Bachelorarbeit, 2015
41 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Neoliberalismus
3. Evidenzbasierte Bildungsforschung
3.1. Entwicklung der evidenzbasierten Bildungsforschung
3.2. Evidenz
3.3. Methoden
4. Die Studie „Lernen sichtbar machen“ von John Hattie
4.1. Vorgehen
4.2. Methoden
4.3. Bildungs- und Lernverständnis
4.4. Modell des sichtbaren Lehrens und Lernens
5. Ökonomisch-technokratisches Bildungs- und Lernverständnis
5.1. Wissenschaftsverständnis
5.2. Die Trennung von Zielen und Mitteln
5.3. Expertenherrschaft
5.4. Außensteuerung
5.5. Alternativlosigkeit
5.6. Schlussfolgerung
7. Folgen eines ökonomisch-technokratisch verengten Bildungs- und Lernverständnisses
8. Fazit
Die Arbeit untersucht das Bildungs- und Lernverständnis der evidenzbasierten Bildungsforschung unter der Hypothese, dass dieses einer ökonomisch-technokratischen Verengung unterliegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch diese Sichtweise inklusive Werte sowie informelle Lernwege vernachlässigt werden und wie dies in den gesellschaftlichen Kontext der neoliberalen Technokratie einzuordnen ist.
3.2. Evidenz
Den Begriff der Evidenz im Kontext evidenzbasierter Bildungsforschung zu definieren ist schwierig. Obwohl die KMK eine evidenzbasierte Bildungspolitik anstrebt, deutet sie nur die Grundlagen an, um Evidenz zu erzeugen, wie man Evidenz zu verstehen hat allerdings nicht (vgl. Kultusministerkonferenz 2015). Auch in der OECD, die mit internationalen Studien wie PISA Steuerungswissen zur Verfügung stellen wolle, um Evidenzbasierung in Bildungssystemen voranzutreiben, gibt es keine Einstimmigkeit in der Auslegung des Evidenzbegriffs (vgl. Burn/Schuller 2007, S. 22f.). Somit versucht sich den Begriff anhand von Literatur zur evidenzbasierten Forschung zu erarbeiten.
Im Lexikon der Erziehungswissenschaften gibt es einen Eintrag zu „evidenzbasierter Praxis“, in dem es heißt, dass die professionelle Praxis auf dem besten verfügbaren wissenschaftlichen Wissen gegründet sein soll (vgl. Hüttemann 2012 S. 372f.). Es lässt sich vermuten, dass das Verständnis von Evidenz, wie auch das Paradigma an sich, einfach aus dem Medizinischen übernommen wurde und kein fachspezifischer Evidenzbegriff ausgearbeitet wurde, der sich von der evidenzbasierten Medizin abgrenzt. Im Lexikon der Psychologie gibt es eine Definition, die auf dem Verständnis der „evidence-based medicine“ beruht. Evidenzbasierung bezeichnet hier „die Berücksichtigung und Nutzung der besten verfügbaren Informationen, wenn Entscheidungen getroffen oder Empfehlungen gegeben werden. E. fordert die systematische Begründung und Integration möglichst aller empirischer Befunde aus hochwertiger Forschung, wenn eine definierte Fragestellung beantwortet werden soll. Im Kontrast zur klassischen Entscheidungsbegründung […] werden gezielt identifizierte empirische Nachweise als Grundlage von Entscheidungen eingefordert (o.V. 2015, S. 536).
1. Einleitung: Hinführung zur Fragestellung und Skizzierung der Arbeit, welche die ökonomisch-technokratische Verengung der evidenzbasierten Bildungsforschung untersucht.
2. Neoliberalismus: Darstellung des Neoliberalismus als politisches Konzept und gesellschaftlicher Transformationsprozess, der ökonomische Logiken auf andere Bereiche überträgt.
3. Evidenzbasierte Bildungsforschung: Analyse der historischen Entwicklung und Institutionalisierung der Bildungsforschung sowie Klärung des Begriffs Evidenz und der methodischen Grundlagen.
4. Die Studie „Lernen sichtbar machen“ von John Hattie: Detaillierte Betrachtung der Meta-Analyse von John Hattie als Paradebeispiel evidenzbasierter Forschung.
5. Ökonomisch-technokratisches Bildungs- und Lernverständnis: Aufzeigen der Charakteristika technokratischer Steuerung und des dahinterliegenden Wissenschaftsverständnisses.
7. Folgen eines ökonomisch-technokratisch verengten Bildungs- und Lernverständnisses: Erörterung der Konsequenzen für die Qualität schulischen Lernens und der Ausschlussmechanismen in der Bildungspraxis.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Rückführung auf die zentrale Forschungsfrage.
Bildungsforschung, Evidenzbasierung, Neoliberalismus, Technokratie, John Hattie, Lernen sichtbar machen, Ökonomisierung, Steuerungswissen, Bildungsstandard, Meta-Analyse, Sonderpädagogik, Schulmonitoring, Bildungsmonitoring, Effektivität, Wirksamkeit
Die Arbeit untersucht kritisch das Bildungs- und Lernverständnis, das der sogenannten evidenzbasierten Bildungsforschung zugrunde liegt, und verortet dieses in einem ökonomisch-technokratischen Kontext.
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der evidenzbasierten Bildungsforschung, die Rolle des Neoliberalismus im Bildungssystem, die Analyse von John Hatties „Lernen sichtbar machen“ sowie die Folgen einer technokratischen Steuerung.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Verständnis von Bildung und Lernen durch die evidenzbasierte Forschung ökonomisch-technokratisch verengt wird, was zu einer Vernachlässigung informeller Lernwege und menschlicher Vielfalt führt.
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die Fachliteratur sowie die Ergebnisse der Forschung von John Hattie heranzieht, um die zugrunde liegenden Paradigmen und deren gesellschaftliche Implikationen zu dekonstruieren.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen zum Neoliberalismus und zur Bildungsforschung insbesondere Hatties Modell des sichtbaren Lernens sowie die Merkmale einer technokratischen Bildungssteuerung (z. B. Expertenherrschaft, Alternativlosigkeit) analysiert.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bildungsforschung, Evidenzbasierung, Neoliberalismus, Technokratie und Ökonomisierung charakterisiert.
Der Neoliberalismus wirkt laut Autor als treibende Kraft, die ökonomische Logiken wie Wettbewerb, Effizienz und die Trennung von Zielen und Mitteln in den Bildungssektor importiert und damit das Verständnis von Lehren und Lernen transformiert.
Hatties Studie dient als Paradebeispiel, da sie das evidenzbasierte Paradigma auf breiter Basis anwendet und die durch die Arbeit kritisierte Logik der quantitativen Effizienzmessung und Steuerung durch Experten exemplarisch verkörpert.
Die Kritik verdeutlicht, dass ein durch technokratische Standardisierung geprägtes System besonders den Bedürfnissen von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf schadet, da deren individuelle Lernprozesse nicht in die ökonomischen Raster passen.
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