Masterarbeit, 2018
161 Seiten, Note: 15
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Einleitung
TEIL A: TRAUMA UND LITERATUR: ZUR FUNKTION EINER VERGANGENHEITSBEARBEITUNG IN DER ZEITGENÖSSISCHEN WELT.
KAPITEL 1: DAS TRAUMA IM VERHÄLTNIS ZUR ERINNERUNGSARBEIT UND ZUR IDENTITÄTSSTIFTUNG
1.1. Vom Wesen des Traumas
1.1.1. Trauma: Zur Begriffsbestimmung
1.1.2. Die Formen des Traumas
1.1.2.1. Das individuelle Trauma
1.1.2.2. Das kollektive Trauma
1.1.2.3. Das kulturelle Trauma
1.1.3. Zu den Symptomen vom Trauma
1.2. Der Trauma-Begriff in der Gedächtnisforschung
1.2.1. Trauma und Erinnerung
Exkurs: Zur „kalten“ und „heißen“ Erinnerung
1.2.2. Trauma und Identität
1.2.3. Trauma und Geschichte
1.3. Von der Notwendigkeit der Vergangenheit
KAPITEL 2:ZUM LEISTUNGSVERMÖGEN DER LITERATUR IM PROZESS DER GESCHICHTSVERARBEITUNG UND GEDÄCHTNISBILDUNG.
2.1. Literatur als Verarbeitungsmedium der Geschichte
2.1.1. Literatur als Ort der Geschichtsinszenierung
2.1.2. Literatur als Bewahrungsmedium der Geschichte
2.2. Zum Begriff „Gedächtnis“: ein neuer Forschungsrahmen?
2.2.1. Zur Begriffsbestimmung
2.2.2. Das kommunikative und das kulturelle Gedächtnis
2.2.2.1. Das kommunikative Gedächtnis
2.2.2.2. Das kulturelle Gedächtnis
2.3. Literatur als Medium des Gedächtnisses
2.3.1. Kulturelle und kollektive Texte
2.3.2. Zum Mythos in der Literatur
TEIL B: TRAUMA-INSZENIERUNG ALS WEG ZUR GEDÄCHTNISBILDUNG UND ZUM GESCHICHTSBEWUSSTSEIN.
KAPITEL 3: DIE HOLOCAUSTLITERATUR: ZUM SCHREIBEN IM KONTEXT DER ERINNERUNG
3.1. Bronsteins Kinder von Jurek Becker
3.1.1. Zum Autor und dessen Werk
3.1.1.1. Zum Autor Jurek Becker
3.1.1.2. Zum Text „Bronsteins Kinder“
3.1.1.2.1. Zur Handlung im Werk
3.1.1.2.2. Zur Figurendarstellung
3.1.1.2.2.1. Hans
3.1.1.2.2.2. Arno
3.1.1.2.2.3. Gordon Kwart und Rotstein
3.1.1.2.2.4. Arnold Heppner
3.1.1.2.2.5. Elle
3.1.1.2.2.6. Hugo, Rahel und Martha Lepschitz
3.1.2. Jurek Becker und die Familienvergangenheitsverarbeitung
3.1.2.1. Hans und die Familienvergangenheit
3.1.2.2. Hans und die Identitätssuche
3.1.2.3. Hans: zur Erzählung nach der Erinnerung
3.1.3. Zur Analyse des Makrouniversums im Werk
3.1.3.1. Das Häuschen
3.1.3.2. Die Heilklinik
3.1.3.3. Das Filmprojekt
3.2. Heldenplatz von Thomas Bernhard
3.2.1. Zum Autor und dessen Werk
3.2.1.1. Zum Autor Thomas Bernhard
3.2.1.2. Zum Werk Heldenplatz
3.2.1.2.1. Heldenplatz als Postdramatisches Theater
3.2.1.2.1.1. Die formalen Eigenarten des Werkes
3.2.1.2.1.2. Die Ritualisierung in Bernhards Werk
3.2.1.3. Zur Handlung im Werk
3.2.2. Figuren und Figurenkonstellation
3.2.2.1. Zur Figurencharakterisierung
3.2.2.1.1. Josef Schuster
3.2.2.1.2. Robert Schuster
3.2.2.1.3. Hedwig Schuster
3.2.2.1.4. Frau Zittel
3.2.2.1.5. Anna und Olga
3.2.2.2. Zur Figurenkonstellation
3.2.3. Thomas Bernhard und die österreichische Gesellschaftskritik
3.2.3.1. Das Gedenkjahr 1988 in Österreich
3.2.3.2. Die Dekonstruktion des sogenannten Opfermythos
3.2.3.3. Die Fortsetzung von faschistischen Gedanken in der österreichischen Gesellschaft
KAPITEL 4: DIE INSZENIERUNG DES TRAUMAS IN JUREK BECKERS UND THOMAS BERNHARDS KUNSTWERKEN
4.1. Trauma-Inszenierung in Beckers Bronsteins Kinder
4.1.1. Die Auslösung des Traumas von Figuren
4.1.2. Die Inszenierung vom Trauma im Werk
4.1.2.1. Arno und Hans: eine fehlende Kommunikation zwischen Generationen
4.1.2.1.1. Arno und die Wunden der Nazizeit
4.1.2.1.2. Die fehlende Kommunikation zwischen Arno und Hans
4.1.2.1.3. Zur Aggressivität ehemaliger Opfer
4.1.2.1.4. Elles Geisteskrankheit
4.2. Trauma-Inszenierung in Bernhards Heldenplatz
4.2.1. Die Auslösung vom Trauma der Figuren im Drama
4.2.1.1. Die Einrichtung einer Wohnung neben Heldenplatz
4.2.1.2. Die Beständigkeit des Judenhasses in Wien
4.2.2. Zur Inszenierung des Traumas im Stück
4.2.2.1. Selbstmord als Antwort auf den gesellschaftlichen Druck
4.2.2.2. Die Halluzinationen und das Nicht-Vergessen-Können
4.2.2.3. Robert Schuster und die Verwundbarkeit
KAPITEL 5: ZUR ZWECKBESTIMMTHEIT DER TRAUMA-INSZENIERUNG IN DEN KUNSTWERKEN
5. 1. Trauma-Inszenierung im Kontext der Gedächtnisbildung.
