Bachelorarbeit, 2019
46 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Russische Revolution: Ursachen und Folgen
3. Kinoki: Die Revolution des Kinos
3.1 Arbeitsprinzipien der Kinoki
3.1.1 Die Macht der Maschine
3.2 Kinoglaz: Das „bewaffnete“ Auge als Mittel einer Dokumentation
3.3 Die Fabrik der Fakten
3.3.1 Die Proletarisierung des Kinos und die Kinofizierung der Gesellschaft
3.4 Montage
3.5 Kinoki und die literarische Komponente des Films
4. „Der Mann mit der Kamera“ als filmisches Manifest der Kinoki
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen der Russischen Revolution und der filmischen Revolution durch Dziga Vertov und die „Kinoki“-Bewegung, wobei der Film „Der Mann mit der Kamera“ als zentrales Fallbeispiel für eine neue, rein filmische Ausdrucksform dient.
3.1.1 Die Macht der Maschine
Ich warne freundschaftlich:
VERGRABT NICHT DIE KÖPFE wie der Vogel Strauß,
erhebt eure Augen,
SEHT UM EUCH -
DA!
Ich sehe
und jedes Kindes Auge sieht:
DIE EIGENWEIDE FALLEN HERAUS.
DAS GEDÄRM DER ERLEBNISSE
AUS DEM BAUCH DER KINEMATOGRAPHIE
GESCHLIZT
DURCH DAS RIFF DER REVOLUTION,
schleppt sich dahin
läßt eine blutige Spur auf der Erde zurück,
die ERZITTERT vor Entsetzen und Ekel.
ALLES IST ZU ENDE.
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Kino im Kontext der Russischen Revolution von 1917 und stellt die Forschungsfrage nach den Verbindungen zwischen politischer Lage und filmischer Wahrnehmung anhand von Vertovs Manifesten.
2. Die Russische Revolution: Ursachen und Folgen: Dieses Kapitel analysiert die historischen Ursachen der Revolution sowie deren tiefgreifende Auswirkungen auf die sowjetische Gesellschaft, einschließlich der Zentralisierung und der Etablierung des Marxismus-Leninismus.
3. Kinoki: Die Revolution des Kinos: Hier wird die Bewegung der Kinoki als Reaktion auf die Notwendigkeit neuer Ausdrucksmittel im kommunistischen Zeitgeist sowie als politische Organisation definiert.
3.1 Arbeitsprinzipien der Kinoki: Das Kapitel erläutert die technischen Methoden der Kinoki, insbesondere das „Film-Auge“, und die Rolle des Kameramanns sowie die angestrebte Erschaffung eines „Übermenschen“ durch Montage.
3.1.1 Die Macht der Maschine: Der Fokus liegt auf der Metapher der Maschine im Kino und der „dynamischen Geometrie“ der Bewegung, die mit den theoretischen Überlegungen von Franz Marc korreliert.
3.2 Kinoglaz: Das „bewaffnete“ Auge als Mittel einer Dokumentation: Das Kapitel untersucht den Begriff Kinoglaz nicht nur als Aufnahmetechnik, sondern als strategische Bewegung zur Verbreitung kommunistischer Fakten und kollektiven Bewusstseins.
3.3 Die Fabrik der Fakten: Der Begriff „Nichtspielfilm“ wird hier als Kern der Kinoki-Arbeit vorgestellt, der eine Zentralisierung der Filmproduktion zur gezielten „Propaganda mit Fakten“ vorsieht.
3.3.1 Die Proletarisierung des Kinos und die Kinofizierung der Gesellschaft: Dieses Kapitel diskutiert die höhere Zugänglichkeit des Mediums Film für die Arbeiterklasse und die Rolle des Zuschauers im Kontext propagandistischer Wirkung.
3.4 Montage: Die Montage wird als „dichtende Schere“ beschrieben, die als intellektueller Aufwand bereits vor den Dreharbeiten beginnt und Filmwahrheit erst ermöglicht.
3.5 Kinoki und die literarische Komponente des Films: Trotz des Verbots literarischer Einflüsse wird das „literarische Skelett“ als notwendiges Gerüst für die Strukturierung von Fakten analysiert.
4. „Der Mann mit der Kamera“ als filmisches Manifest der Kinoki: Der Film wird als ultimative praktische Umsetzung der Kinoki-Theorie gewürdigt, der durch Montage und Verzicht auf Inszenierung eine reine Filmsprache etabliert.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass „Der Mann mit der Kamera“ ein Idealbeispiel für die Kinoki-Theorie ist, das die Transformation des Kinos in ein handwerkliches Propagandamittel dokumentiert.
Kinoki, Dziga Vertov, Der Mann mit der Kamera, Kinoglaz, Filmwahrheit, Montage, Fabrik der Fakten, Russische Revolution, Proletarisierung, Sowjetunion, Nichtspielfilm, Mechanisierung, Massenautorenschaft, Propaganda, Filmtheorie
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen der Russischen Revolution und der Entstehung einer neuen, revolutionären Filmtheorie durch die „Kinoki“-Gruppe um Dziga Vertov.
Zentrale Themen sind die Abkehr vom traditionellen, „bourgeoisen“ Spielfilm, die Etablierung des „Film-Auges“ (Kinoglaz) und die Nutzung des Kinos als Instrument für kommunistische Propaganda und gesellschaftliche Organisation.
Das Ziel ist die Analyse der Zusammenhänge zwischen den politischen Bedingungen der UdSSR und der Wahrnehmung der Welt durch das Medium Film, konkretisiert am Beispiel von Vertovs Manifesten und dem Film „Der Mann mit der Kamera“.
Die Arbeit stützt sich auf eine systematische Analyse von historischen Quellen, Manifesten der Kinoki, Tagebüchern von Dziga Vertov sowie auf den Vergleich mit filmtheoretischen Ansätzen von Denkern wie Gilles Deleuze, Siegfried Kracauer und Bela Balazs.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Kinoki (Montage, Kinoglaz), die organisatorische Struktur ihrer „Fabrik der Fakten“ und wie diese Prinzipien in „Der Mann mit der Kamera“ praktisch angewandt wurden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kinoglaz, Montage, Filmwahrheit, Proletarisierung, Fabrik der Fakten und Massenautorenschaft charakterisiert.
Das „Film-Auge“ (Kinoglaz) wird als eine methodische Strategie verstanden, die menschliche Schwächen durch die Präzision der Maschine überwindet, um Fakten objektiv zu erfassen und ein kollektives kommunistisches Bewusstsein zu formen.
Im Gegensatz zur klassischen Montage, die Szenen nach einem Drehbuch zusammenfügt, verstehen die Kinoki Montage als einen fortlaufenden, intellektuellen Prozess, der mit der Beobachtung der Realität beginnt und die Organisation der sichtbaren Welt zum Ziel hat.
Dieser Verzicht dient der „Säuberung“ des Kinos von Einflüssen aus Literatur und Theater, um eine reine, authentische Filmsprache zu erreichen, die direkt die Realität und die Wahrheit des Lebens vermittelt.
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