Bachelorarbeit, 2012
39 Seiten, Note: 2,0
1 EINLEITUNG
2 DER „VERNUNFTEUROPÄER“ CHIRAC UND DER „GELERNTE EUROPÄER“ SCHRÖDER – PERSÖNLICHE EINSTELLUNGEN UND ERFAHRUNGEN IM LAUFE DER EUROPÄISCHEN INTEGRATION
2.1 FRÜHE POLITISCHE JAHRE
2.2 ROLLE IN DER EUROPÄISCHEN POLITIK ALS KANZLER UND PRÄSIDENT
2.3 PERSÖNLICHER EINSATZ FÜR DIE EUROPÄISCHE VERFASSUNG
3 INSTITUTIONELLE UND HISTORISCHE GEGEBENHEITEN IN FRANKREICH UND DEUTSCHLAND
3.1 VERFASSUNGSRECHTLICHE GRÜNDE FÜR DIE UNTERSCHIEDLICHEN RATIFIZIERUNGSPROZESSE
3.2 WEITERE GRÜNDE FÜR EINE VOLKSABSTIMMUNG IN FRANKREICH UND GEGEN EIN PLEBISZIT IN DEUTSCHLAND
3.3 GRENZEN UND MÖGLICHKEITEN SCHRÖDERS UND CHIRACS IN DIESEM UMFELD
4 KULTURELLE UNTERSCHIEDE IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH IM BEZUG AUF EUROPA UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DEN RATIFIZIERUNGSPROZESS
4.1 HISTORISCH GEWACHSENE EINSTELLUNGEN UND STIMMUNG IN DER BEVÖLKERUNG
4.2 EINSTELLUNG DER JEWEILIGEN POLITISCHEN KLASSE ZUR EUROPÄISCHEN INTEGRATION UND ZUM VERFASSUNGSVERTRAG
4.3 SCHRÖDER UND CHIRAC IN DIESEM KULTURELL-POLITISCHEN SPANNUNGSFELD
5 FAZIT
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Rollen des damaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und des damaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder während des Ratifizierungsprozesses der Europäischen Verfassung. Dabei wird analysiert, welchen Einfluss beide Akteure unter Berücksichtigung der jeweiligen historischen, institutionellen und kulturellen Rahmenbedingungen auf den Ratifizierungsprozess in ihren jeweiligen Ländern ausüben konnten und inwieweit sie in ihrem Handeln eingeschränkt waren.
3.3 Grenzen und Möglichkeiten Schröders und Chiracs in diesem Umfeld
Jacques Chirac hatte zwar qua Amt die Machtfülle, ein Referendum fast nach seinem Gutdünken anzusetzen. Doch sollte man nicht die äußeren Umstände vernachlässigen, die ihn ebenfalls zu dem Schritt drängten, das Volk über den Verfassungsvertrag abstimmen zu lassen. Denn sowohl außenpolitische Gegebenheiten, innenpolitischer und innerparteilicher Druck sowie die Chance auf eine eigene Stärkung und die Schwächung des politischen Gegners, gepaart mit vielversprechenden Meinungsumfragen ließen Chirac schließlich ein Referendum für vorteilhaft für sich selbst, sein Land und Europa erscheinen. Zwar hätte Chirac sowohl verfassungsrechtlich als auch politisch, theoretisch die Möglichkeit gehabt, die Verfassung auf parlamentarischem Wege zu ratifizieren. Doch hätte dies vermutlich für ihn einen solchen Imageverlust und eine dermaßen starke politische Schwächung in seiner Partei, seiner Regierung und dadurch möglicherweise auch Frankreichs in Europa bedeutet, dass der Staatspräsident ein Plebiszit vorzog.
Der deutsche Bundeskanzler Schröder hätte ebenfalls Spielraum gehabt, anders zu handeln und eine Volksbefragung durchzuführen. Denn sowohl der Artikel 146 GG (der auch schon im Zuge der Wiedervereinigung Befürwortern einer bundesweiten Abstimmung als Hauptargument diente) als auch eine Verfassungsänderung mit 2/3-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat hätten vermutlich auch in Deutschland ein Plebiszit ermöglicht. Schröder bevorzugte jedoch, vor allem mit Hinblick auf die historische Rolle Deutschlands vor und während des europäischen Einigungsprozesses, ein schnelles und ungefährdetes Ratifizierungsverfahren in Bundestag und Bundesrat. Schröder war hierbei in einer deutlich komfortableren Ausgangsposition, da es in Deutschland noch nie ein Referendum auf Bundesebene gegeben hatte und die Formulierung darüber im Grundgesetz so umstritten war, dass er argumentieren konnte, dass die deutsche Verfassung in diesem Fall eine bundesweite Abstimmung nicht vorsieht.
