, von Beruf, sondern Pelzhändler - „vairier“.13
1. Nikolaus von Verdun: Dieses Kapitel behandelt die historische Identität des Goldschmieds sowie die Zuweisung und Entstehungsgeschichte des Marienschreins.
2. Beschreibung des Schreins unter Einbeziehung der verwendeten Materialien und angewandten Techniken: Es erfolgt eine detaillierte technische und formale Analyse des Schreins, einschließlich der Materialbeschaffenheit und der handwerklichen Ausführung.
3. Über die Restaurierungen des Marienschreins: Eine kritische Untersuchung der historischen Restaurierungsmaßnahmen von 1350 bis 1890, die entscheidend für das heutige Erscheinungsbild des Objektes sind.
4. Über die Funktion und religiöse Nutzung des Marienschreins im Kontext der Heiligenverehrung und dem allgemeinen Umgang mit Reliquienschreinen im Mittelalter: Das Kapitel beleuchtet die Bedeutung des Schreins als kultisches Objekt innerhalb der mittelalterlichen Glaubenspraxis und Prozessionskultur.
5. Zur Ikonographie des Marienschreins: Hier werden die einzelnen Bildszenen analysiert, ikonographische Besonderheiten diskutiert und der inhaltliche Gehalt des Bildprogramms gedeutet.
6. Zum Stil der Werke des Nikolaus von Verdun: Abschließend wird die stilistische Entwicklung des Meisters untersucht und seine Sonderstellung im Kontext der mittelalterlichen Kunstproduktion reflektiert.
Nikolaus von Verdun, Marienschrein, Tournai, Goldschmiedekunst, Reliquienschrein, Ikonographie, Mittelalter, Restaurierungsgeschichte, Klosterneuburger Altar, Heiligenverehrung, Emailtechnik, Kunstgeschichte, Spätromanik, Gotik, Glaubenspraxis
Die Arbeit widmet sich dem Marienschrein in der Kathedrale von Tournai, einem bedeutenden Werk mittelalterlicher Goldschmiedekunst, und beleuchtet dessen Entstehung, seine Funktion sowie seine wechselvolle Restaurierungsgeschichte.
Die Untersuchung umfasst die Biografie des Künstlers Nikolaus von Verdun, die materielle Beschaffenheit des Schreins, die kunsthistorische Einordnung der Ikonographie und die liturgische sowie politische Rolle des Objektes im Mittelalter.
Das Hauptziel ist eine fundierte Bestandsaufnahme und wissenschaftliche Zusammenführung des vorhandenen Wissens zum Marienschrein sowie die Klärung stilistischer Entwicklungen im Œuvre des Nikolaus von Verdun.
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Quellenanalyse, den Vergleich mit zeitgenössischen Werken (wie dem Klosterneuburger Altar) sowie die Auswertung von Restaurierungsdokumenten und Archivmaterial.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beschreibung, eine Analyse der Restaurierungsgeschichte, die Untersuchung der religiösen Funktion und eine tiefgehende ikonographische sowie stilistische Analyse des Schreins.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nikolaus von Verdun, Marienschrein, mittelalterliche Goldschmiedekunst, Ikonographie und Restaurierungsforschung charakterisieren.
Da der Schrein im Laufe der Jahrhunderte stark verändert wurde, ist die Analyse der Restaurierungen entscheidend, um den ursprünglichen Bestand von späteren Ergänzungen zu unterscheiden.
Die Mobilität des Schreins, insbesondere im Rahmen der „Großen Prozession von Tournai“, war ein wesentlicher Bestandteil seiner kultischen Bedeutung und prägte die Verehrung des Objektes nachhaltig.
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