Diplomarbeit, 2002
210 Seiten, Note: 2
1 VERSTEHENDE DIAGNOSTIK ALS CHANCE ZUR REHISTORISIERENDEN DIAGNOSTIK FÜR UND MIT CHRONISCH VERWIRRTEN MENSCHEN ZUR BEWAHRUNG DER BIOGRAPHISCHEN INTEGRITÄT UND DER EIGENEN PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG
1.1 DIE SYNDROM- BZW. FAKTORANALYSE NACH LURIA
1.2 DAS AUFSTEIGEN VOM ABSTRAKTEN ZUM KONKRETEN: DAS SYNDROM IN DER FÜLLE DES SEINS
1.3 DAS AUFSTEIGEN IM KONKRETEN
2 GRUNDANNAHMEN EINES MENSCHENVERSTÄNDNISSES IM SYSTEMTHEORETISCH- POSTRELATIVISTISCHEN SINNE
3 DAS PSYCHOSYNDROM „CHRONISCHE VERWIRRTHEIT“
3.1 KRANKHEITSVERLAUF DER CHRONISCHEN VERWIRRTHEIT IN BEDINGUNG ZUR DAT NACH BRAAK / BRAAK
3.1.1 BRAAK / BRAAK BETRACHTEN UND BEZEICHNEN DIE STADIENEINTEILUNG (1991-1996) ALS DEN „INTELLEKTUELLEN STATUS DES MENSCHEN“ (KORRELATIVE ERKENNTNISSE BEDINGT DURCH DEN MORPHOLOGISCHEN STATUS DER HIRNRINDE UND DER KLINISCHEN SYMPTOMATIK):0 STADIUM:
3.1.2 1.+ 2. STADIUM (FRÜHES STADIUM AUCH TRANSENTORHINALE STADIEN GENANNT):
3.1.3 3. STADIUM (INITIALSTADIUM DER DAT AUCH LIMBISCHES STADIUM GENANNT):
3.1.4 4. STADIUM (FORTSCHREITENDER BEGINN DES ANFANGSSTADIUMS DER DAT):
3.1.5 5. STADIUM (NEOKORTIKALES STADIUM I):
3.1.6 6. STADIUM (NEOKORTIKALES STADIUM II-PHASE DER VOLLAUSGEPRÄGTEN DAT UND ZUGLEICH DER CHRONISCHEN VERWIRRTHEIT):
3.2 SYNDROMANALYSE DER „CHRONISCHEN VERWIRRTHEIT“ IN ANLEHNUNG AN DIE DAT UND DER 5.-6. STADIUMSEINTEILUNG NACH BRAAK / BRAAK
3.2.1 ERSTE HAUPTEINHEIT DER FUNKTIONELLEN ORGANISATION (EINHEIT DER STEUERUNG VON TONUS UND WACHHEIT, ALLGEMEINEN ZUSTAND UND EMOTIONSKONTROLLE)
3.2.2 ZWEITE HAUPTEINHEIT DER FUNKTIONELLEN ORGANISATION (VERARBEITUNG UND SPEICHERUNG DER VON DER AUBENWELT EINTREFFENDEN INFORMATIONEN UND ALS EINHEIT DER PROGRAMMIERUNG)
3.2.3 DIE DRITTE HAUPTEINHEIT DER FUNKTIONELLEN ORGANISATION (PROGRAMMIERUNG, STEUERUNG UND KONTROLLE PSYCHISCHER TÄTIGKEIT)
3.2.4 PSYCHISCH-EMOTIONALE BEGLEITERSCHEINUNGEN AUFGRUND DER FEHLREGULIERUNG DES SUBJEKTIVEN TÄTIGKEITSPROZESSES
3.3 BEGRIFFSDEFINITION DER CHRONISCHEN VERWIRRTHEIT AUF GRUNDLAGE DER DAT AUS TÄTIGKEITSTHEORETISCHER PERSPEKTIVE
4 ERKLÄRUNGSWISSEN: TÄTIGKEITSTHEORETISCHE REFLEXION DES „FUNKTIONELLEN SYSTEMS“, PERSÖNLICHKEITSVERÄNDERUNGEN UND ENTWICKLUNGSLOGIK NACH DEN SOZIALEN MÖGLICHKEITEN
4.1 THEORETISCH SYNDROMANALYTISCHES BESCHREIBUNGSWISSEN ZUR CHRONISCHEN VERWIRRTHEIT BETROFFENER MENSCHEN
4.1.1 REFLEXIONSTHEORIE DES FUNKTIONELLEN SYSTEMS UND DIE EMOTIONAL - MOTIVATIONAL - SINNHAFTE REGULATION ALS INTEGRATIVE BESCHREIBUNGSTHEORIE IN DER SYNDROMANALYSE UND EINKATEGORISIERUNGSHILFE DER CHRONISCHEN VERWIRRTHEIT
4.1.2 DER INTRASYSTEMISCHE INFORMELL OFFENE UND GESCHLOSSEN VERARBEITENDE TÄTIGKEITSPROZEß DES MENSCHEN
