Bachelorarbeit, 2019
124 Seiten, Note: 1,2
1 Einleitung
2 Zur Lebenssituation von Kindern, deren Eltern psychisch erkrankt sind
2.1 Exkurs: Psychische Erkrankung
2.2 Risikofaktoren hinsichtlich der kindlichen Entwicklung
2.2.1 Überblick: Kindliche Entwicklung und Entwicklungsaufgaben
2.2.2 Genetische Disposition und psychosoziale Einflüsse
2.2.3 Auswirkungen auf das Bindungsverhalten
2.2.4 Einschränkungen in der elterlichen Erziehungskompetenz
2.2.5 Kindeswohlgefährdung (im Kontext der elterlichen Psychopathologie)
2.3 Belastungsfaktoren durch die elterliche Erkrankung
2.3.1 Subjektive Perspektiven und Belastungen
2.3.2 Destabilisierung des familiären Systems
2.3.3 Tabuisierung und Kommunikationsverbot
2.3.4 Isolation, Unentbehrlichkeit und Marginalisierung
2.4 Die Bedeutung von Resilienz
2.4.1 Allgemeine Schutzfaktoren
2.4.2 Spezifische Schutzfaktoren von Kindern psychopathogener Eltern
2.5 Zusammenfassende Betrachtung
3 Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH)
3.1 Einführender Überblick
3.2 Familien mit einem psychisch erkrankten Elternteil als Adressaten der Sozialpädagogischen Familienhilfe
4 Handlungsansätze der SPFH in der Arbeit mit betroffenen Kindern
4.1 Sozialpädagogische Diagnostik
4.2 Stärkung kindlicher Ressourcen
4.2.1 Förderung der Problemlösungskompetenz:
4.2.2 Über die Bedeutung eines Krisenplans
4.2.3 Psychoedukation
4.3 Stärkung familiärer Ressourcen
4.3.1 Förderung der Erziehungskompetenz
4.3.2 Stärkung und Stabilisierung der Eltern-Kind-Beziehung
4.3.3 Förderung der familiären Kommunikation
4.4 Aktivierung sozialer Ressourcen
4.4.1 Die Bedeutung Sozialer Gruppenarbeit
4.4.2 Erschließen von Patenschaften
5 Herausforderungen in der Arbeit mit betroffenen Familien
6 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht, welche spezifischen Handlungsansätze der Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) geeignet sind, um Kinder psychisch erkrankter Eltern zu stärken und sie in ihrer gesunden Entwicklung zu unterstützen.
2.3.2 Destabilisierung des familiären Systems
»Ich war sehr erstaunt und traurig, als ich meine Freundin […] besuchte. Ihre Mutter hatte uns Kuchen und einen Kakao zubereitet. Zu Hause musste ich mir alle meine Mahlzeiten selbst zubereiten, Abwaschen, Aufräumen und Putzen. Meine Mutter kümmerte sich kaum noch um etwas.« (Desch 2014: 19).
Eine von betroffenen Kindern oftmals erwähnte Destabilisierung des familiären Systems, welche unteranderem auf die elterliche Störung zurückzuführen ist, meint mitunter eine diffuse oder unklare Grenzziehung zwischen den einzelnen Generationen und schließt insbesondere die damit verbundenen Aufgaben und Pflichten ein. Etwaige Generationsstörungen sind in vielen Familien, in denen mindestens ein Elternteil psychisch erkrankt ist, zu beobachten. Eine, die sich für die Entwicklung der Kinder als besonders belastend herausgestellt hat, ist die so genannte Parentifizierung. Dabei handelt es sich um eine Rollenumkehr, infolgedessen die eigentlich den Eltern obliegenden Pflichten von den Kindern übernommen werden (müssen). Nicht selten signalisiert dabei sowohl der erkrankte als auch der gesunde Elternteil dem Kind seine Wünsche und Bedürfnisse. Ferner kann es dazu kommen, dass die Kinder als Partnersatz fungieren müssen - sowohl für den eines alleinerziehenden Elternteils als auch für den eines eigentlich verfügbaren, jedoch erkrankten Partners. Die Übernahme hauswirtschaftlicher Pflichten sowie Versorgung jüngerer Geschwister bzw. der eigenen Person oder das Streitschlichten elterlicher Auseinandersetzungen können weitere Ausformungen einer negativen und nicht kindgerechten Rollenzuweisung sein. Die an das Kind gerichteten Wünsche, Äußerungen, Bedürfnisse oder Aufträge der jeweiligen Elternteile können in einer Divergenz zu einander stehen oder unterliegen keiner kompatiblen Erfüllung bzw. Lösung, infolgedessen betroffene Kinder in kaum überwindbare Loyalitätskonflikte geraten. Angesichts der Tatsache, dass die Kinder etwaigen Rollenzuschreibungen selten gerecht werden können, kapitulieren sie und ordnen eigene Bedürfnisse dener Eltern bzw. denen des Elternteils unter.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, skizziert die Relevanz der Forschungsfrage nach Handlungsansätzen der SPFH und legt den Aufbau der Arbeit dar.
