Bachelorarbeit, 2017
32 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 New Film History und Neubewertung des frühen Films
1.2 Georges Méliès und sein Platz in der Mikrogeschichte des frühen Kinos
2. Analyse der Darstellungsformen in Filmen Méliès‘
2.1 Theatralität: Theaterästhetik oder filmische Originalität?
2.2. Schauspiel
2.2.1. Anerkennung der Illusion
2.2.2. ›Aufteilung der Aufgaben‹
2.3. Bühnenbild
2.3.1. ›Es ist nicht so gewesen‹
2.3.2. Moving panoramas – Illusion der Bewegung
2.3.3. Unbeweglichkeit der Kamera, Beweglichkeit der Bühnenbilder
2.4. Requisiten und Kostüme
2.4.1. Schwarzweiß wird bunt
2.4.2. Requisit als Metapher
2.5. Narrativität
2.5.1. Funktion des Drehbuchs
2.5.2. Montage – ›Magic in the editing room‹
3. Zusammenfassung und Fazit
Die Arbeit untersucht das filmische Werk von Georges Méliès vor dem Hintergrund der "New Film History", um die verbreitete These zu widerlegen, dass seine Filme lediglich als primitives, "abgefilmtes Theater" zu betrachten seien. Dabei wird analysiert, wie Méliès gezielt technische Mittel und filmische Inszenierungstechniken entwickelte, die ihn als eigenständigen Filmemacher und Innovator des frühen Kinos ausweisen.
2.2.1. Anerkennung der Illusion
Méliès erfand eine neuartige Darstellungstechnik für seine Schauspieler, die sich von der Darstellungstechnik des Theaters stark unterschied. In seinem Aufsatz Die Filmaufnahme schreibt er, dass „die filmische Mimik ein eigenes Studium und besondere Eigenschaften erfordert. Dort gibt es kein Publikum mehr, an das sich der Schauspieler mit Worten oder mimisch wendet.“ Er schreibt außerdem, dass Schauspieler nicht in die Kamera blicken sollen – die Regel, die auch im ›klassischen‹ narrativen Kino beibehalten blieb: „Der Apparat ist der einzige Zuschauer und nichts ist schlimmer, als zu ihm hinzusehen oder ihm während des Spiels Beachtung zu schenken.“
Diese Worte Méliès‘ scheinen auf den ersten Blick im Gegensatz zu seinen Filmen zu stehen: Vor allem in den frühen Filmen wie Escamotage d'une dame au théâtre Robert-Houdin oder Illusions fantasmagoriques blicken Schauspieler stets in die Kamera. So beschreibt Sadoul die Beziehung zwischen den Schauspielern und der Kamera bzw. dem Publikum:
„Auch seine [Méliès’] Vorstellung von der Mimik kommt vom Theater. Wenn bei seinen verfilmten Taschenspielereien der Vorhang aufgeht (der Titel des Films wird bisweilen wie ein Vorhang aufgezogen) und der Zauberkünstler aus der Kulisse tritt, begrüßt er zuerst das imaginäre Publikum und beginnt dann seine Künste. Nach dem Ende der Nummer lächelt er, grüßt und verbeugt sich schließlich zum Dank für den vorausgesetzten Beifall. Dann verlässt er die Bühne, ehe der Film zu Ende ist.“
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert den theoretischen Rahmen der "New Film History" und stellt die Forschungsfrage nach der Eigenständigkeit von Méliès' Filmkunst gegenüber teleologischen Interpretationen.
2. Analyse der Darstellungsformen in Filmen Méliès‘: Dieses Hauptkapitel untersucht detailliert die verschiedenen handwerklichen und ästhetischen Mittel – Schauspiel, Bühnenbild, Ausstattung und Narrativität – die Méliès nutzte, um seine innovative Filmästhetik zu erschaffen.
3. Zusammenfassung und Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Rolle von Méliès als Filmemacher, der den Film als eigenständige Kunstform begriff.
Georges Méliès, Frühes Kino, New Film History, Filmästhetik, Theaterästhetik, Trickfilm, Mikrogeschichte, Montage, Stopptrick, Bühnenbild, Filmschauspiel, Narrativität, Technikgeschichte, Filmrezeption, Illusion
Die Arbeit befasst sich mit der Neubewertung des Werks von Georges Méliès. Ziel ist es, die oft geäußerte Kritik, seine Filme seien bloß "abgefilmtes Theater", anhand moderner filmwissenschaftlicher Ansätze kritisch zu hinterfragen.
Die Analyse konzentriert sich auf die spezifischen Darstellungsformen des frühen Kinos, insbesondere Schauspiel, Bühnenausstattung, Requisiten und die Rolle der Montage bei der Erzeugung filmischer Illusionen.
Das primäre Ziel ist es, Méliès' innovativen Beitrag zum frühen Kino herauszuarbeiten und zu belegen, dass er bereits filmische Mittel nutzte, die weit über bloße Theaterimitationen hinausgingen.
Die Arbeit nutzt die Methodik der "New Film History", eine mikrogeschichtliche Untersuchung, sowie eine quellenbasierte Analyse zeitgenössischer Dokumente und technischer Filmaufzeichnungen.
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit Méliès' Umgang mit Schauspielern, der Funktion von Bühnenbildern als Mittel der Illusion sowie der Wichtigkeit von Montage und Drehbuch als Werkzeuge für seine Tricktechniken.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Georges Méliès, frühes Kino, New Film History, Trickästhetik, Theatralität und filmische Illusion.
Der Autor zeigt auf, dass Méliès für das Kino eine neuartige Pantomimetechnik entwickelte, die, in Kombination mit einem Filmerzähler, eine eigenständige Form der Kommunikation zwischen Film und Publikum darstellte, statt diese wie im klassischen Theater zu verleugnen.
Entgegen früherer Annahmen, der Schnitt spiele bei Méliès keine Rolle, belegt die Arbeit, dass Méliès seine komplexen Tricks und Substitutionseffekte aktiv im Schnittraum gestaltete, was ihn zu einem Pionier der filmischen Montage macht.
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