Exkurs: Geschichte, Gedächtnis und Identität
5.1.1. Bronsteins Kinder und Heldenplatz: kulturelle und kollektive Texte
5.1.1.1. Zum jüdischen Bewusstsein in den Werken
5.1.1.1.1. Diskriminierung und Ausgeschlossenheit
5.1.1.1.2. Verfolgung und Vernichtung
5.1.1.1.3. Angst und Flucht
5.1.1.2. Zur Aufklärung eines Vergangenheitsstücks in der jeweiligen Gesellschaft
5.1.2. Zu mythischen Erzählungen in beiden Kunstwerken
5.1.3. Zu Erinnerungsorten in den Kunstwerken
5.2. Trauma-Inszenierung im Kontext des Geschichtsbewusstseins
5.2.1. Beckers und Bernhards Literatur als soziales Engagement
5.2.1.1. Jurek Beckers Auseinandersetzung mit der DDR-Gesellschaft
5.2.1.2. Thomas Bernhards Kritik der österreichischen Gesellschaft
5.2.2. Wege nach einer richtigen Vergangenheitsbewältigung
5.2.2.1. Nationalsozialismus: eine noch zu bewältigende Vergangenheit?
5.2.2.2. Zur Sonderstellung von „heißen“ Gesellschaften
Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Inszenierung von Traumata in Jurek Beckers Roman „Bronsteins Kinder“ und Thomas Bernhards Theaterstück „Heldenplatz“. Ziel ist es zu analysieren, wie die Autoren durch ihre literarische Verarbeitung nationalsozialistischer Vergangenheit aktiv an zeitgenössischen politisch-sozialen Debatten teilnehmen, um das kollektive Gedächtnis und ein fundiertes Geschichtsbewusstsein zu konstruieren, die für nationale Identität und soziale Kohäsion in Deutschland und Österreich essenziell sind.
3.2.1.2.1. Heldenplatz als Postdramatisches Theater
Unter dem von Hans-Thies Lehmann geprägten Begriff „postdramatisches Theater“ wird ein Theater begriffen, „bei dem nicht der Text, nicht die Mimesis und nicht die Handlung im Zentrum stünden.“ Aus dieser Bestimmung lässt sich der Umstand feststellen, dass ein postdramatisches Theater – so Bernhard Jahn – jenes ist, das einen Bruch mit der althergebrachten Theaterauffassung aufweist, im Mittelpunkt dessen die dramatische Dreifaltigkeit von Mimesis, Handlung und Wort/Logik standen. Mit der Entwicklung von neuen Kommunikationsmedien und von der von Bertolt Brecht stark geprägten Theaterästhetik, die sich vorwiegend durch episches Theater, Verfremdung, und Stilisierung ausgezeichnet hatte, hat das postdramatische Theater im Rahmen der Theaterwissenschaft an Boden gewonnen. Dabei hat man mit einer neuen Theaterform zu tun, die selbstreflexiv ist und diesbezüglich andere Anforderungen verlangt. Genau deshalb schreibt Malgorzata Sugiera:
Nowadays the basic structural principle of texts written for the theatre increasingly often turns out to be their immanent theatricality, which is, however, no longer understood as a reflection upon theatre as a domain of artistic activity or as an extensive metaphor of human life, but rather as a means of inducing the audience to watch themselves as subjects which perceive, acquire knowledge and partly create the objects of their cognition.