2 Zur Lebenssituation von Kindern, deren Eltern psychisch erkrankt sind: Hier werden theoretische Grundlagen zu psychischen Erkrankungen, Belastungsfaktoren und dem Konzept der Resilienz analysiert, um die Lebenswelten der betroffenen Kinder zu verstehen.
3 Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH): Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über das Arbeitsfeld der SPFH sowie die rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen für die Arbeit mit dieser Zielgruppe.
4 Handlungsansätze der SPFH in der Arbeit mit betroffenen Kindern: Es werden konkrete methodische Ansätze wie Diagnostik, Ressourcenstärkung und psychoedukative Maßnahmen zur Intervention vorgestellt.
5 Herausforderungen in der Arbeit mit betroffenen Familien: Dieses Kapitel reflektiert kritisch die Dilemmata und professionellen Herausforderungen, denen sich Fachkräfte im Kontakt mit den Familien gegenübersehen.
6 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion der Ergebnisse, einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und einem Ausblick auf den Bedarf an weiterer Sensibilisierung und Unterstützung.
Sozialpädagogische Familienhilfe, psychisch erkrankte Eltern, Kinder, Resilienz, Parentifizierung, Bindungsverhalten, Kindeswohlgefährdung, Erziehungskompetenz, Psychoedukation, Ressourcenorientierung, Netzwerkarbeit, Genogramm, Familienhilfe, Schutzfaktoren, psychische Störung.
Die Bachelorarbeit thematisiert die Lebenssituation von Kindern, deren Eltern psychisch erkrankt sind, und analysiert, wie die Sozialpädagogische Familienhilfe (SPFH) diese Kinder und Familien wirksam unterstützen kann.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen elterlicher Psychopathologie auf die kindliche Entwicklung, das Konzept der Resilienz sowie verschiedene pädagogische Handlungsansätze der SPFH.
Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, welche konkreten Handlungsansätze sich für die SPFH ergeben, um betroffene Kinder nachhaltig zu stärken.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Aufarbeitung aktueller Erkenntnisse aus der Resilienzforschung und der Jugendhilfe.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der familiären Belastungssituation, eine theoretische Einordnung der SPFH sowie die detaillierte Vorstellung methodischer Interventionen zur Stärkung von Ressourcen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Sozialpädagogische Familienhilfe, Resilienz, Parentifizierung, Psychoedukation und Ressourcenorientierung.
Parentifizierung beschreibt eine dysfunktionale Rollenumkehr, bei der Kinder die Verantwortung für elterliche Pflichten oder emotionale Belange übernehmen müssen, was ihre eigene Entwicklung gefährden kann.
Die Netzwerkkarte ist ein diagnostisches Werkzeug der SPFH, um soziale Ressourcen und das Unterstützungsumfeld des Kindes sichtbar zu machen und für den Hilfeprozess zu mobilisieren.
Psychoedukation hilft Kindern, die Erkrankung der Eltern altersgerecht zu verstehen, Ängste abzubauen und Tabuisierungen innerhalb der Familie zu durchbrechen.
Das Kapitel zu den Herausforderungen thematisiert den Balanceakt zwischen Hilfe und Kontrolle, der für Fachkräfte im Rahmen ihres Auftrags oft eine dilemmatische Situation darstellt.
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