4.1.3 DIE KOMPRIMIERTE ZUSAMMENFASSUNG DER SYMPTOMATIK DER DAT NACH DEN ERMITTELTEN ERGEBNISSEN NACH DECKER MIT DER ANWENDENDEN UMWANDLUNG ZUM CHRONISCHEN VERWIRRTHEITSSYNDROM
4.2 ERKLÄRUNGSWISSEN: PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG, SOZIALE ISOLATION UND ENTWICKLUNGSLOGIK BEI EINEM CHRONISCH VERWIRRTEN MENSCHEN
4.2.1 PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG
4.2.2 PERSÖNLICHKEITSPARAMETER: VIELFÄLTIGE BEZIEHUNGEN DES INDIVIDUUMS ZUR WELT
4.2.3 PERSÖNLICHKEITSPARAMETER: HIERARCHISIERUNGSGRAD DER TÄTIGKEIT UND IHRER MOTIVSTRUKTUR
4.2.4 PERSÖNLICHKEITSPARAMETER: ALLGEMEINER TYP DER PERSÖNLICHKEITSSTRUKTUR
5 VERSTEHENDE DIAGNOSTIK ALS MÖGLICHKEIT DER REHISTORISIERUNG DES MENSCHEN UND DIE DYNAMISCH PROZEßHAFT ANZUWENDENDEN HANDLUNGSKONZEPTE IN DER PROFESSIONELLEN PFLEGEPRAXIS ALS THERAPEUTISCHE UND ALLTAGSBEGLEITENDE MAßNAHME
5.1 PROFESSIONELL PFLEGERISCHES HANDELN
5.1.1 PÄDAGOGISCHE UND THERAPEUTISCHE PFLEGEZIELE
5.2 PÄDAGOGISCH - THERAPEUTISCHES HANDELN ALS PROFESSIONELL PFLEGERISCHES HANDELN
5.3 PÄDAGOGISCH - THERAPEUTISCHE HANDLUNGSKONZEPTE FÜR PROFESSIONELL PFLEGERISCHES HANDELN MIT CHRONISCH VERWIRRTEN MENSCHEN
5.3.1 DAS HANDLUNGSKONZEPT DER INTEGRATIVEN VALIDATION (IVA) UND DIE AKZEPTANZ DER ENTWICKLUNGSLOGIK
5.3.2 DAS HANDLUNGSKONZEPT ZUR FÖRDERUNG DER PSYCHISCHEN SELBSTERHALTUNG UND EIGENEN VERTRAUTHEIT
5.3.3 DIE ANWENDUNG DER PÄDAGOGISCH - THERAPEUTISCHEN SET BEGEGNET DEM BETROFFENEN VOR DEM HINTERGRUND VON BIOGRAPHISCHEN UND ENTWICKLUNGSLOGISCHEM WISSEN MIT DER ZIELSETZUNG IM GEMEINSAMEN HANDLUNGSPROZEß:
5.3.4 DAS HANDLUNGSKONZEPT DER BEZIEHUNGS- UND MILIEUGESTALTUNG
6 THEORETISCHES UND PRAKTISCHES ANFORDERUNGSPROFIL AN PFLEGENDE DER AUS- UND WEITERBILDUNG IM VERSTEHEND - DIAGNOSTISCHEN PROZEß UND DER PROFESSIONELLEN HANDLUNGSKOMPETENZ MIT CHRONISCH VERWIRRTEN MENSCHEN
6.1 BERUFLICHES LERNEN NACH DER TZI- METHODE- KURZE PHILOSOPHISCHE VORSTELLUNG DES GRUPPENSPEZIFISCHEN UND KOMMUNIKATIVEN LERNENS ALS RICHTSCHNUR FÜR DIE METHODENAUSWAHL
6.1.1 DIE DREI EBENEN DER KOMMUNIKATION NACH COHN
6.2 DIE METHODE DES GRUPPENUNTERRICHTS MIT HANDLUNGSORIENTIERUNG NACH MEYER
6.3 METHODE DES SZENISCHEN SPIELS UND ERFAHRUNGSBEZOGENEN REFLEXION NACH SCHELLER
6.3.1 DAS SZENISCHE ROLLENSPIEL NACH DUBS
7 SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Diplomarbeit widmet sich der Herausforderung, chronisch verwirrte Menschen mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) in der Pflegepraxis würdevoll und entwicklungsorientiert zu begleiten. Ziel ist es, ein Verständnis zu entwickeln, das über die rein defizitorientierte medizinische Diagnose hinausgeht, um die biographische Integrität und die Persönlichkeitsentwicklung der Betroffenen zu stützen und durch rehistorisierende sowie handlungsorientierte Konzepte eine menschenwürdige Lebensgestaltung zu ermöglichen.
