Magisterarbeit, 2005
111 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Quellenbericht und kritischer Literaturüberblick
3 Entwicklung der druckgraphischen Kriegszyklen
4. Goyas Desastres de la Guerra
4.1 Goya, der Spanische Bürgerkrieg und die Restauration der spanischen Monarchie
4.1.1 Die spanische Monarchie und Napoleon - ein historischer Abriss
4.1.2 Goya als Zeuge des spanischen Unabhängigkeitskrieges und der Restauration
4.2 Allgemeine Angaben zu den Desastres de la Guerra
4.2.1 Datierung, Provenienz, Titel, Auflagen, Aufbewahrungsorte
4.2.2 Thematische Unterteilung der Desastres de la Guerra
4.2.3 Stellung der Desastres de la Guerra in Goyas druckgraphischem Œuvre
4.2.4 Stil der Desastres de la Guerra
4.3 Bildbeschreibungen
4.3.1 Schrecken des Krieges
4.3.2 Allegorische Szenen
4.3.3 Folgen des Krieges
4.4 Goyas Stellungnahme in den Desastres de la Guerra
4.5 Zusammenfassung
5 Vorreiter aus dem 17. Jahrhundert
5.1 Jacques Callot
5.1.1 Callot und der Dreißigjährige Krieg: Frankreich und Lothringen um 1630
5.1.2 Les Misères et les Malheures de la Guerre im Vergleich mit den Desastres de la Guerra
5.1.3 Callot und Goya: vergleichende Bildbetrachtungen
5.1.4 Zusammenfassung
5.2 Hans Ulrich Franck
5.2.1 Franck und der Dreißigjährige Krieg: Augsburg 1635-1648
5.2.2 Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges im Vergleich mit den Misères et les Malheures de la Guerre und den Desastres de la Guerra
5.2.3 Franck und Goya: vergleichende Bildbetrachtungen
5.2.4 Zusammenfassung
6 Nachfolger aus dem 20. Jahrhundert
6.1 Otto Dix
6.1.1 Yo lo ví – Ich habe es gesehen: Dix und der Erste Weltkrieg
6.1.2 Der Krieg im Vergleich mit den Desastres de la Guerra
6.1.3 Dix und Goya: vergleichende Bildbetrachtungen
6.1.4 Zusammenfassung
6.2 Pablo Picasso
6.2.1 Picasso und der Spanische Bürgerkrieg
6.2.2 Sueño y mentira de Franco im Vergleich mit den Desastres de la Guerra
6.2.3 Picasso und Goya: Bildbetrachtungen
6.2.4 Zusammenfassung
7 Ausblick: Die Brüder Jake und Dinos Chapman und Goya
8 Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht den druckgraphischen Zyklus "Desastres de la Guerra" von Francisco de Goya in einem umfassenden epochenübergreifenden Kontext. Das primäre Ziel ist es, Goyas künstlerische Herangehensweise an die Darstellung von Kriegsschrecken zu analysieren, seine Einzigartigkeit im Vergleich zu Vorläufern aus dem 17. Jahrhundert und Nachfolgern aus dem 20. Jahrhundert zu bewerten sowie die Frage zu klären, ob Goya den voyeuristischen Blick auf das kriegerische Elend überwindet.
1. Des. 26 No se puede mirar (Man kann es nicht mit ansehen)
Dargestellt ist eine Exekutionsszene. Französische Soldaten haben spanisches Volk in einer Höhle entdeckt und werden es im nächsten Augenblick erschießen, weil es sich vermutlich den Franzosen widersetzt hat. Das Exekutionskommando besteht aus einer Tötungsmaschinerie in Form von gebündelten Flintenläufen bestückt mit Bajonetten, die im rechten Bildteil horizontal in das Bild hineinstoßen. Die Täter sind ausgeblendet, so dass die Szene kalt und anonym, fern von jeglichem menschlichen Gefühl wirkt. Ein Bogen, in Strichätzung ausgeführt - ein immer wiederkehrendes Element in den Desastres - trennt die beiden Gruppen voneinander. Aufgrund des Blickwinkels wohnt der Betrachter der dramatischen Szene in der Höhle bei. Die Szene hat einen starken Hell-Dunkel Kontrast, den Goya durch die Anwendung von Aquatinta erreicht. Goya setzt das Licht als dramatisierendes Element ein. Die Höhle ist dunkel, doch werden die Spanier durch von außen einströmendes Schlaglicht erhellt, was die Szene dramatisiert. Der Untertitel No se puede mirar - man kann es nicht mit ansehen - macht Goyas Intention sehr deutlich. Er stellt die Grausamkeit in den Lichtkegel und lässt alles im Dunklen, was davon ablenken könnte.