Von diesem Auszug lässt sich darüber hinaus der Umstand feststellen, dass postdramatische Theater nicht mehr auf einen passiven sondern – wie genau bei Brechts Auffassung – einen aktiven Zuschauer zielen. Daher wird es ersichtlich, dass diese Theater als performative Texte zu betrachten sind,
KAPITEL 1: DAS TRAUMA IM VERHÄLTNIS ZUR ERINNERUNGSARBEIT UND ZUR IDENTITÄTSSTIFTUNG: Dieses Kapitel erläutert den Trauma-Begriff im Rahmen der Gedächtnisforschung und untersucht, wie vergangene traumatische Ereignisse die Identitätsbildung von Individuen und Gruppen maßgeblich beeinflussen.
KAPITEL 2:ZUM LEISTUNGSVERMÖGEN DER LITERATUR IM PROZESS DER GESCHICHTSVERARBEITUNG UND GEDÄCHTNISBILDUNG.: Es wird das Potenzial von Literatur analysiert, als Medium der Geschichtsverarbeitung und Bewahrung zu dienen, wobei Konzepte wie das kulturelle Gedächtnis und die Unterscheidung zwischen verschiedenen Textkategorien hervorgehoben werden.
KAPITEL 3: DIE HOLOCAUSTLITERATUR: ZUM SCHREIBEN IM KONTEXT DER ERINNERUNG: Dieses Kapitel widmet sich der Analyse von Jurek Beckers „Bronsteins Kinder“ und Thomas Bernhards „Heldenplatz“, indem es die Autoren, deren Entstehungskontexte und die literarische Darstellung des Holocaust-Traumas detailliert untersucht.
KAPITEL 4: DIE INSZENIERUNG DES TRAUMAS IN JUREK BECKERS UND THOMAS BERNHARDS KUNSTWERKEN: Hier steht die konkrete Inszenierung der traumatischen Erfahrungen der Figuren im Mittelpunkt, wobei insbesondere die Auslöser des Traumas und deren manifestationsspezifische Auswirkungen auf die Kommunikation und Psyche der Akteure beleuchtet werden.
KAPITEL 5: ZUR ZWECKBESTIMMTHEIT DER TRAUMA-INSZENIERUNG IN DEN KUNSTWERKEN: Das abschließende Kapitel reflektiert die Zielsetzungen der Trauma-Inszenierung, insbesondere deren Beitrag zur Bildung eines kollektiven Gedächtnisses und eines reflektierten Geschichtsbewusstseins in der zeitgenössischen Gesellschaft.
Trauma, Literatur, Erinnerung, Gedächtnis, Geschichtsbewusstsein, Nationalsozialismus, Holocaust, Identität, Jurek Becker, Thomas Bernhard, Bronsteins Kinder, Heldenplatz, Vergangenheitsbewältigung, kollektives Gedächtnis, Opfermythos.
Die Arbeit untersucht, wie zwei bedeutende deutschsprachige literarische Werke – Jurek Beckers „Bronsteins Kinder“ und Thomas Bernhards „Heldenplatz“ – das Trauma von Holocaust-Überlebenden und deren Nachkommen inszenieren, um eine Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit anzuregen.
Zentrale Themen sind die Gedächtnis- und Erinnerungsforschung, das Konzept des psychischen und kollektiven Traumas, die Funktion von Literatur in der Geschichtsschreibung sowie die kritische Reflexion über Identität im Kontext einer belasteten Vergangenheit.
Die Arbeit verfolgt das Ziel aufzuzeigen, wie die Autoren durch die literarische Trauma-Inszenierung aktiv an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen, um ein geschärftes Geschichtsbewusstsein zu fördern, das für nationale Identität und soziale Kohärenz notwendig ist.
Der Autor nutzt produktionsästhetische Analyseverfahren (unter Rückgriff auf Ansätze wie die von Jürgen Schutte, Matias Martinez und Michael Scheffel) sowie psychoanalytische Deutungsmuster und Gedächtnistheorien (insbesondere von Jan und Aleida Assmann).
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der Inszenierung des Traumas. Es werden die Auslöser des Traumas bei den Figuren untersucht, spezifische Symptome wie Schweigen oder Halluzinationen analysiert und die Rolle von Erinnerungsorten und mythischen Erzählungen in den Werken herausgearbeitet.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Trauma-Inszenierung“, „kulturelles Gedächtnis“, „Vergangenheitsbewältigung“, „Opfermythos“ und „postdramatisches Theater“ geprägt, die den theoretischen und inhaltlichen Rahmen spannen.
Diese Werke dienen als Repräsentanten für zwei unterschiedliche gesellschaftliche Kontexte (DDR und Österreich), in denen die Auseinandersetzung mit dem NS-Erbe in den 1980er Jahren eine besondere Dringlichkeit und gesellschaftliche Relevanz besaß.
Der Ort fungiert als Symbol für die unausweichliche Präsenz der nationalsozialistischen Vergangenheit in der österreichischen Gegenwart und wirkt als Trigger für die Halluzinationen der Figur Hedwig Schuster, wodurch das Trauma physisch im Alltag manifestiert wird.
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