1 Verstehende Diagnostik als Chance zur rehistorisierenden Diagnostik für und mit chronisch verwirrten Menschen zur Bewahrung der biographischen Integrität und der eigenen Persönlichkeitsentwicklung
Dieses diagnostische Verfahren, welches die sozial konstruierte Behinderung und die implizite ideologische Psychopathologie mit der Priorität des Defekts ohne Entwicklungstendenz des Menschen unter humanwissenschaftlicher Perspektive als nicht angemessen bzw. menschenfern beurteilt, wurde von Jantzen Anfang der 90er Jahre bis zum heutigen Tage durch mehrere Publikationen im fachwissenschaftlichen Bereich der Behinderten-, Heil- und Sonderpädagogik skizziert. Sie nimmt die Abweichung des meist verstandenen, „normalen Naturwesens Mensch“ nicht zum Maßstab des Erkennens des Menschen, sondern beschäftigt sich bei der sozial auffälligen Abweichung mit der Entwicklung unter den isolierenden Bedingungen des Menschen, um ihn verstehen zu lernen. D.h. die personen- und verhaltensbezogene Beobachtung wird als nicht ausreichend angesehen, sondern sie (die verstehende Diagnostik) beschäftigt sich mit dem Menschen und seinem Leben unter inneren und äußeren Lebensbedingungen und seiner Entwicklung. Ferner wird danach gefragt, inwiefern unter isolierten Lebensbedingungen bedingt durch eine psychopathologische Problematik (die nicht immer ein biopathologischer Prozeß sein muß), es die Persönlichkeit verändert oder durch welche Kompensations- und Integrationsmöglichkeiten ein Mensch verfügt, um starke persönliche Veränderungen aufzuhalten und soziale Entwicklungsmöglichkeiten aufrecht zu halten.
Damit kommt der Diagnostik ein anderer, größerer Stellenwert zu, als `nur` der des Erkennens der neuropsychologischen Symptommanifestation eines Menschen, welches als normativ deterministisch mit der Absprechung von menschlicher Entwicklungsmöglichkeit und der Entsprechung von einer statischen Größe von Psychopathie gilt. Überwunden wird also die naturwissenschaftliche Normalität mit den objektiven Zeichen und deren Konstruktion über pathologisch und gesund zu entscheiden und tendiert in die Richtung der verstehenden, qualitativen und biographieorientierten Diagnostik mit der Negation des äußeren Beobachters. D.b. die sozial konstruierte Wahrheit, die sich auf das Naturwesen Mensch in seinem Normverhalten und seiner sozialen Unauffälligkeit bezieht und somit die medizinische Diagnose als Verdopplung der pathologischen Realität benutzt, um Abweichungen vom „Normalen“ zu konstatieren, soll nicht als ableitender therapeutischer Handlungsentwurf verstanden werden, sondern bei der verstehenden Diagnostik höchstens als ein Teilaspekt in der Datensammlung zur Syndromanalyse betrachtet werden.
1 VERSTEHENDE DIAGNOSTIK ALS CHANCE ZUR REHISTORISIERENDEN DIAGNOSTIK FÜR UND MIT CHRONISCH VERWIRRTEN MENSCHEN ZUR BEWAHRUNG DER BIOGRAPHISCHEN INTEGRITÄT UND DER EIGENEN PERSÖNLICHKEITSENTWICKLUNG: Dieses Kapitel erläutert den diagnostischen Ansatz, der den Menschen hinter dem Defekt sieht und versucht, seine Lebensgeschichte sowie Entwicklung trotz der Behinderung zu verstehen.
2 GRUNDANNAHMEN EINES MENSCHENVERSTÄNDNISSES IM SYSTEMTHEORETISCH- POSTRELATIVISTISCHEN SINNE: Hier wird das Menschenbild dargelegt, welches auf Systemtheorie basiert und den Menschen als ständig lernendes und entwicklungsfähiges Subjekt in komplexen Austauschprozessen betrachtet.