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Europäischen Verfassung und Skizzierung der unterschiedlichen Ratifizierungsprozesse in Frankreich und Deutschland.
2 DER „VERNUNFTEUROPÄER“ CHIRAC UND DER „GELERNTE EUROPÄER“ SCHRÖDER – PERSÖNLICHE EINSTELLUNGEN UND ERFAHRUNGEN IM LAUFE DER EUROPÄISCHEN INTEGRATION: Vergleich der politischen Biografien sowie des persönlichen Engagements von Chirac und Schröder für das europäische Projekt.
3 INSTITUTIONELLE UND HISTORISCHE GEGEBENHEITEN IN FRANKREICH UND DEUTSCHLAND: Analyse der rechtlichen und politischen Gründe, die in Frankreich zum Referendum und in Deutschland zum parlamentarischen Verfahren führten.
4 KULTURELLE UNTERSCHIEDE IN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH IM BEZUG AUF EUROPA UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DEN RATIFIZIERUNGSPROZESS: Untersuchung des Einflusses nationaler historischer Erfahrungen, Einstellungen in Bevölkerung und Parteienlandschaft auf den Ratifizierungsprozess.
5 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Rollen von Chirac und Schröder und Reflexion über deren Handlungsspielräume im jeweiligen politischen Umfeld.
Europäische Verfassung, Ratifizierung, Jacques Chirac, Gerhard Schröder, Frankreich, Deutschland, Referendum, Europäische Integration, Politische Kultur, Verfassungsvertrag, Scheckbuchdiplomatie, Volksabstimmung, Europapolitik, Deutsch-französische Beziehungen, Souveränität.
Die Arbeit analysiert die unterschiedlichen Rollen und Handlungsmöglichkeiten von Jacques Chirac und Gerhard Schröder während des Ratifizierungsprozesses der Europäischen Verfassung in ihren jeweiligen Ländern.
Die zentralen Felder sind die politische Biografie der Akteure, verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen in Frankreich und Deutschland sowie die kulturellen Unterschiede in der Wahrnehmung der europäischen Integration.
Das Ziel ist zu untersuchen, wie Chirac und Schröder den Ratifizierungsprozess beeinflusst haben und in welchem Maße sie durch historische, institutionelle und politische Gegebenheiten in ihrem Handeln eingeschränkt waren.
Es erfolgt eine quellenbasierte Analyse, die Biografien, Pressestimmen, Reden, Parlamentsdebatten und Videomaterialien vergleichend auswertet, um die Handlungsspielräume der Protagonisten darzulegen.
Der Hauptteil behandelt die persönlichen Hintergründe der Politiker, die institutionellen Gründe für die Wahl der Ratifizierungsverfahren sowie die Auswirkungen kultureller Unterschiede auf die Debatten in Deutschland und Frankreich.
Wichtige Begriffe sind Europäische Verfassung, Referendum, Ratifizierung, deutsch-französische Beziehungen und die politische Kultur in beiden Nationen.
Schröder wollte jedes Risiko eines Scheiterns vermeiden, das außen- wie innenpolitisch schädlich gewesen wäre, und argumentierte geschickt mit der fehlenden Grundlage für bundesweite Volksentscheide im Grundgesetz.
Der "Appel de Cochin" markierte den Höhepunkt von Chiracs europakritischem Kurs in der Vergangenheit, der sein späteres Ringen um ein positives Votum für die Verfassung in einen spannungsreichen Kontrast setzt.
Schröder wollte mit der sogenannten "Scheckbuchdiplomatie" der Ära Kohl brechen und eine europäische Politik verfolgen, die sich stärker an nationalen Interessen orientiert, bevor er eine europapolitische Läuterung durchlief.
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