Bachelorarbeit, 2019
53 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Protest gegen die Entfremdung: Die Philosophie Nietzsches als Bezugsrahmen
3. Zeithistorischer Kontext: Die entzauberte Wirklichkeit
4. Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung
4.1 Die Entwirklichung der Moderne
4.2 Radikale Reflexion von Selbst und Zeit
4.3 Affekt und Intellekt als Antinomie
5. Die Utopie des anderen Zustandes
6. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die existenzielle Daseinsproblematik des Menschen in der Moderne anhand eines Vergleichs der Romane Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil und Doktor Faustus von Thomas Mann. Dabei wird analysiert, wie die Protagonisten Ulrich und Adrian Leverkühn mit Entfremdung, Illusionslosigkeit und dem Verlust der Unmittelbarkeit umgehen, wobei Friedrich Nietzsches Philosophie als theoretischer Bezugsrahmen dient.
4.2 Radikale Reflexion von Selbst und Zeit
Die kritische Reflexion und Analyse, insbesondere die der eigenen Affekte, machen Spaltung und Zergliederung zur identitätsstiftenden Erfahrung in der Moderne. Reflexion stellt das Gegenwärtige immer in Frage, womit automatisch eine Illusionslosigkeit einhergehen muss, indem gerade ein Konzept wie das der Identität entlarvt wird. Welches Konzept man von Identität hat, bestimmt ja die gesamte Wahrnehmung der Wirklichkeit eines Individuums hinsichtlich der Sinnstiftung. So fallen Sicherungen weg, die den Menschen vorher in eine zwar illusionäre, aber doch bequeme Sicherheit gebettet haben. Der folgende Abschnitt konzentriert sich daher insbesondere auf die subjektive Wahrnehmung der Zeitproblematik der Protagonisten Ulrich und Adrian und vor welche individuellen Schwierigkeiten sie dadurch gestellt werden.
Ulrich charakterisiert sich eben durch diese radikale Selbstreflexion, die ihn dazu führt, die Haltung des „modern-geniale[n] Daseins der Eigenschaftslosigkeit in gestaltloser Abstraktion“ einzunehmen. So ist Ulrich der Ansicht, dass das Bewusstsein von Identität auf einer Illusion beruhe, einer „Art perspektivische[n] Verkürzung des Verstandes“, „die diesen allabendlichen Frieden zustandebringt, der in seiner Erstreckung von einem zum andern Tag das dauernde Gefühl eines mit sich selbst einverstandenen Lebens ergibt.“ (MoE, S. 648f.) So entwickle sich ein „beherrschtes Bild“, wobei die „unsichtbaren Verhältnisse“ von „Verstand und Gefühl derart verschoben [werden - Hvhb. v. Verf.] daß unbewusst etwas entsteht, worin man sich Herr im Hause fühlt.“ (MoE, S. 649) Dadurch wird die überwältigende „Mannigfaltigkeit des Lebens“ auf einen eindimensionalen „Faden der Erzählung“ eingeschränkt, auf die zeitliche Chronologie von Ereignissen, wodurch der Mensch „zu sich selbst Erzähler“ sei: „sie lieben das ordentliche Nacheinander von Tatsachen, weil es einer Notwendigkeit gleichsieht, und fühlen sich durch den Eindruck, daß ihr Leben einen ‚Lauf‘ habe, irgendwie im Chaos geborgen.“ (MoE, S. 650) Die unbewusste Motivation hinter dieser identitätsstiftenden Illusion ist, sich durch das nicht kontrollierbare äußere Chaos, das sich in der Moderne kontinuierlich durch die totale Auflösung aller bisherigen Ordnungen zuspitzt, eben geborgen zu fühlen.
1. Einleitung: Einführung in die Ambivalenz des modernen Menschen, der zwischen rationalistischem Weltbezug und dem Wunsch nach Unmittelbarkeit steht.
2. Protest gegen die Entfremdung: Die Philosophie Nietzsches als Bezugsrahmen: Darstellung von Nietzsches Philosophie als Quelle für den Protest gegen die moderne Entfremdung und die "Umwertung aller Werte".
3. Zeithistorischer Kontext: Die entzauberte Wirklichkeit: Analyse der Moderne als Subjektivierungsprozess, der mit Säkularisierung, Urbanisierung und dem Verlust metaphysischer Sicherheiten einhergeht.
4. Reflexion, Illusionslosigkeit und Entfremdung: Untersuchung der Lebensfeindlichkeit von Intellektualität und der daraus resultierenden Identitätsauflösung sowie Sterilität in den Romanen.
5. Die Utopie des anderen Zustandes: Erörterung der Sehnsucht nach Ganzheit und Integrität als Gegenentwurf zur fragmentierten, rationalisierten Wirklichkeit.
6. Schlussbetrachtung: Resümee über das Scheitern der Protagonisten bei der Suche nach authentischem Sein innerhalb der reflexiven Distanz der Moderne.
Moderne, Entfremdung, Reflexion, Friedrich Nietzsche, Identität, Eigenschaftslosigkeit, Doktor Faustus, Der Mann ohne Eigenschaften, Authentizität, Rationalität, Sterilität, Existenz, Subjektivierung, Irrationalismus, Ganzheit.
Die Bachelorarbeit analysiert die existenzielle Daseinsproblematik des modernen Menschen anhand der Romane Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil und Doktor Faustus von Thomas Mann.
Zu den zentralen Themen gehören Entfremdung, das Verhältnis von Intellekt und Affekt, der Verlust der Unmittelbarkeit, die Rolle der Reflexion sowie der Wunsch nach einem authentischen, ganzheitlichen Dasein.
Das Ziel ist es, das subjektive Erleben der Protagonisten Ulrich und Adrian Leverkühn im Kontext der Moderne zu untersuchen und aufzuzeigen, wie sie an der radikalen Reflexion und der rationalisierten Umwelt scheitern.
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die philosophische (insb. Nietzsche, Sartre, Schopenhauer) und kulturtheoretische Kontexte einbezieht.
Der Hauptteil analysiert den zeithistorischen Kontext der Moderne, die Auswirkungen radikaler Selbstreflexion auf Identität und Kunst, das Spannungsfeld zwischen Rationalität und Lebensnähe sowie die utopische Suche nach einem anderen Zustand.
Die wichtigsten Begriffe sind Moderne, Entfremdung, Reflexion, Identitätsauflösung, Authentizität und die Nietzsche-Rezeption.
Während Ulrichs Reflexion als Mathematiker seine Haltung der Eigenschaftslosigkeit fundiert, fungiert sie bei Adrian als Künstler einerseits als konstituierendes Element seines Genies, andererseits als Hemmnis, das ihn in eine kalte Sterilität führt.
Krankheit wird als ein notwendiger Katalysator für das Genie dargestellt; sie bricht die Sterilität der rationalisierten Welt auf und ermöglicht einen Durchbruch zu einer neuen, wenn auch destruktiven Form von Ausdruck und "Leben".
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