3 DAS PSYCHOSYNDROM „CHRONISCHE VERWIRRTHEIT“: Das Kapitel beschreibt neuropsychologische Symptome der chronischen Verwirrtheit bei DAT basierend auf der Lokalisationstheorie nach Luria und der Stadieneinteilung nach Braak/Braak.
4 ERKLÄRUNGSWISSEN: TÄTIGKEITSTHEORETISCHE REFLEXION DES „FUNKTIONELLEN SYSTEMS“, PERSÖNLICHKEITSVERÄNDERUNGEN UND ENTWICKLUNGSLOGIK NACH DEN SOZIALEN MÖGLICHKEITEN: Es wird eine psychische Tätigkeitstheorie vorgestellt, um das alltägliche Erleben und die Persönlichkeitsentwicklung eines chronisch verwirrten Menschen zu erklären und in Austauschbeziehungen einzuordnen.
5 VERSTEHENDE DIAGNOSTIK ALS MÖGLICHKEIT DER REHISTORISIERUNG DES MENSCHEN UND DIE DYNAMISCH PROZEßHAFT ANZUWENDENDEN HANDLUNGSKONZEPTE IN DER PROFESSIONELLEN PFLEGEPRAXIS ALS THERAPEUTISCHE UND ALLTAGSBEGLEITENDE MAßNAHME: Dieses Kapitel fokussiert auf die professionelle Pflege und stellt konkrete Konzepte vor, wie Validation und Selbsterhaltungstherapie, um dem Betroffenen Lebensqualität zu sichern.
6 THEORETISCHES UND PRAKTISCHES ANFORDERUNGSPROFIL AN PFLEGENDE DER AUS- UND WEITERBILDUNG IM VERSTEHEND - DIAGNOSTISCHEN PROZEß UND DER PROFESSIONELLEN HANDLUNGSKOMPETENZ MIT CHRONISCH VERWIRRTEN MENSCHEN: Der abschließende Teil behandelt die berufspädagogischen Aspekte und Methoden, wie Pflegende in Ausbildung und Weiterbildung die notwendigen Kompetenzen für diesen verstehenden Ansatz erlernen können.
Verstehende Diagnostik, Rehistorisierung, chronische Verwirrtheit, DAT, Demenz, Tätigkeitstheorie, Pflegepraxis, Validation, Selbsterhaltungstherapie, Persönlichkeitsentwicklung, Systemtheorie, soziale Isolation, Lebensaktivitäten, professionelle Handlungskompetenz, berufliches Lernen.
Die Arbeit befasst sich mit einem neuen, verstehenden Ansatz in der Pflege von chronisch verwirrten Menschen mit einer Demenz vom Alzheimer-Typ, um deren Persönlichkeit und biographische Integrität besser zu wahren.
Die zentralen Themen umfassen die rehistorisierende Diagnostik, die psychische Tätigkeitstheorie, die Auswirkungen von Demenz auf das Erleben und die daraus resultierenden pädagogisch-therapeutischen Handlungskonzepte für die professionelle Pflege.
Das Hauptziel ist es, einen theoretischen und praktischen Rahmen für Pflegende zu schaffen, der es ermöglicht, den Betroffenen hinter der Diagnose zu sehen, seine subjektive Logik zu verstehen und durch professionelle Begleitung ein würdevolles und sinnerfülltes Leben zu unterstützen.
Die Arbeit stützt sich auf einen kulturhistorischen und systemtheoretischen Ansatz, insbesondere unter Rückgriff auf die Tätigkeitstheorie nach Leontjew und Luria sowie die verstehende Diagnostik nach Jantzen, um ein handlungsorientiertes Verständnis zu ermöglichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine neuropsychologische Syndromanalyse, eine tiefgehende Tätigkeitstheorie der Persönlichkeitsveränderungen sowie eine ausführliche Darstellung pflegerischer Handlungskonzepte und deren Vermittlung in der beruflichen Ausbildung.
Rehistorisierung, verstehende Diagnostik, Tätigkeitstheorie, Demenzpflege, Personenzentrierung, pädagogisch-therapeutische Handlungskonzepte.
Das Syndrom führt zu einer massiven Störung im Austauschverhältnis mit der Außenwelt, was den Betroffenen dazu zwingt, sich auf eine innere Realität zurückzuziehen, um Stabilität zu wahren. Die Arbeit beschreibt dies als einen subjektlogischen Prozess der Kompensation.
Die IVA ist relevant, da sie eine Methode bietet, das verwirrte Verhalten als sinnhaft zu deuten und über eine wertschätzende Kommunikation auf der Gefühlsebene eine stabilisierende Brücke zur Lebensgeschichte des Betroffenen zu bauen.
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