Im Mittelpunkt der linken Bildhälfte wird eine Frau im weißen Gewand vom einströmenden Licht angestrahlt. Sie ist Hauptaugenmerk dieser Szene. Ihre Arme sind ausgebreitet nach unten haltend, die Handflächen zeigen gen Himmel, ihr Oberkörper ist nach hinten geneigt, der Kopf ist mit geschlossenen Augen in den Nacken geworfen. Ohnmächtige Resignation wird veranschaulicht. In pathetischer Gebärde und Mimik ergibt sie sich widerstandslos dem Schicksal des bevorstehenden Todes.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kriegsdarstellung ein und stellt Goyas "Desastres" als revolutionären Wendepunkt sowie als Ausgangspunkt für eine epochenübergreifende Untersuchung vor.
2 Quellenbericht und kritischer Literaturüberblick: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Forschungslage und katalogisiert relevante Literatur sowie Ausstellungskataloge zu den behandelten Künstlern.
3 Entwicklung der druckgraphischen Kriegszyklen: Hier wird der historische Wandel der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Krieg vom 15. bis ins 20. Jahrhundert nachgezeichnet.
4 Goyas Desastres de la Guerra: Dieses zentrale Kapitel analysiert den historischen Kontext, die formale Struktur, die Themengruppen und die künstlerische Stellung von Goyas Werk.
5 Vorreiter aus dem 17. Jahrhundert: Der Vergleich mit den Kriegszyklen von Jacques Callot und Hans Ulrich Franck stellt Goyas Werk in eine Tradition der kritischen Bildberichterstattung.
6 Nachfolger aus dem 20. Jahrhundert: Die Analyse der Werke von Otto Dix und Pablo Picasso zeigt, wie spätere Künstler Goyas Motive und Darstellungsformen aufgriffen und weiterentwickelten.
7 Ausblick: Die Brüder Jake und Dinos Chapman und Goya: Der Ausblick befasst sich mit der zeitgenössischen, provokativen Rezeption von Goyas Desastres durch die Chapman-Brüder.
8 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und würdigt Goyas Leistung als Schöpfer eines universellen Protests gegen das menschliche Leid im Krieg.
Francisco de Goya, Desastres de la Guerra, Druckgraphik, Kriegsdarstellung, Jacques Callot, Hans Ulrich Franck, Otto Dix, Pablo Picasso, Brüder Chapman, Historienmalerei, Kriegsgreuel, Kunstgeschichte, Realismus, Aquatinta, Radierung.
Die Arbeit analysiert Goyas druckgraphischen Zyklus "Desastres de la Guerra" im Kontext der Kunstgeschichte, indem sie ihn mit vorangegangenen und nachfolgenden Kriegszyklen vergleicht, um die Einzigartigkeit seiner Anklage gegen den Krieg hervorzuheben.
Die zentralen Themen sind der historische Kontext des Unabhängigkeitskrieges, die künstlerische Entwicklung der Kriegsdarstellung, die Rolle von Leid, Voyeurismus und die spezifische "Formensprache" Goyas.
Ziel ist es zu untersuchen, ob Goya mit seinen "Desastres" die Kriegsdarstellung revolutionierte und ob er tatsächlich den Voyeurismus in der bildnerischen Darstellung des Krieges überwindet.
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Methoden der Bildanalyse, den Vergleich von ikonographischen Vorbildern sowie die Einbettung der Graphiken in ihren historisch-politischen und biografischen Kontext.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse von Goyas Zyklus, den Vergleich mit Künstlern des 17. Jahrhunderts (Callot, Franck) und des 20. Jahrhunderts (Dix, Picasso) sowie einen Ausblick auf die zeitgenössische Rezeption durch die Brüder Chapman.
Wichtige Begriffe sind Realismus, Grausamkeit, Bildlegenden, Radiertechnik, Aquatinta, Kriegschrecken, Patriotismus und die kritische Distanz des Künstlers.
Die Autorin sieht in Callot einen bedeutenden Wegbereiter, dessen "Kriegsmaschinerie" und moralisierende Struktur zwar als Vorbild dienten, stellt jedoch heraus, dass Goya eine deutlich direktere, subjektivere und "unmittelbare" Darstellungsweise wählte.
Beide Künstler teilten eine ähnliche Sicht auf die "Bestialität" des Menschen im Krieg. Dix übernahm Goyas Fokus auf die ungeschönte Darstellung des Schreckens, passte diese jedoch an die technisierte Realität des Ersten Weltkrieges an.
Während Goya bei den "Desastres" auf eine universelle, oft zeitlose Grausamkeit fokussierte, nutzte Picasso seinen Zyklus als direkte, karikierende und parteiische Anklage gegen das Regime von Franco.
Die Chapman-Brüder transformieren Goyas Originale durch drastische Eingriffe, wie das Hinzufügen von Clownsnasen, in ein "makabres Theater". Sie brechen damit bewusst Tabus, um heutige Betrachter mit der Grausamkeit des Krieges zu konfrontieren.
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